empor und fragte:
Warum soll ich den Prinzen Egon von Hohenberg nicht empfangen?
Die Ludmer verstand einen gewissen Hohn in ihren Mienen, wagte aber nicht zu lächeln.
Pauline aber mit triumphirender Miene setzte hinzu:
Wohlan! Er mag kommen!
Schon klopfte Ernst an die verschlossene Tür und bat um Verhaltungsmassregeln ... der Fürst liesse sich nicht abweisen.
Wer sagt denn, dass man ihn abweisen soll? rief die Geheimrätin durch's Schlüsselloch. Ich bitte Durchlaucht einen Augenblick zu verziehen!
Diese Worte sprach sie mit gemachter Süssigkeit, als sollte Egon sie hören.
Adieu, lieber Stromer, sagte sie dann rasch, zitternd wohl, aber gefasst. Auf Morgen! Adieu! Adieu!
Stromer wollte reden, wollte Aufklärung haben, wollte ... wurde aber durch das Schlafzimmer, dann das ächte Boudoir, zuletzt durch die Garderobe von der Ludmer fast gewaltsam hinauseskamotirt. Er war, so fortgezerrt, in diesem Augenblicke ganz so überflüssig geworden, wie Augusten's hochfahrende Tante wünschte.
Mit all' seinem Geist, mit all' seinen Seherblicken vom Berge Sinai, mit all' seinen Jeanpaulismen und deutschen Gedankenüberschwenglichkeiten stolperte er im Dunkeln über mehre Kisten und Koffer, dass er sich fast verletzt hätte ...
Pauline folgte nach einem Moment. Sie gab Befehl, den Empfangssalon durch einige Armleuchter schnell zu erhellen. Mit Blitzesschnelle gab sie ihrer Toilette noch einige kühne Improvisationen und schritt dann fest und entschlossen durch das Zimmer hindurch, das ihr nun entriegeltes ostensibles Boudoir von dem inzwischen erhellten Empfangszimmer trennte.
Die Ludmer fühlte, dass es notwendig war, in der Nähe einer so wichtigen und gefahrvollen Begegnung wenn nicht zu horchen, doch behutsam und auf Alles gefasst zu wachen.
Sechszehntes Capitel
Ein Zauberspiegel
Gnäd'ge Frau, begann Fürst Egon von Hohenberg und erhob sich von dem Sessel, auf dem er Platz genommen hatte; ich hörte, dass Sie wie Jeder, der seine Tagesstunden besser zu verwenden weiss, Abends empfangen! Irr' ich mich?
Pauline bedeutete Egon zuvörderst Platz zu nehmen, setzte sich selbst, nicht ohne einige Befangenheit, in einen der Sessel, die schon für die bald zu erwartende Feuerung am noch geschlossenen Kamine aufgestellt waren ... Die beiden gemalten Sphinxe auf dem bunten Kaminschirme drückten vollkommen ihre Spannung über das Rätsel dieses Besuches aus.
Für Ew. Durchlaucht würde' ich zu jeder Stunde zu sprechen sein. Ein Endlich! Endlich! Ihnen auszusprechen, musst' es mich wohl drängen.
Endlich? Hatten Sie mich jemals erwarten können, gnäd'ge Frau? fragte Egon voll Bitterkeit.
Den Freund meiner geliebten Helene? Den Erklärten meiner d'Azimont? fiel Pauline mit künstlichem Erstaunen ein.
Ha! Aber den Sohn der gehassten Amanda? setzte Egon hinzu und ohne Paulinen's Erwiderung abzuwarten, rückte er mit seinem Sessel ihr etwas näher und sagte:
Gnädige Frau, es sollte mir lieb sein, wenn ich Ursache fände, mich Ihnen enger anzuschliessen und die grossen Eigenschaften in der Nähe zu bewundern, von deren Lobe die Gräfin d'Azimont überfliesst. Einstweilen stell' ich diese Annäherung freilich auf eine starke probe. Ich stehe vor Ihnen, gnäd'ge Frau, mit dem Ersuchen, mir die Denkwürdigkeiten meiner Mutter auszuliefern.
Pauline war auf diese kalte, kategorische Forderung gefasst, erstaunte aber über die Hast und das entschlossene Vermeiden aller Präliminarien.
Sie war darauf vorbereitet, dass sie Gegner hatte, die ihren so vorsichtig berechneten Schritten gefolgt waren, der Ablieferung des entleerten Bildes an den Oberkommissair Pax auf der Spur waren und sie entlarven wollten.
Dennoch sagte sie zitternd:
Welche Denkwürdigkeiten, Durchlaucht?
Die Denkwürdigkeiten, gnäd'ge Frau, antwortete Egon mit steigernder Erregung und jene heftigste Wallung nicht mehr verbergend, mit der er hergekommen war; die Denkwürdigkeiten der Fürstin Amanda von Hohenberg, die sie auf ihrem Sterbebette ihrem Sohne bestimmt und unfähig, in ihrer letzten Lebensstunde weitläufige gerichtliche Dispositionen zu treffen, später in einem Bilde verborgen hat, das dem sonderbaren Schicksale verfiel, Ihnen früher in die hände zu kommen als mir.
Welches Bild? fragte Pauline nun mit scheinbarer Ruhe, um nur Zeit zu gewinnen.
Egon trug in aller ihm kaum noch möglichen künstlichen Ruhe die geschichte jenes Bildes vor, wie sie durch übereinstimmende Aussagen Dankmar's, Rudhard's, des Oberkommissairs Pax, der Agenten Mullrich und Kümmerlein sich ergeben hatte. Es war darin mancher Umstand mehr erraten als bewiesen. Allein die Überzeugung, dass Pauline von Harder schon durch die ganze Agitation über den Nachlass seiner Mutter, die Reise des Intendanten nach Hohenberg und was sich Alles später daran knüpfte, ihm ein Eigentum entzogen hatte, das ihm von Wert sein durfte und sollte, stand bei ihm fest. Er erzählte auch, wie er durch Stromer's Äusserung über den Tomas a Kempis mistrauisch geworden und Rudhard seinen Verdacht ausgesprochen hätte. Rudhard hätte dann gestockt. Er aber hätte seinem noch zögernden alten Erzieher die Angelegenheit aus der Hand gewunden und führe sie nun gegen dessen Willen, gegen die Ansprüche, die Rudhard selbst auf dies Testament seiner Mutter machen wolle, mit kurzem Processe durch.
Lassen wir, schloss er seine Auseinandersetzung, jede weitere Erörterung und geben Sie mir die Denkwürdigkeiten meiner Mutter, deren Raub ich Ihnen verzeihen will!
Pauline schwieg eine Weile, dann sehlug sie die arme zusammen, legte die Füsse übereinander und sagte:
Ich habe Sie ausreden lassen, Prinz Egon. Erlauben Sie, dass ich erwidere. Aber versprechen Sie mir,