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? Ist die so ungefällig? Die reiche ...

Die!

Sieh! sieh! So schreibe' der Fränz durch die Post. Sie hört gern Etwas von Hohenberg, vom Wald und Gelben Hirsch. Mein Schreiben ist nicht viel nutz. Franziska Heunisch, beim Tischlermeister Märtens auf der Wallstrasse ....

Franziska Heunisch? unterbrach Hackert das Verzehren seiner Mahlzeit, ein Geschäft, dass er mit vielem Appetit verrichtete.

kennen Sie die Fränz Heunisch, Herr? fragte der Jäger, angenehm überrascht.

Hackert kaute und antwortete nicht. Er schien nicht das Gemüt zu besitzen, dem Onkel, der seine Nichte zärtlich zu lieben schien, eine Auskunft zu geben, die den freundlichen Waldbewohner glücklich gemacht hätte.

Als der Jäger die Frage: Ei! kennen Sie die Fränz Heunisch? nochmals wiederholt hatte, stiess Dankmar ärgerlich mit dem Ellenbogen den kauenden Hackert an und sagte:

hören Sie denn nicht?

Fränzchen Heunisch, antwortete Hackert mit zweideutigem Lächeln; eine angenehme kleine Putzmacherin ....

Ja, Herr, sagte der Jäger, sie macht Putz.

Dann aber, da er Hackert's Lächeln sonderbar fand, setzte er, indem ihm das Blut in die Wangen schoss, mit unterdrücktem Zorn hinzu:

Wissen Sie von Fränz Heunisch etwas Unrechtes?

Ich weiss von ihr nichts, bester Jägersmann, sagte Hackert, als dass sie allerliebste Zähne, hübsche rote Wangen, braune Augen, schwarzes glattes Seidenhaar und um die Augen eine gewisse reizende Haut wie von Wachs hat und in der Wallstrasse Nr. 14 im zweiten hof links eine Treppe hoch wohnt.

Herr, da wohnt sie! sagte der Jäger und warf sich jetzt die Flinte so zornig über die Schulter, dass die Jagdtasche hin- und herflog. Was aber nun? Was nun?

Was nun? Nun? Nichts nun! Sie wollten ja die Adresse genau wissen. Wallstrasse Nr. 14 im zweiten hof links. Ist's nicht so?

Der Fremde, der an dem Jäger Wohlgefallen zu finden schien und einen üblen Ausgang dieser Reibung fürchtete, hielt es für das Angemessenste, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.

Eilen Sie schon so? sagte er zu dem kirschrot gewordenen Mann, der auf Hackert Blicke schoss, die im grund doch mehr rührend als erschreckend waren. Er fürchtete sicher, Franziska Heunisch möchte wirklich auf schlimmen Wegen sein.

Die Jagd kann Sie nicht rufen, fiel Dankmar ein, der in dem Jäger den über seine Nichte aufsteigenden Verdacht gleichfalls zerstreuen wollte; ich denke, in den Wäldern hier mag es im Herbst lustig zu pirschen sein ...

Es gibt nicht mehr viel wild in den fürstlichen Wäldern, sagte der Jäger, sich sammelnd, aber noch mit zitternder stimme.

Sind Sie Hohenbergischer Jäger? fragte der Fremde.

Das bin ich.

Früher Militair?

Militair.

Dem alten Feldmarschall nahe gestanden? Nicht wahr?

Nicht so nahe. Der selige Feldmarschall war kein Jäger.

Und doch kein wild? bemerkte der Fremde, der sich so benahm, dass ihn Niemand mehr für einen wandernden Handwerker halten konnte.

Doch kein wild! fiel der Jäger, der sich rascher beruhigte, als Dankmar erwartet hatte, ein. Das machen die Finanzen ....

Wie so die Finanzen? sagte Dankmar.

Weil die Juden den alten Fürsten ganz in Händen hatten. Wie ihm kein Strohhalm mehr im land gehörte, liessen sie dann auch frisch aufs wild losschiessen, Reh' und Haas, Alt und Jung, nur um Geld herauszuschlagen. Jetzt sind sie ja in Hohenberg All' versammelt; sie wollen zur Jagd wiederkommen, sagten mir neulich ein paar Steifböcke; aber ich lachte und dachte mir: Bringt wieder, was Ihr schon Alles in unserm Wald vertilgt habt, dann wird sich's der Mühe lohnen. übrigens schwieg ich; denn kein Mensch weiss, was aus der herrschaft werden soll und wer uns inskünftige was zu befehlen hat.

Wer ist denn Alles oben? fragte Dankmar, der den etwas frugalen Fremden in der Blouse gebeten hatte, sich des Weins gemeinschaftlich zu bedienen.

Ich kenne sie nicht Alle, die geputzten Leute, sagte der Jäger. Aber Das weiss ich, solche sind's nicht, wie Die, die zur Zeit, als der Fürst und die Fürstin im Glanze lebten, da zu Besuch gekommen sind. Der Fürst ist in der Residenz gestorben, kam auch nie hinaus nach Hohenberg, schon die zwölf Jahre nicht, dass die Fürstin da wohnte. Als die fromme Frau noch lebte, durfte sich Niemand von den Creditores auf dem schloss sehen lassen. Das war so ausgemacht. Als sie aber die Augen zutat, es sind nun zwei Jahre her, da ging's lustig los. Erst fing's auf den Wirtschaftshäusern herum und in der Rechnungskammer an zu rumoren. Hui, was für fremde Vögel, die da durcheinander zwitscherten: Das ist für meine Kralle, Das für meinen Schnabel! Das Schloss blieb noch unangefochten, aber seit den drei Monaten, dass nun auch der Fürst in Gott entschlafen istja, ja! – in GottGott hab' ihn selig, es war ein guter, aber auch wieder ein recht schlimmer HerrDaHurrah! Da kamen sie denn Alle an, in grossen Staatskutschen. Ritsch! Ratsch! Jetzt zerhackt und zerstückt das Ganze! Wenn sich Keiner findet, der die halbe Million zahlt, die allein schon als Schuld auf dem Ganzen steht, ist