der Trompetta eine Rakete in die Höhe. Die Musik war abgebrochen. Alles trat in Shawls und Mantillen gehüllt hinaus in den schon kühlen, jetzt völlig dunkel gewordenen Garten. Leidenfrost's drei Gehülfen mussten angekommen sein. Die Kinder rannten über die Beete, die Damen suchten den günstigsten Ort, um, sicher vor dem Niederschlag der abgebrannten Präparate, doch von dem Lichteffekte derselben sich nichts entgehen zu lassen. Überall her in den umliegenden Gärten wurde es lebendig. Das Feuerwerk fand Zuschauer, die draussen am Hinterzaune, der schon in's Feld führte, bei besonders gelungenen Effekten Beifall spendeten.
Der erste Böllerschuss und die Rakete war nur ein Signal. Es folgte nach einiger Pause ein zweiter und wieder eine Rakete. Dann ein dritter und jetzt eine Leuchtkugel. Ah! ertönte es in diesem ganzen fashionablen Quartier. Anna von Harder, die Unruhe und Eile hatte, dachte, ob wohl auch drüben die Schwester sich an's Fenster stellen und an dem Scherze ihre Freude haben würde? ...
Leidenfrost legte grosse Ehre ein. Erst spielte in ununterbrochener Folge ein kleines Geplänkel von Leuchtkugeln. Es war wie das Spiel eines Equilibristen, der Fangbälle wirft und aufgreift, ohne dass einer von der gewandten Hand verfehlt wird. Dann kam ein Pot à feu, der plötzlich einen lebendigen Blumenkorb von Schwärmern vorstellte. Das war ein Zischen, ein Züngeln, Platzen und Knallen in der Luft. Von diesem Momente hatten die Näherstehenden mehr Genuss als die Entfernteren, denen nur die Leuchtkugeln volles Vergnügen gewährten. Es kamen deren auch wieder neue, nun mit bunten Lichteffekten, die blau und rot in der Höhe sich auflösten; andere entwickelten oben noch einen Schwärmer und ängstigten die im feld Stehenden; denn der züngelnde Auslaufer der gestiegenen Rakete suchte gerade sie auf. Nun brannte Leidenfrost, der mit seinen drei Gesellen und dem einz'gegen Lichtchen, das sie auf ihrem dunkeln Berge unterhielten, einen eigentümlichen Eindruck machte (fast wie Seeleute, die sich heimlich ducken, um einen Brander anzuzünden), einen Tourbillon ab, der wie eine herabfallende Fontaine gestaltet, schnurrend in die Höhe fuhr und einen Feuerregen in unzähligen blinkenden Tropfen niederrieseln liess. Auch Feuerräder machten einen ähnlichen Effekt. Zwei Sonnen, die dicht hintereinander in Rotation kamen, ergänzten sich in ihren Strahlen, so dass sie in der Ferne den Eindruck einer einz'gegen gewaltigen Sonne machten. Zuletzt brannte das Bouquet in einer für den kleinen Raum unglaublichen Menge von Schwärmern, Raketen, Leuchtkugeln und Donnerschlägen ab. Nun gab der Böller noch drei kräftige Schläge und die Herrlichkeit war unter einem unaufhörlichen Tuschblasen der Musikanten zu Ende.
Bravo! scholl es von allen Seiten und in der Tat hatten sich die Feuerwerker mit Ruhm bedeckt. Leidenfrost's mannichfache Talente hatten sich auch hier wieder glorreich bewährt. Die Fürstin dankte ihm und ersuchte ihn, ja dafür zu sorgen, dass seine Genossen noch blieben und sich von einer für sie bereit gehaltenen Collation nach so kühner Arbeit stärkten. Alle kehrten in den Saal zurück, wo sie mit Eis und einer grossen silbernen Vase voll gefrornen Champagners, einer von Olga angegebenen idee, empfangen wurden.
Siegbert, der hier und da fast wie der Wirt oder der Sohn vom haus nach dem Rechten sah, hatte sich an dem Berge verspätet und besprach mit den Arbeitern das Abbrechen der Zurüstungen und den Transport des Böllers, den Danebrand wie ein Spielzeug auf die breiten Schultern hob und erklärte, ihn so nach der Willing'schen Maschinenfabrik zurücktragen zu wollen ...
Wie ist es denn, Herr Wildungen, fragte Alberti bei dieser gelegenheit, wann kommt denn der Franzos in unsern Verein?
Und Sie selbst und Ihr Herr Bruder ... sagte Heusrück. Wollten Sie uns denn nicht einmal einen Abend schenken?
Schon längst, antwortete Siegbert, längst wären wir gekommen, wenn uns nicht mancherlei Sorgen in Anspruch genommen hätten. Auch gestehen wir Euch, Freunde, wir haben noch mit uns selbst in Zwiespalt gestanden ...
Wir waren Ihnen nicht sauber genug ... sagte Alberti ...
Wo denkt Ihr hin! fiel Siegbert ein. Unser Herz schlägt nur für die Sache des volkes. Wir hatten immer ein Ohr, um hören zu können, was in Eurer Brust für Zeugnisse über den höheren Wert der Menschen und die Möglichkeit einer Fortbildung der arbeitenden Klassen leben. Denen sollten wir nicht trauen? Sollten feige sein und mit unserer Meinung zurückhalten?
Sie leben unter Fürsten und Fürstinnen ... liess Heusrück schüchtern fallen.
Und habt Euch doch heute überzeugen können, dass die Schranke zwischen denen und uns und Euch nicht mehr gar zu hoch ist! Nein, Freunde, der Grund, warum Louis Armand, Dankmar und ich zögerten, ist ein anderer. Wir bezweckten ...
Ihr Kohlenbrenner, geht nun zum Teufel! unterbrach Leidenfrost in seiner polternden Art die Siegbert'sche Ergiessung und zündete sich eine Cigarre an. Da habt Ihr Jeder noch eine Cigarre – auch Ihr, Danebrand – und nun examinirt uns nicht lange! Wir werden schon gackern und Euch rufen, wenn unsere Eier gelegt sind.
Die Arbeiter lachten, nahmen die Cigarren und zündeten sie an Leidenfrost's brennendem Glimmstengel an. Danebrand gebehrdete sich dabei ungeschickt genug. Sie wollten gehen ...
Nein, nein, sagte Siegbert, die Fürstin lässt Niemanden von Euch jetzt fort, ehe nicht der Tisch, der in einem vorderen Entréezimmer gedeckt wurde, ganz geleert ist. Das sind unerlässliche Sachen,