einer solchen Verwendung des Albums jene Harmlosigkeit zu erblicken, die denn doch von den Künstlern, die diese idee unterstützten, vorausgesetzt wurde ... Zu diesem Streit gesellte sich in diesem Augenblicke Leidenfrost, der nach seinen Feuerwerksvorbereitungen sehen wollte. Der Propst wusste es so geschickt zu wenden, dass er mit Siegbert plötzlich abbog und die Trompetta mit Leidenfrost allein liess, bei dem sie, da er sehr praktisch war, noch einige Winke über ihre Pläne zu gewinnen hoffte, so abgeneigt sie ihm seiner Richtung nach auch sein musste. Man kann sich vorstellen, wie komisch diese Unterhaltung ausfiel. Leidenfrost hielt durchweg den Ton der Ironie fest, den die Trompetta, erfüllt von ihrem gegenstand, nicht fühlte. Er riet ihr ohne Zweifel die wunderlichsten Wege an und machte die Frau wohl nur noch verwirrter, als sie schon war.
Der Propst aber sprach sich so misbilligend über die Ostentation dieser Frau aus, dass Siegbert Vertrauen gewann und das ihm für seinen Nicodemus gespendete Lob nicht zurückwies.
Ich habe eine idee mit dieser Skizze, sagte der Propst. Ich wünschte wohl, dass Sie Veranlassung fänden, sie in grösseren Dimensionen und am liebsten al fresco auszuführen.
Die Frescomalerei, sagte Siegbert, ist mir noch zu wenig geläufig. Ich habe darin Übungen gemacht, würde aber kaum wagen, sie vor Jemanden sehen zu lassen ...
Und dennoch, fuhr der Propst fort, muss man Wände haben, um sich daran vervollkommnen zu können. Ich schlage Ihnen vor, Ihre Skizze in einer Kirche auszuführen, die im vorigen Jahre teilweise abbrannte und neuerdings wiederhergestellt ist. Die Gemeinde ersucht mich, ihr Vorschläge zu einigen durch Künstlerhand auszuführenden Zierraten zu geben. Da sie reich ist, da dem Bau noch manche Summe zu Gebote steht, so schlag' ich Ihnen vor, die Gemeinde zu besuchen und sich mit ihr über diese idee zu verständigen.
Siegbert war von dem Vorschlage sehr angenehm überrascht und fragte nach dem Namen des Ortes.
Das grosse und reiche Dorf Schönau, auf dem Wege von hier nach Hohenberg.
Siegbert lehnte das Anerbieten durchaus nicht ab. Er erklärte sogar, dass ihm nichts erwünschter sein könnte, als die ersten Proben der Technik, die er sich in der Frischmalerei erworben hätte, an einem Orte zu versuchen, wo er die allzustrenge Kritik nicht herausforderte.
Das ist sehr weise gedacht! sagte der Propst. Reisen Sie hin! Beginnen Sie das Werk!
Sie vergessen, Herr Propst, sagte Siegbert, dass diese Unternehmung nur im warmen Sommer begonnen werden kann.
Das ist wahr! besann sich künstlich der geübte Kunstkenner. Allein man macht vorläufig seinen Überschlag, Sie prüfen die Örtlichkeit, Sie nehmen mit dem Vorstande der Gemeinde Rücksprache. Auch wüsst' ich sogleich eine Veranlassung, sich in Schönau den Leuten wertvoll und angenehm zu erweisen. Man wünscht bei der Einweihung der Kirche, die am Martinstage stattfinden soll, die Wiederherstellung einiger glücklicherweise aus dem Brande geretteter Bilder aus der altdeutschen Schule. Ich entsinne mich, bei früheren Inspektionsreisen in der Schönauer Kirche zwei vortreffliche Kranach's und einige Bibelscenen gesehen zu haben, die, wenn nicht von Albrecht Dürer selbst, doch aus seiner Schule sind. Zu dem neuen frischen Anblick der wiedererrichteten Kirche wünscht man diese Bilder so lebhaft und anmutig als möglich zu restauriren. Auch dafür, hab' ich gedacht, entschiede sich gewiss Ihre kundige Hand und Sie nähmen die Entschädigungen mit, die man Ihnen dafür bieten würde.
Siegbert freute sich der wohlwollenden Versöhnlichkeit, die aus diesen Anerbietungen des Propstes zu sprechen schien und drückte ihm unverhohlen die angenehme Überraschung aus, die er über diese Anträge empfand.
Bester Freund, setzte Gelbsattel mit einem eigentümlichen kaustischen Ausdrucke hinzu, bis zu dem Tage, wo Ihnen das Obertribunal in letzter Instanz eine Million zu Füssen legt, dürfte es noch ziemlich lange hin sein.
Glauben Sie nur nicht, sagte Siegbert, dass ich irgendwie die sanguinischen Hoffnungen meines Bruders teile! Ich darf mich natürlich seinen Unternehmungen nicht entziehen und lasse Das, was eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich hat, ihm zu Liebe gern für Gewissheit gelten. sehe' ich doch, dass ihn diese Angelegenheit nicht lässig, sondern im Gegenteil eifrig macht. Sie schlägt in sein Fach, sie nährt seine Studien. Und ich selbst finde wenigstens Den Gefallen an den Verhandlungen, dass ich mich des Überblickes der zeiten erfreue, an vergangene Zustände meiner Familie zurückdenke und an den grossen Widersprüchen der Verhältnisse, die unser Leben erfüllen, einen persönlichen Anteil habe.
Dies Vergnügen wird Ihnen aber viel Geld kosten! warf Gelbsattel etwas bitter hin ...
Das ist wahr, sagte Siegbert, wir müssen schon jetzt Opfer bringen und haben alle Ursache, uns einzuschränken. Sie sehen mich auch deshalb nicht abgeneigt, eine gelegenheit zu ergreifen, mir meine Kunst ergiebig zu machen. Leider fesseln mich für den Augenblick so viele Dinge ...
Schütteln Sie doch diese Fesseln ab! sagte der Propst. Ihr jungen Männer lebt in einer glücklichen Zeit! Welche Mühe hatten wir einst, unsre Wünsche auszuführen, unsre Wirkungskreise zu verändern! Jetzt reist Das hin und her; im Fluge ist man unter andre Verhältnisse versetzt. Ein junger Geistlicher, Oleander, hört heute von einem Vikariat in Plessen, von der unbesetzten Stelle des einige Zeit beurlaubten Pfarrers Stromer; morgen ist er schon unterwegs und tritt dieses Amt an, das ihm den Weg zu besseren Ämtern bahnen soll ...
Oleander? fragte Siegbert, der den Namen schon oft, auch einigemale sonderbarerweise von