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Ha! Ha! Ha!

Um zwölf Uhr Rafflard's Besucher soll nun doch kein Jesuit seinseitdem Helene ihn erkannt haben willsie nimmt ihre Verleumdung zurückRafflard soll ein Herz haben, das edelste ... ich finde ihn ergeben, gut aus Erschöpfung, böse zu sein; aber nicht zuverlässigsein blick ist nicht offener sagte: Madame, der grösste Herrscher ist der Schein des DienensEine Reminiscenz, die er wohl nicht selbst erdacht hat, aber gut befolgt. – Seine Absichten sind in Dunkel gehüllter war bei hofer verkehrt mit Voland von der Hahnenfederer verbindet diesen Zauberer mit dem Propste Gelbsatteler ist überall und nirgendsRafflard will den Bund sprengen, der den Prinzen Egon von Hohenberg umstrickt hälter fürchtet viel von einer Annäherung Egon's an jenen Rudhard ... eine Aussöhnung, die Helene noch nicht einmal erfahren hat, weil sie Rudhard hasst und Egon sie wahrscheinlich damit zu kränken fürchtet ... Louis Armand, Egon's böses PrincipRafflard wird in Egon's Umgebung aufräumen und ihr den Alleinbesitz ihrer Liebe sichern ... sein dunkles Wühlen ... Pariser Aufträge ... Rafflard scheint mir fähig zu sein, die Rolle selbst eines Banditen ...

Maccaroni à la Bechamelle ... sagte die Ludmer, aber wie in der Zerstreuung, so erschrak sie vor dieser Charakteristik des Herrn Sylvester Rafflard, der die Geheimrätin so interessirte, dass sie im Notiren fortfuhr:

Rafflard hat eine gute französische Aussprache und corrigirt Andere ohne zu verletzen ... Er ist rätselhaft. Um ein Uhreine Zumutung der Flottwitzabgelehntein Besuch der Trompetta nicht angenommen. Buchhändler Schröpfer besucht mich auf meinen Wunsch und gibt mir Details über das politische Journal: "Das Jahrhundert", das ich kaufen will ...

Pauline! unterbrach die Ludmer halb vorwurfsvoll diese letzte Tagebuchnotiz, die die Geheimrätin mit einiger Schalkhaftigkeit aussprach, nur prüfend, nur forschend, welchen Eindruck sie auf die Erfinderin ihres nächsten grossen Küchenzettels machen würde.

Nun? sagte die Geheimrätin, den Kopf aufrichtend und lächelnd. Schröpfer ... das Jahrhundert ... Guido Stromer ...

Pauline!

Die Ludmer dirigirte einen langen schmerzlichen blick auf ihre Freundin und langjährige Pflegebefohlene ... und da diese sich nicht irre machen liess, sondern nur sagte: Nun? Nun? so stiess sie über diesen Rückfall in die ihr verhasste Literatur einen ihrer tiefsten Seufzer aus und sagte, indem sie notirte, mit betrübtestem Ausdruck und gegen Himmel blickend:

Ach! KalekutHirschziemermit SalatKirschengratinGelée von Citronen und geschlagener Sahne mit Marasquino und Biscuits!

In diesem feierlichen Augenblicke, den nur das schadenfrohe Lächeln der Geheimrätin etwas profanirte, trat Franz herein und übergab der Ludmer einen Brief.

Durch das Gartenamt vom Schloss; sagte Jener. Der Geheimrat hatte ihn vergessen. Er ist schon heute früh abgegeben.

Die Ludmer betrachtete das Siegel und erbrach es. Der Brief war an sie gerichtet.

Die Geheimrätin fragte bei dieser gelegenheit, wo Excellenz wäre?

Im Teater! hiess es.

Franz, dem dann nichts Weiteres geheissen wurde, ging und die Geheimrätin zog naserümpfend den Mund. Im Teater! sagte sie für sich. Er hat gewiss wieder ein kleines verhältnis, das mit irgend einer moralischen Niederlage, wie im Möbelwagen, endigen wird! Die gute Lehre, die ihm Melanie gegeben, hat nicht lange gefruchtet. Eine wirkliche Schauspielerin wird es verstehen, ihm noch eine längere Nase zu drehen als diese Dilettantin in der Komödie.

Indem bemerkte Pauline, dass die Ludmer durch die Lectüre des eben empfangenen Briefes in grosse Aufregung versetzt war.

Was hast du? fragte sie, als die Ludmer die Brille abnahm und aus ihren schwarzen Augen einen stechenden, erstaunenden blick auf sie richtete.

Das sind schöne Sachen! sagte die Ludmer. Lies!

Pauline nahm den Brief, dessen Äusseres etwas Unförmliches hatte und fast wie ein Dienstrapport aussah.

Von wem ist er denn? fragte sie.

Sieh nur! Das sind schöne Sachen!

Pauline sah zuerst auf die Unterschrift! Sie lautete "Mangold, königl. Garten-Inspektor".

Ist Das wegenfragte sie ...

Wegen Augusten's! sagte die Ludmer und ging schon zornig im Zimmer auf und ab.

Pauline las:

Meine liebe Madame Ludmer! In meiner Jugend hab' ich so unter der herrschaft meines Blutes gestanden, dass ich auf Vieh und Menschen zuschlug, wenn mir etwas zu tückisch und nicht nach meinem Willen entgegentrat. Für jede Beleidigung hatte' ich sogleich mit fünf Fingern einen Habedank! zur Hand. Das waren meine jungen zeiten und aus den Händeln kam ich nicht heraus! Wie ich aber einmal eine Frau, die mich auf jede Weise chikanirte, die Frau meines Lehrherrn, eines Gärtners, in einem Zornanfall fast mit Füssen trat und vor der Rache ihres Mannes nicht entfloh, sondern ihn, weil er die böse Frau in Schutz nehmen wollte, mit der Peitsche durchhieb und dabei einem armen unschuldigen kind, das in der Nähe stand, ein Auge ausschlug, bin ich in mich gegangen und ein anderer Mensch geworden. Ich flüchtete jetzt und kam durch allerhand Irrwege nach Holland und England, wo ich die Gärtnerei im Grossen studirte, die richtige Art der Parkanlagen, besonders aber Ruhe, Selbstbeherrschung und Mässigung lernte. Nach meiner frühern Art glaube' ich wohl