kalt, fast gleichgültig, alle Zweifel, alle sorge, alle Lehre der Menschen zurück. Sie bricht mit ihrem Verlobten, wie er mit ihr bricht. Sie sagt ihm: Magst du mich, so mag ich dich. Magst du mich nicht, so mag ich dich auch nicht. Ich gestehe Ihnen, dass eine solche Ergebenheit in die Wege des Schicksals bis an's Fahrlässige grenzt. Und weil ich doch aus ihrer Erzählung herausfühle, dass sie keineswegs in andern Dingen fahrlässig, sondern eifrig, emsig ist, so kann ich mich nicht erwehren, sie sogar für ein ganz klein wenig trotzig zu halten und ich glaube, ihr alter Onkel schickt ihr seine kleinen Nichtchen deshalb so selten auf ihr einsamgelegenes Schlösschen, nicht weil er fürchtet, dass die kleinen Mädchen bei ihr herrnhuterisch werden, sondern weil sie ein reizbares und recht apartes altes Jüngferchen ist.
Die Männer billigten diese eigentümlich vorgetragene, fast wie zwischen Zerbrechlichem mit verbundenen Augen behutsam auftretende Auffassung vollkommen und Rudhard wollte sogar noch weiter gehen und wieder von seiner beliebten Muckerei anfangen ...
Nein, nein, sagte Anna mit freundlicher Drohung, weiter nicht! Sie sollen auch gar nicht loben, Herr Pfarrer; ich bin Ihnen doch noch etwas bös mit Ihrem Don-Quixote!
Dankmar bekam von den Andern die Aufklärung über diese Erwähnung des Don-Quixote ...
Dass ich Recht habe, gnädige Frau, sagte Rudhard, bestätige Ihnen der Anblick da oben!
Die Gesellschaft war nämlich wieder an den Anfang des Gartens gekommen, dem zur Seite der Hof mit einem Wirtschaftsgebäude, einer Remise und dem Stalle lag. Über dem Stalle war ein kleines, zwar längliches, aber niedriges Mansardenfenster. Es war offen. Ein Mann in weisser Piquéjacke sass an dem Fensterbret und las mit aufgestütztem kopf tief in einem buch verloren ...
Alle lachten; denn sie waren überzeugt, dass dies Peters war, der eben den Don-Quixote las ...
Nun, rief Dankmar hinauf, hat Saul den Esel seines Vaters gefunden?
Peters, der die Anspielung auf seine Bibel und die Begegnung im Park von Solitüde nicht verstand, fuhr erschrocken auf und wollte sich zurückziehen ...
Ei, so bleibt doch, Peters! sagte Rudhard hinauf zu dem in grösster Verlegenheit nach dem Kopf greifenden Peters, der nicht wusste, wie man ohne Mütze oder Hut grüssen sollte. Mit wem hat es denn jetzt der tolle Junker?
Peters lachte nur mit verklärtem, abwesendem Angesicht.
Dankmar wollte etwas von der Katrine hören ...
Ich wette, sagte Siegbert, als Peters nicht antwortete, er besinnt sich, ob Katrine eine von den Mägden ist, die dem Junker Don-Quixote für Edelfräulein gelten ...
Kennt Ihr uns denn nicht? sagte Dankmar.
Nun erst besann sich Peters und kam grüssend aus seiner Lektüre wieder in den Zusammenhang mit der Welt. Alle lachten und mussten dem Pfarrer bestätigen, dass er ein vortreffliches Mittel gefunden hatte, einen eifersüchtigen Mann von seinen Grillen abzubringen. Man kehrte auf das Parquet zurück und folgte der Aufforderung, von dem Fruchttische zu geniessen, den man nicht genug bewundern konnte.
Olga entzog sich verschämt allen Lobeserhebungen über Das, was Rudhard heute für ihre idee und ihre Schöpfung erklärte. Man fand das eigene Mädchen allgemein schön, liebenswürdig und sagte, als sie sich entfernt hatte, der Mutter mannichfache Artigkeiten über ein Kind, das sich seit der kurzen Zeit ihrer Anwesenheit so auffallend entwickelt hatte. Die Fürstin nahm diese Freundlichkeiten mit jenem Takte hin, der dem Gebildeten unter allen Umständen eigen ist und ihn immer Das treffen lässt, was sich nach den allgemeinen Gesetzen in solchen Fällen geziemt oder am platz ist. Rudhard sah schon tiefer und blickte voll Unmut zur Erde. Er beschäftigte sich mit den Kleinen; denn die Gesellschaft zerstreute sich teilweise im Garten und fing an, sich in gleichgestimmte Paare aufzulösen, während die Fürstin und die Gelbsattel's auf dem Parquet blieben ...
Der Propst und die Trompetta schienen es auf Siegbert abgesehen zu haben. Sie nahmen ihn bei Seite und begannen vom Getsemane. Der Propst rühmte die ausgezeichneten Blätter dieses Albums, vorzugsweise aber die Farbenskizze Siegbert's. Einen Vorschlag, den er an sein Lob anknüpfen wollte, unterbrach die Trompetta mit dem Jammer über das Unglück, das ihr eine Laune des Hofes bereitet hätte. Sie wollte von den Männern Vorschläge hören, wie sie ihre Sammlung zum Besten eines wohltätigen Zwekkes veräussern könnte. Es blieb nichts übrig, als ihr eine Lotterie anzuraten. Sie schlug den Wert des Albums auf den Betrag von tausend Talern an und zweifelte durchaus nicht, tausend Loose, jedes zu einem Taler, absetzen zu können. Das Album sollte zu dem Zwecke einer Einladung und Ermunterung in den Sälen des Kunstvereins aufgelegt werden. Nun aber handelte es sich um die Verwendung des eingegangenen Geldes. Frau von Trompetta hatte damit etwas Zeitgemässes im Sinne. Sie sprach von den im Kampfe gegen die Demokratie hier und da gebliebenen oder verwundeten Kriegern und von deren Angehörigen, fand aber bei Siegbert sowohl wie beim Propste lebhaften Widerspruch. Jener erklärte eine solche Verwendung für eine politische Demonstration, die er nimmermehr unterstützen, ja gegen die er sowohl wie mancher seiner Freunde, die zu dem Album beigetragen hätten, entschieden protestiren würde. Dieser konnte nicht umhin, Siegbert Recht zu geben. Er lehnte zwar jede Übereinstimmung mit Siegbert's politischen Motiven ab, meinte aber doch auch, dass die Zeit noch nicht reif wäre, in