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sagen. Alles ist Ohr, der Hof wartet mit sehnsucht, wie sich der von ihm so ausgezeichnete Fürst entwickeln wird. Glauben Sie, dass ihn diese Spannung nicht heben, nicht begeistern wird? Er wird Triumpfe ernten und bald von dem Weihrauche der Parteiengunst so betäubt sein, dass er aus diesen Absorptionen nicht mehr herauskann, wenn er auch wollte. arme Helene!

Helene d'Azimont verzog ihre Mienen, als hätte sie den Schmerz der Kleopatra gefühlt, als ihr unter Blumen die Schlange in die entblösste Brust stach ...

Sie sind furchtbar! Sie tödten mich! hauchte sie fast wie hinsterbend.

Dann aber regte sich plötzlich die Wallung des Stolzes. Ihre leidenschaftliche natur empörte sich, sie sprang auf.

Ihre Brust wogte, ihre Augen funkelten .... So sanft sie sein konnte, wenn ihr Alles nach Wunsche ging, so gläubig sie sich beschwichtigen liess, so leidenschaftlich konnte ihr Unmut hervorbrechen, wenn sich ihrem verwöhnten Willen nur das geringste Hinderniss entgegenstelle. Hier nun handelte es sich um Etwas, was ihr die Aufgabe ihres Lebens schien. In tobender Ungeduld, die Briefe, Zeitungen zerknitternd, wegwerfend, im Zimmer auf- und abschreitend, brach sie los und rief, fast wie Norma, dies Ideal der modernen starken Frauen, in der Oper:

Bin ich denn der unglücklichen Priesterinnen des Altertums Eine, die die Flamme am Altare der Liebe in ewiger Glut erhalten sollen und von Dem, der ihre sehnsucht ist, ihr Leben, ihr Tod, ihr Verbrechen, ihr Alles, betrogen werden? Ich wüsste keinen Felsen am Meere, der zu hoch wäre, dass ich mich von ihm aus Verzweiflung nicht in die Fluten stürzte! Wehe mir, was hab' ich dieser Liebe nicht geopfert! Losgerissen hab' ich mich vom Sterbebette eines guten Menschen, der in seinen letzten Stunden auf die liebende Sorgfalt meiner pflegenden Hand angewiesen ist; Urteil, achtung der Menschen hab' ich in die Schanze geschlagenwas sind sie mir denn Alle, die auf der Erde sind ausser dem Einen, den ich liebe, wie meinen Herrn und Gott! Hätte mir der Himmel ein Kind gegeben, ich würde wissen, wohin ich diese Regungen der Liebe und Zärtlichkeit niederlegte, wie an einen Altar! Ich würde es pflegen, an's Herz drücken, über seinem Atem wachen und nur in ihm leben, in seinem Lallen, in seinem lachenden Auge ... Nun hab' ich aber auf dieser ganzen Gotteserde nur Egonnur ihn! Egon! Egon! Und Der liebt mich nicht mehr!

Das heftigste Schluchzen unterbrach diese Verzweiflung und erstickte Helenen's stimme. Die Liebe war stärker als ihr Zorn. Übermannt von ihrer Empfindung warf sie sich auf das Sopha und drückte ihr weinendes Antlitz an die sich feuchtenden Polster ...

Rafflard konnte nichts tun, als sie anfangs sich ruhig dem Ausbruche dieser Empfindungen überlassen und mit scheinbar schmerzlicher Teilnahme laut seufzend ihrer verzweifelten Stimmung Nahrung geben.

Dann aber erhob er sich und bat sie, ihm zuzuhören.

Liebe Gräfin, sagte er, ich muss Sie jetzt tadeln ...

Mich tadeln? Warum? Mich noch tadeln!

Weil Sie von Egon das Unmögliche begehren! geben Sie die Ideen von einem Alleinbesitz des Geliebten auf! Aufrichtigst! Sie leiden an einer Überfülle von Romanenstoff, dem Sie die Huldigung bringen wollen, ihm nachzuleben! Diese abscheulichen Poeten! Warum können Sie sich nicht Ideale eigener Art erfinden? Sie, mit Ihrem reichen geist, mit Ihrer reichen Phantasie

Ah, unterbrach ihn Helene, ich bin arm. Ich bin nur reich an Liebe.

Und werden reich an Unglück sein, wenn Sie mir nicht folgen. Was wollt Ihr jungen Frauen mit Eurer Manie, auf italienischen Seen zu schwimmen, in Rom an den Wasserfällen von Frascati sich zu umarmen und ein schwelgendes sybaritisches Leben zu führen? Finden Sie sich doch in Egon's natur, in Egon's Aufgabe! Ist es denn so unmöglich, dass Sie dieser politischen Laufbahn des Geliebten folgen, sich ihr aufmerkend anschliessen? Gehen Sie doch auf seine Pläne des Ehrgeizes ein! geben Sie doch diese ungeheure sehnsucht nach romantischem Glücke auf! Ich spreche im Tone des Erziehers ...

Als Jesuit! Als kalter Rechnenmeister, der das Herz immer mit dem verstand in Einklang zu bringen sucht ...

Damit die Rechnung aufgeht und kein ... Bruch entsteht ...

Bruch?

Helene wiederholte dies Wort, als wenn der falsche Ratgeber das Entsetzlichste gesagt hätte.

Bruch! wiederholte sie und zitterte wie vor einem drohenden Messer und ihre Lippen blieben starr und offen ...

Sie selbst, liebe Helene, fuhr Rafflard ruhig fort, Sie selbst arbeiten auf dies Ende hin. Trauen Sie mir, einem Menschenkenner! Egon ist ehrgeizig, verbinden Sie sich mit dieser seiner leidenschaft. Werden Sie ihm ein Werkzeug, ein Bundesgenosse seiner Zukunft! Ich sprach Gelbsattel, der scharf beobachtet. Er sagte mir, Egon würde zwar das Ministerium stürzen helfen, aber nicht im Interesse der Demokratie ... er hat mit Guido Stromer gesprochen, der die Fülle conservativer Elemente in Egon bewundere. Gefährlich nur sind für Egon's entwicklung zum Höchsten seine Umgebungen. Entfernen wir diese, so haben wir ihn und sein Schicksal in der Hand. Ich möchte doch wohl wissen, ob die Gräfin d'Azimont, Freiin von Osteggen, ich will sagen, wenn es sein muss, geschieden von ihren französischen Verhältnissen