besser für Euch! Es war der Don Quixote.
grosser Gott! schrie die Trompetta auf und auch Anna von Harder fühlte sich doch wie von einer kalten Hand ergriffen.
Die Bibel und der Don Quixote! rief man entsetzt.
Alle Töchter des Propstes waren vor Erstaunen sprachlos.
Das ist ganz einfach, sagte Rudhard sehr gelassen. Unser Kutscher verfiel kürzlich in eine Art Trübsinn und fing in sonderbarster Weise an, über Leben und Sterben zu sprechen. Den Namen Gottes führte er selbst beim Striegeln seiner Pferde im mund und unterliess alle die herzhaften Flüche, die früher die Tiere von ihm gehört hatten und an die sie schon gewöhnt waren. Sie zogen nun auch viel schlechter. Peters, fragte ich ihn eines Tages, du bist so trübsinnig, was fehlt dir? Herr Pfarrer, antwortete er, schon lange wollt' ich einmal mit Ihnen sprechen und mein Gemüt stärken. Was hast du, Peters? fragt' ich. Er erzählte mir dann eine traurige geschichte von seinen häuslichen Leiden. Seine Frau wäre weltlich gesinnt, lebte unter Spöttern und Ehebrechern und es verlange ihn recht die Bibel zu lesen. Warum willst du die Bibel lesen? fragte ich. Um mich vorzubereiten, mich von meiner Frau scheiden zu lassen, sagte er ...
Anna von Harder fand diesen Zug, Rudhard unterbrechend, sehr bedeutungsvoll und nannte eine solche im volk noch wurzelnde Empfindung eine Seltenheit, da man gerade jetzt auf die leichtsinnigste Art sich verbände und wieder trennte.
Gut, sagte Rudhard, ich hätte auch nichts gegen eine solche Vorbereitung einzuwenden gehabt. Ich erkundigte mich aber genauer nach den Verhältnissen des Mannes, dem Charakter und der gegenwärtigen Handtierung seiner Frau, und da merkt' ich wohl, dass unser guter Peters nur ein Hypochonder war, die unschuldigsten Dinge schwarz sah und auf seinem Kutscherbock Grillen fing. Unter solchen Umständen hielt ich es für besser, ihm statt der Bibel eine heitere Lektüre anzuraten. Wir kauften ihm eine hübsche Ausgabe des Don Quixote mit schönen Bildern. Er hat sich nun in die Heldentaten des sinnreichen Junkers von La Mancha so verlesen und lacht auf dem Bocke noch hinterher, wenn ihm plötzlich einfällt, was er Abends in seiner Stallkammer in sich aufgenommen hat, so lustig, dass die Pferde jetzt viel besser ziehen, und ich meine, Das ist ein Resultat, wie wir es durch die Bibel nie gewonnen hätten.
Rudhard endete damit eine Erzählung, die die Unbefangenen, besonders Siegbert befriedigte, nur vorzugsweise Frau von Trompetta nicht. Sie schüttelte den Kopf und fand hier etwas, was nicht nach dem landesüblichen Systeme war.
Der blick nach dem Kutscher und die Erwähnung des Stallkämmerchens hatte die Augen auf den Eingang des Gartens gelenkt, durch den jetzt eben Dankmar Wildungen eintrat.
Dankmar kam in grosser Erregung. Das erscheinen des anziehenden jungen Mannes, der von Tag zu Tag an Kraft des Willens und edler Männlichkeit gewann, erregte das allgemeinste Interesse. Man fühlte, dass der Kreis erst jetzt vollständig wurde. Die Damen grüssten ihn durch eine leichte Erhebung; die Männer standen auf, um ihm die Hand zu reichen, selbst Propst Gelbsattel übte einen Akt der antiken Heroenzeit; er ehrte sich selbst in seinem Gegner und machte die nähere Bekanntschaft desselben gleichsam so, dass er die Waffen erst zu seiner Begrüssung senkte. Er erwähnte sogleich den Vater der Brüder, die alte Zeltkameradschaft von Schulpforte und spielte nekkend auf das zukünftige Glück der Söhne seines alten "Freundes" an, ohne jedoch die Mutter zu erwähnen, weil ihn dies Tema in Gegenwart seiner Familie zu weit geführt hätte.
Die meiste achtung zollte Dankmar der Fürstin, die ihn gar freundlich begrüsste und ihn der neben ihr sitzenden Anna von Harder vorstellte. So sah denn Dankmar endlich auch diese vielbesprochene und ihm selbst so wertvolle Frau zum ersten male in der Nähe! Anna betrachtete den jungen, für unternehmend und charakterfest bekannten Mann mit Wohlgefallen und konnte wohl begreifen, dass die Flottwitz über und über errötete, als ein kurzer, flüchtiger, aber sonderbar herausfordernder blick aus Dankmar's blitzendem Auge statt aller Begrüssung zu ihr hinüberstreifte. Die Trompetta fragte, ob er sich erst so spät von seinem Freunde, dem Prinzen Egon, losgerissen hätte?
Ich komme soeben, antwortete Dankmar, den Kaffee, den ihm der Bediente bot, rasch niederschlürfend, von haus, vor zwei Stunden aber aus der kammer.
Was ist vorgefallen? fragte man gespannt.
Eine eigentliche Herausstellung der Parteien, antwortete Dankmar, wird sich erst heute Abend in der Beratung eines Paragraphen zur Geschäftsordnung ergeben.
Also eine Abendsitzung? schaltete die Trompetta ein und überlegte, ob sie einen Versuch machen sollte, sich ihrerseits an das constitutionelle Leben zu gewöhnen und ob sie den Abend frei hatte ...
Man will das Beispiel einer grossen Beflissenheit geben, fuhr Dankmar fort. Man will Abendsitzungen halten und Niemand trug auf Zeitersparniss und Fleiss eifriger an als der Fürst von Hohenberg.
Im Stillen dachte die Fürstin Wäsämskoi etwas spöttisch: arme Helene!
Die Gruppen, fuhr Dankmar fort, werden sich erst scheiden bei dem Antrage der Regierung, dass die Minister das Recht haben sollen, zu jeder Stunde, auch nach schon geschlossener Debatte, in der kammer das Wort zu ergreifen. Es wird sich dabei herausstellen, auf welche Majorität das Ministerium überhaupt rechnen kann. Einstweilen hat die Bildung der Ausschüsse die Tätigkeit der kammer allein in Anspruch genommen und bei dieser gelegenheit war es, dass Egon heute' eine Rede hielt, die einen Sturm von Beifall, die