1850_Gutzkow_030_53.txt

's aus! Es ist nun drei Wochen her. Schnedderedeng! Trarara! Das ganze Dorf untenes heisst Plessenkam zusammengelaufen und gaffte die Postillone all und Kuriere an, und die Herrschaften stiegen aus. Das sind nun Die, die viele Jahre lang erst auf den Boden, dann auf den Wald, zuletzt auf Gerät, Leinenzeug, Tisch- und Bettzeug und den letzten Spahn Holz im schloss Geld geliehen haben. Der Fürst liess jaGott sei's geklagt! – seine alte kostbare Lebensart nicht, brauchte zehn mal mehr als er einnahm und so war er zuletzt dermassen herunter, dass sein Sohn in Paris die Erbschaft nicht antreten will und.. nicht antreten kann und.. nicht antreten wird.

Während der Förster so plauderte, verzehrten die drei Reisenden vollends ihr bescheidenes Mahl. Dankmar hatte in der Zerstreuung das Taschentuch an den Fremden zurückzugeben vergessen. Hackert blinzelte ihm deshalb einige mal mit den Augen zu, ohne sich aber Dankmarn verständlich machen zu können.

Liegt nicht am fuss des Hohenbergs, fragte Dankmar, seine eigenen Angelegenheiten erwägend und darin, dass der Fremde in tiefes Nachdenken versunken schien, nichts Auffallendes erblickend, liegt nicht in Plessen eine Schmiede?

Ja wohl, lautete die Antwort.

kennen Sie den Schmied?

Er heisst Zeck! Ist blind und sein Sohn ist taub.

Hackert lachte und fügte hinzu:

Und hoffentlich sind bei ihm recht viel Pferde lahm?

Der Jäger sah den Witzmacher finster an und wandte sich in seinen Erläuterungen zu den Andern, Hackert den rücken kehrend.

Die Zeck'sche Schmiede war sonst in Flor. Alle Fuhrleute haben da angesprochen und sparten ihre Reparaturen auf die plessener Schmiede; jetzt kommt selten noch ein Wagen den Berg herunter.

Wenn jetzt da oben Alles aus Rand und Band ist, fragte Dankmar, so gibt es wohl viel verrufenes Gesindel auf der herrschaft?

Das doch nicht! Dann und wann einmal ein Wilddieb. Und Das selten, weil nichts zu dieben da ist. Ja! Holz wird gestohlen ....

Und Das tüchtig! schaltete Lenchen ein, die abund zuging und manchmal ein Wort dreinredete, wie es einem resoluten Mädchen zukommen mag.

Ja! sagte der Jäger lachend; mehr als billig.

Aber wie reimt sich Das, bemerkte der Fremde, mit der allberühmten Frömmigkeit, durch die sich ja die ganze Gegend auszeichnen soll?

Der Jäger lächelte nicht ohne Feinheit.

Es wird wohl so dick damit nicht aussehen, meinte Lenchen und lachte, indem sie abdeckte.

Ich will Ihnen sagen, nahm der Jäger das Wort; es mag mit der Frömmigkeit, die man so offen zur Schau trägt, nicht weit her sein; Das lernt man im wald, wo man an jedem stillen Plätzchen denkt: hier ist's so gut wie in der Kirche! Aber wenn's auch nicht mehr sehr lange nachwirken wird, die selige Fürstin hielt doch viel auf's Christentum. Sie teilte Bibeln aus und sammelte jeden Sonnabend die Leute um sich und las irgend was Andächtiges vor, oder irgend ein fremder Herr musste vorlesen und die Leute sangen dazu. Manchmal kamen Menschen, die früher ein Handwerk gelernt hatten, dann aber, wie sie's nannte, die vortreffliche Dame, die Erleuchtung bekommen hatten und Missionäre wurden, für die Heiden zu bekehren. Die stellte sie dann Sonnabends der Gemeinde vor und Alle mussten beten, dass Gott die frommen Apostel, wie sie sie nannte, in Gnaden beschützen und behüten möchte. Ach, Das war oft recht rührend, so einen guten Menschen zu sehen, der nun da hinaus muss ins Hottentottenland und die Buschmänner bekehren. Alle mussten weinen und Jeder gab ihm die Hand und sah den armen Menschen sich noch einmal erst an, ehe er gespiesst und gebraten war. Manche freilich ....

Der Jäger machte eine schlaue Miene.

Nun, Manche? fragte Dankmar.

Manche von den Missionären gingen gar nicht hin zu den Hottentotten! sagte der Jäger pfiffig und kratzte sich hinterm Ohr. Wenn Die das Gute genossen hatten und recht ausstaffirt waren mit allerhand kostspieligen Geschenken, blieben sie in Bremen oder Hamburg ganz geruhig liegen oder schrieben, sie hätten schon bei England herum Schiffbruch gelitten und müssten wieder umkehren oder es müsste was Neues nachkommen. Ach, lieber Heiland, was sind da für Sachen vorgefallen!

Der Jäger war so gutmütig, dass er diese Worte in einem entschuldigenden Tone und wie über den Lauf der Welt kopfschüttelnd vortrug.

Kein Missionär, erzählte er weiter, ging von Hohenberg fort, ohne nicht noch einen ganzen Koffer voll Hemden und Strümpfe mitzunehmen. Die liess die gute Frau Fürstin im Ländchen herum weben und stricken. Sie teilte das Garn und die Wolle aus, aber nur an Die, welche in die Betstunden kamen. Wer fromm zugehört und andächtig seinen Vers gesungen hatte, kriegte nachher, wenn die Andacht aus war, einen Napf voll Warmbier und etwas frisches Weissbrotwas die alte Brigitte schön backen kannund beim Nachhausegehen bekam jede Frau und jedes Mädchen einen Korb voll Arbeit für die Heiden mit.

Hackert lachte über diese Schilderung so unverschämt laut auf, dass es ihm Dankmar fast verwies. Dennoch mischte er sich dreist in das Gespräch und sagte:

Ich kenn' einen ehemaligen Missionär. Der Schlingel hat mir's erzählt, wo die Strümpfe und Hemden all' hinkommen, die man ihnen nachschickt. Die Augenverdreher verkaufen sie an das erste beste Kauffahrteischiff, das sie am Meere antreffen