, verbunden mit Egon durch das Band der Sitte, der Kirche, nicht im stand wäre, mit einer Egon's stand geziemenden Laufbahn gleichen Schritt zu halten! Noch kann Egon nicht daran denken, Sie zu opfern, Helene! Noch liebt er sie zu innig. Jetzt ein rascher Entschluss! Legitimiren Sie dies verhältnis, geben Sie Italien, Balzac, die Romantik auf, schliessen Sie sich Paulinen und seiner politischen Caprice an und Egon bleibt Ihnen und wer weiss nicht wem Allem gerettet!
Rafflard schwieg lauernd. Sein Husten hatte ihn in der Ekstase verlassen ...
Helene schaute voll Wehmut. Sie versetzen Berge! sagte sie dann leise und doch schon vor Wonne über die Möglichkeit einer solchen Wendung ihres Verhältnisses bebend. Entfernen Sie die lästigen Umgebungen – das tut sich auch so! Sitzen diese Menschen nicht wie die Kletten an ihm? Das sind seine arme, seine hände! Mit denen wirkt er; die heben ihn, die tragen ihn! Egon weiss sehr wohl, es gibt heute keine Erfolge ohne Faiseurs, ohne Gallopins! Die müssen für ihn vollbringen, was er nur angibt; die trennen ihn von mir. Wie sind sie zu entfernen? Man muss Scheidekünstler sein! Chemische Dinge erfinden, sagte Rafflard und strich sich die Perrücke über die Stirn, man muss Dinge erfinden, die Egon plötzlich isoliren – er steigt auch ohne diese Menschen.
Wie wollten Sie nur z.B. den einzigen Rudhard entfernen?
Rudhard fürcht' ich am wenigsten; sagte Rafflard. Rudhard ist conservativ. Warum sollt' ich nicht wünschen, dass Helene Osteggen sich mit der Schwester durch einen Akt des Anstandes aussöhnt?
Helene lachte hierauf bitter und verächtlich, aber doch geschmeichelt von den neuen Möglichkeiten. Mit wiedergewonnener Laune sagte sie:
Die gute Schwester folgte mir vielleicht in der neuen Ehe und liesse sich herab, die Frau eines Malers zu werden.
Diese Beziehung auf Siegbert Wildungen verstand Rafflard sehr wohl. Schmunzelnd sagte er:
Sie sind eifersüchtig auf die gute Adele! Siegbert Wildungen hat etwas, was Sie an den Lago di Como, die Borromäischen Inseln und den Golf von Neapel erinnert! Wenn man es dahin bringen könnte, dass die ganze Wäsämskoi'sche Familie mit dem blonden Siegbert über die Alpen zöge und noch viel früher in Rom wäre, ehe von der Engelsburg die grosse Girandole aufprasselt ...
Helene empfand den bittersten Neid auf dies Glück.
Sie wollen mich tödten, sagte sie. Sie wären Jesuit genug, mich durch dies Glück einer Andern zu foltern!
Beruhigen Sie sich, Helene, antwortete Rafflard über diese Frau kopfschüttelnd. Rudhard ist für diese Art von Poesie zu sehr im alten klassischen Geschmack. Wir wollen schon zufrieden sein, wenn Siegbert und Dankmar von Rudhard sich entfernen und ein Zwiespalt unter den Freunden selber eintritt ...
Sylvester Rafflard dämpfte die stimme und trat mit seinen verschmitzten Absichten deutlicher hervor ...
Rudhard empfängt, sagte er, heute, wo man, wie ich höre, ein kleines Gartenfest bei den Wäsämskoi's feiern wird, wenn sich das Wetter hält, vielleicht um diese gegenwärtige Stunde schon ein Billet, natürlich anonym, und von einer Hand, die er nie enträtselt, worin er aufmerksam gemacht wird, dass die Gesellschaft erstaune über Dinge, die unter seinen Augen zwischen einer Mutter, einer Tochter und einem jungen Maler sich ereigneten ...
Boshaft! fiel Helene ein.
Die nächste Folge dieser Mahnung ...
Wirklich Olga und die Mutter? Ist Dem so, Rafflard?
Die nächste Folge dieser Mahnung ...
Das arme Kind ist so unglücklich, den Gegenstand ihrer Neigung sich von dieser Mutter geraubt zu sehen?
Die nächste Folge dieser Mahnung ...
Diese Olga! Ich möchte sie kennen lernen! Meine Nichte! Was ich von dem kind höre, interessirt mich ... ich fühle, dass ich diesem charaktervollen Mädchen eine zärtliche Mutter sein könnte ...
Die nächste Folge dieser Mahnung ist ohne Zweifel eine Scene zwischen Rudhard und der Fürstin oder der Fürstin und Olga oder Olga und Siegbert – enfin, man wird einsehen, dass man sich Opfer zu bringen hätte ... Siegbert wird sich von Rudhard und den Wäsämskoi's zurückziehen.
Falsch, falsch gerechnet, rief Helene, wenn Olga ihrer Tante gleicht!
Nun, sagte Rafflard, ruhig den ungeschlachten Kopf wiegend, dann entflieht sie! Dann muss ihr Rudhard folgen, der trifft das Mädchen ... wo denken Sie wohl Helene? In der neugebauten Kirche zu Schönau, einem Hohenbergischen kleinen Städtchen, wo Propst Gelbsattel eine grosse leere, weissgetünchte Wand entdeckt hat, die der Kunstverein beschlossen hat, mit einem Freskobilde zu zieren, dessen Ausführung man Siegbert Wildungen überträgt. Man hat in dem Album der Frau von Trompetta die Skizze des Nikodemus, der bei Nacht zum Herrn kommt, allgemein so schön gefunden, dass Siegbert sein Freskobild ganz nach dieser Zeichnung ausführen kann. Diese Arbeit nimmt ihn den ganzen nächsten Sommer in Anspruch. Einstweilen reist er nach Schönau und besichtigt die Lokalität, bleibt aber, mannichfach gebunden, so lange dort, bis er etwas noch drei oder vier alte im Brande gerettete Bilder restaurirt hat, die bis zum Einweihungstage jener Kirche fertig sein sollen, den man spätestens am Lutertage, Martini, also den 13. November, anzusetzen wünscht ...
Ich erschrecke vor Ihnen, Rafflard, rief Helene erstaunt über dies Durcheinander, aus dem der Plan, den Bund, der sich um Egon gebildet