denn?
Im Zimmer der Alten, fuhr Auguste sinnend fort, hielt sie mir eine letzte Strafpredigt und gab mir zwei Taler. Ich musste sie nehmen, weil ich nichts zu essen hatte. Vor ihrem Spiegel ordnete ich meine Kleider und ging nun. Ich elendes geschöpf mag doch gedacht haben: Vielleicht sieht Heinrichson dir durch's Fenster nach! Ich will doch nicht, dass er hinter mir herspottet und mich auslacht! Ich tat also nun, als wär' ich froh und hielt mich recht aufrecht. So kam ich nach Haus. Nach einer Stunde etwa kommt Franz, von der Geheimrätin ein Lakai. Er macht mir einen Vorschlag. Ein Mann in seinen besten Jahren hat mich draussen bei der Tante gesehen und Gefallen an mir gefunden. Ob ich Den heiraten und dann die Gegend verlassen wollte? Habt Ihr irgend einen Gauner bezahlt, rief ich, damit ich nur fortkomme und dem Liebhaber der Geheimrätin nicht die Augen ausreisse? Der Bursch liess sich auf nichts ein, sondern blieb dabei, dass es richtiger Ernst seiner herrschaft wäre, den Mann dürfte er nur nicht nennen, ich sollte mit ihm nächster Tage auf einen Fortunaball gehen und da mit ihm anknüpfen, aber sittsam sein und gescheut und dann fort von hier. Es wär' ein Fremder, der von der Stadt nichts wisse, auch nur dann und wann herein käme ... wenn er mich nähme und ich mit ihm davonzöge, würde man mir ein Heiratsgeschenk von zweihundert Talern machen. Ich lärmte zwar und polterte und drohte, ich steckte doch noch einmal das ganze Haus der Geheimrätin an; allein, wie der Mensch ist, auf den Fortunaball ging ich doch und sah da meinen Freier. Papa, was meinst du nun wohl, wen sie mir ausgesucht haben? Ich bin begierig ... sagte Murray – schaudernd über das leichte Gewissen dieser ihm wohlbekannt scheinenden vornehmen Menschen. Den besten Engel auf der Erde, sagte Auguste lachend, meinen geliebten Freund von Solitüde, der mich einmal gelobt hatte, weil ich Blumen mit Bast an hölzerne Stäbe zu binden verstand und mir auf die Schultern klopfte, als ich im Grase kniete ... Den Inspektor? Mangold! Ein Kind von siebenundvierzig Jahren! Nun zwar schon ein bischen von der Sonne getrocknet, aber rüstig und gut wie immer ... Kannt' er dich? Wo wird Der mich? Lieber Gott! Der Mann kennt Bäume wieder, die aus dem Samen gezogen sind, den er gesammelt hat ... aber Menschen! Ich musste ihm in's Gesicht lachen, erst, weil ich den Kopf schütteln musste, dass ich in den steifen Patron hatte verliebt sein können, und dann, weil er mir zu possirlich den Hof machte und es wirklich ganz ernst nimmt ...
Aber Auguste! rief Murray. Man hat da einen rechtlichen, der Welt unkundigen Mann getäuscht! Du wirst doch nicht ...
Getäuscht?
Auguste, getäuscht! Man hat ihm falsches Gold für echtes gegeben! Falschmünzerei! Ha! Ha! Das sind keine zwanzig Jahre Zuchtaus, die Denen blühen, die schmuzige Seelen für reine in Cours setzen: Die gehen frei aus! Die dürfen nur lachen!
Papa!
Auguste, dass du nur eine Minute diesen redlichen Mann über dich hast können in Zweifel lassen, Das macht dich zur Hehlerin der Falschmünzerei! Darauf stehen zehn Jahre!
Vater, du bist toll! Mässige dich, quäle mich nicht! Zehn Jahre? Ich habe Mangold gleich ausgelacht, aber jemehr ich lachte, desto mehr war's ihm Ernst, ich sollte sein Weib werden und ihm auf ein herrschaftliches Schloss folgen, wo er künftig wohnen würde! Das Schloss läge einsam, er müsse nun endlich eine Gefährtin für sein Leben haben, das abwärts ginge. Ich habe mich sittsam benommen, weil Das ein Ehrenmann ist. Aber gelacht hab' ich doch und ihn zitternd vor Wonne abgewiesen und wie ein Kind geneckt. Dennoch will er mich. Alle drei Tage kommt er von Solitüde und geht mit mir Abends einsam spazieren und spricht von einem Schloss, Namens Buchau, weit von hier, wohin ich ihm folgen soll. Ich habe aber, trotzdem dass mein Arm an seinem bebt, soviel achtung vor ihm, dass ich ihn durch mein Ja! nicht betrügen will und neulich ...
Nun, Auguste ...
Neulich gestand ich ihm meinen ersten Fehltritt ...
Das war brav! Was sagte er? Nicht wahr, es ist nun vorbei?
Auguste schwieg ...
Murray fuhr fort:
Er sprang auf, er riss sich aus deinen Armen los. Und Das führt dich nun her? Du bist unglücklich, verzweifelst ... weil dich Alle verstossen, Niemand dich mag?
Aus meinen Armen? sagte Auguste und schüttelte den Kopf. Papa, denke' doch nicht zu schlecht von mir! Ich bebe wie im Wind ein Blatt vor dem mann, ich glaube nicht, dass er mich schon einmal küsste ...
Was aber sagte er, als du ihm gestandest, dass du nicht mehr so bist, wie du aus der Hand Gottes hervorgingest?
Er sprang auf, wie du sagtest, Papa, er weinte sogar ein bischen, schien mir's, und lief dann auch davon. Er sagte mir Abschied auf immer! und ... nach drei Tagen ...
Nach drei Tagen?
Klopft's wieder an meine Tür ...
Die