Louis Armand gehört hatte. Irr' ich nicht ...
Sie werden Manches von ihm gelesen haben ...
Es ist der Verlobte ...
Meiner ältesten Tochter? Glauben Sie Das nicht! Wo junge Mädchen sind, stellt sich sogleich bei jedem männlichen Besuche ein solches Vorurteil ein. Es ist wahr, ich habe diesen Oleander gehoben. Er hat das Sabbatspredigerstipendium in der Dreieinigkeitskapelle, er geniesst manchen Vorteil, der für seine Jahre und Einsicht unverhältnissmässig ist; da zeigt er sich auch als Einen der Undankbaren und Vermessenen, die Alles nur sich selbst danken wollen, reisst sich von den behaglichsten Verhältnissen los und übernimmt jenes elende Vikariat –
Siegbert war fast im Begriff, diese Handlungsweise Oleander's edel und schön zu nennen, als ihr Gespräch durch eine Störung unterbrochen wurde. Sie waren dem haus wieder näher gekommen, als Siegbert am Gitter des Gartens im hof einen jungen Soldaten erblickte, der schüchtern die Tür öffnete und sich nach Jemanden, den er zu suchen schien, umsah. Siegbert ging zu dem jungen Soldaten hinüber, um ihn nach seinem Anliegen zu fragen. Dieser trat mit dem schönen Anstande, der einem gebildeten Krieger eigen ist, näher, fasste an seinen Tschako und wünschte Herrn Dankmar Wildungen zu sprechen.
Warten Sie einen Augenblick! sagte Siegbert und empfahl sich dem Propste. Er wollte den Bruder im Garten suchen.
Da trat ihm dieser aus einem schattigen Gange, fräulein von Flottwitz begleitend, schon entgegen. Er erkannte sogleich den Sergeant Heinrich Sandrart, dessen sich der Major von Werdeck öfters zu Aufträgen bediente bei der nähern Beziehung, die zwischen diesem Offizier und den Brüdern seit einiger Zeit besonders durch Leidenfrost eingetreten war ...
Heinrich Sandrart, der etwas leidend aussah, überreichte Dankmarn ein Billet von dem Major. Während dieser las, trat fräulein Wilhelmine dem Sergeanten näher und fragte:
Garde?
Garde!
Erstes Regiment?
Zweites Regiment!
Dritte Compagnie?
Dritte Compagnie!
Lieutnant von Aldenhoven?
Sandrart musste alle fragen der unterrichteten, kriegskundigen Offizierstochter fast zustimmend beantworten.
Dankmar trat näher und sagte dem Sergeanten:
Eine Empfehlung an den Major! Sehr erwünscht. Wir würden die Ehre haben, ihn zu erwarten.
Damit legte Sandrart die Finger an den Tschako und wollte sich entfernen zum Entzücken der Flottwitz, die sich an seiner Haltung und dem Hereinragen auch des Militairischen in dieses fest nicht genug weiden konnte. Aber schon hatten auch Paulowna und Rurik von einem Soldaten gehört, waren herbeigesprungen und betasteten diesen Krieger, seinen Säbel, die Aufschläge seiner Uniform, die Tressen, wie den Schmuck einer Figur ...
Sie sind Heinrich Sandrart? fragte Dankmar.
Zu dienen, mein Herr!
Es ist schon einige male, dass wir uns sahen; Sie blasen die Flöte, sind fleissig, wollen Ihr Fähnrichexamen machen?
Hat Ihnen Das der Major gesagt?
Der Major hält grosse Stücke auf Sie!
Er verdient, dass sein Bataillon für ihn durch's Feuer geht.
Die Flottwitz hatte etwas auf der Zunge, was sie auszusprechen durch die Kinder verhindert wurde. Olga, die das Gespräch in der Ferne beobachtet hatte, war gleich so wohlwollend gewesen, ein Glas mit Wein füllen zu lassen, es auf ein lackirtes Bret zu stellen, ein Stück Kuchen hinzuzulegen und den Kindern zum Überbringen an den hübschen Soldaten zu übergeben. Diese fassten den Teller Beide zugleich an und trugen ihn behutsam, doch nicht ohne bedeutende Schwankungen und Verschüttungen. Dankmar redete Sandrart zu, zu nehmen und wollte Olga einen freundlichen blick zuwerfen; doch war Olga schon wieder verschwunden ... Es trieb sie eben wie ein Irrlicht unruhig bald da-, bald dortin, ruhelos, unstät, wie ihre dunklen Augen selbst hin und wieder gingen ...
Die dritte Compagnie steht in keinem guten Rufe; sagte die Flottwitz.
Wer sagt Das? antwortete Sandrart.
Die ganze Armee!
Sandrart schwieg. Es lag ausserhalb der Disciplin, hier Ansichten auszusprechen.
Ein guter Soldat, fuhr die Flottwitz begeistert fort, soll treu seinem Könige dienen, treu der Fahne, auf die er geschworen hat.
Sandrart ass in steifer Haltung seinen Kuchen, trank seinen Wein und schwieg.
Die Ehre des Kriegers, fuhr das gerötete, jetzt flammende Mädchen fort, ist der Gehorsam. Wenn sich die Bande der Disciplin lockern, wird die Kraft eines Heeres gelähmt. Das unsrige hat seine Schlachten nicht dadurch gewonnen, dass ein Jeder dazwischen redet und vom volk fabelt, sondern dadurch, dass es für seinen König Blut und Leben dahingab und seinem Vorgesetzten selbst dann gehorchte, wenn eine Armee auch nur unter den Waffen steht und zusehen muss, was die Weisheit seines Fürsten so oder so beschliesst.
Sandrart schwieg.
Krieger, fuhr das seltene Mädchen, die in der Tat den Namen einer neuen Jungfrau von Orleans verdiente, fort, Krieger, die sich von der Demokratie irre machen lassen in ihrer Pflicht, verdienen den Namen der Tapfern nicht. Sie schänden die glorreiche Uniform, die sie tragen. Sie verletzen ihren Eid, den sie dem Fürsten geschworen, und ein Eid ist heilig, heilig wie das Evangelium. Sagen Sie Das der dritten Compagnie, die eine Fahne trägt, die von Kugeln zerfetzt ist in zwanzig Schlachten, eine Fahne, die eine Ahnin des königlichen Hauses selbst gestickt hat!
Sandrart wischte sich den Mund, trat einen Schritt zurück und machte seine Honneurs, um zu gehen. Die Kinder gaben ihm bis auf die Strasse das Geleite. Der junge Soldat hatte nichts erwidert, nichts