Magd, die das Heu zu mähen, die Kühe zu melken hatte. Auch die Milch trug' ich in die Stadt, wenn eine ältere Magd krank war. Um diese Magd kam ich fort. Sie behauptete, ich hätte genascht und gestohlen, und ich weiss es nicht, ob es wahr ist. Das Naschen glaube' ich wohl, das Stehlen war aber doch sonst meine Sache nicht, und das Lügen ganz und gar nicht. Genascht, Alter? Ja, ja, sie mag Recht haben. Aber am meisten hasste sie mich, weil ich so allmälig bei guter Kost und tüchtiger Arbeit ein schönes Ding geworden war und allen Männern gefiel. Die Bursche stellten mir schon von dreizehn Jahren nach und einige hatte' ich schon fresslieb. Aber curios! Die ganz jungen mocht' ich nicht. Ich war ein Ding von vierzehn Jahren, als ein Inspektor Namens Mangold auf Solitüde kam und den ganzen Park wie neu umpflanzte. Da wurden Bäume gesägt, Wiesen ausgeschnitten, das wasser wurde anders geleitet und eine Menge Menschen fanden dabei ihr Unterkommen. Der Gefälligste und Artigste war aber der Inspektor Mangold selbst. Der war nicht mehr ganz jung, aber artig, höflich und ich kann dir nicht sagen, Alter, was Höflichkeit auf mich wirkt. Ich habe die schönsten und vornehmsten Jungen später nicht gemocht, weil sie zu mir kamen, sich auf mein Sopha flegelten, betrunken waren und mich dutzten. Ein schüchterner, manierlicher Mensch aber tut mir's gleich an und wenn er auch arm ist. Der Gärtner und alle seine Gehülfen waren grob und derb, Mangold nicht, und in den waren auch alle Mädchen verliebt, am meisten aber die Magd, die der Gärtner zur Haushälterin und Wirtschafterin genommen hatte. Die passte mir auf! Die verhetzte mich! Denn ich verriet mich gleich und sagte ganz laut: Den Inspektor nähm' ich, wenn er auch zehnmal einen roten Bart hat und ich nähm' ihn auch ohne lang Heiraten ... Ich muss lachen ...
Über die früh entwickelte Grossmut deines Herzens? sagte Murray bitter lächelnd.
Das sollst du gleich hören, Papa! Damals kam mir der Inspektor schön wie ein Bild vor. Ich verehrte ihn und hätte ihm eigentlich bloss mögen immer die Hand küssen. Und weil ich Das einmal sagte und er, als ich ein paar Blumenstöcke richtig gebunden hatte und auf dem Grase kniete, mir auf die zufällig nackten Schultern hinten klopfte und die Wirtschafterin sah's am Fenster, da musst' ich fort. Ach, was hab' ich geweint! Es half nichts ... Ich kam in eine Fabrik, wo ich zur Predigerlehre angehalten und confirmirt wurde. Die Arbeit in der staubigen Fabrik – man machte wollene Decken und haarige Filze – konnte' ich nicht ertragen. Meine Brust war so an frische Luft gewöhnt ... Ich war auch durch die Feldarbeit schwer in den Gliedern, träge und träumte viel. Die Mädchen, die mit mir arbeiteten, erzählten nichts als Possen und Lüderlichkeit. Alter, da wurde' ich schlimm! Nicht in Wirklichkeit, sondern in Gedanken! In Gedanken küsst' ich jeden Mann, den ich sah und der mir gefiel. Wenn ich schlief, so küsst' ich das Kopfkissen und drückt' es, weil ich dachte: das ist Der oder Der! Mit der Fabrik war's nichts! So kam ich in einen Dienst bei einem berühmten Maler. Ich nahm diesen Dienst lieber als andere, weil das Haus dieses Malers – er heisst Berg – in den schönsten neuen Strassen, unter Gärten und Blumen liegt und ganz herrliche Bäume in der Nähe hat. Da fand ich aber meinen Untergang, Papa! Ein schöner junger Mann sah mich immer so verliebt, so scharf und schmachtend an, dass ich ihn selber hätte verzehren mögen. Er lernte die Malerei bei meiner herrschaft. Der junge schöne Maler hiess Heinrichson ... ach, Alter, ich sage nichts mehr. Es lag mir schon in den Augen. Die hatten so einen Zug, so eine Sucht ... Die Blume wollte an die Luft und die Teufelsbilder und das schöne Haus und der Garten und die jungen Männer und mein Blut, alle hatten mir's angetan und ich lag dem schönen mann im Arm so unversehens wie Einer fällt und nicht weiss, wie er auf die Erde kommt. Das muss so mit den Schlangen sein, denen die Tiere in den Rachen laufen, als wenn es zur Hochzeit ginge! Ich sah und hörte nun, dass es Frauen gab, die sich entschlossen, den Malern für ihre Bilder, wie sie gewachsen sind, zu sitzen. Wie ich Das hörte, Alter, überlief's mich siedendheiss. Der Professor, ein guter Herr, sah mich auch oft so sonderbar an, als wollt' er sagen: dich hat Gott zu etwas Anderem erschaffen, als mir hier die stube zu kehren und den Ofen einzuheizen! Aber der Meister sagte mir nie etwas von meinem Wuchs. Nur die Schüler und Heinrichson verlockten mich. Aber von den Andern mocht' ich's nicht hören. Ich schämte mich und lief fort, wenn sie davon anfingen, ich sollte ihnen sitzen. Da lockte mich aber Heinrichson einmal auf sein Zimmer ... die Schlange!
Rege dich nicht auf, Auguste! sagte Murray zu dem Mädchen, das zu zittern anfing ...
In Gedanken, fuhr sie fort, in