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nicht siebenundzwanzig Tage an meiner Seite, unter meiner Aufsicht, mit mir entbehrtest und mich erheitertest durch den Anblick deines Fleisses. Ich habe Bücher, ich würde dir vorlesen. Ich zeichne, ich verstehe manche Kunst in Wachs und Ton ... ich wollte dich schon erfreuen, auch ausser den drei Jubeltagen, die ich dir versprochen hatte.

Auguste schüttelte den Kopf und schob die Lippen wie zum sarkastischen Spott.

Hast mich also betrogen, Alter! sagte sie. Auch um das Bild, das du von mir wolltest malen lassen. Gib mir das Geld, das es kosten sollte. Hab' ich nicht Ansprüche darauf? Was kann denn ich dafür, dass sich dieser Pinsel von Maler in deine dumme Windbeutelei nicht einliess und das Bild nicht in einem Tage liefern wollte?

Warum nennen sie dich die Maler-Guste? fragte Murray. Warum drängtest du so um dein Bild? Es war nicht Eitelkeit allein. Du wolltest gemalt werden als du selbst, sagtest du, mit deinen Kleidern, deinen Ringen und Brochen, deinen Spitzen und deinem Shawl? Du wolltest, dass dein Name darunter geschrieben würde! Ich bot dreissig Louisdors für die Grille. Aber ... in einem Tage. Sonst nicht! Oder wenn du mir deine siebenundzwanzig Tage der Entbehrung hier in diesem Zimmer schenkest, so bestimmen wir deine nächsten drei fetten Tage für das Bild ... dann wird es schön. Willst du so?

Bleib' da, Auguste! Lass deine Sachen holen! Ich hole sie selbst.

Auguste Ludmer gab keine Antwort. Starr brütete sie vor sich hin. Dann schüttelte sie den Kopf und sagte:

Ich kann nicht mehr, Alter. Ich kann nicht mehr.

Und gleichsam als drückte sie der zu ernste Gedanke an Das, was Murray Alles anregte, rief sie polternd:

Gib Geld! Ich habe Schulden. Ich werde gequält, verfolgt, beschimpft. Und ich will nicht mehr so scheinen, wie ich war.

Wie du warst, Auguste? fragte Murray. Wie willst du nicht mehr scheinen? Warum nicht? Bist du weise geworden, ohne mich? Gott sei Dank, sage mir, dass du dich geändert hast, ohne mich!

Gäbst du mir dann auf der Stelle hundert Taler?

Wenn ich Proben sähe ...

Gäbst mir meine Kleider, meine Ringe?

Proben! Proben!

Nicht zwanzig ... nicht zehn Taler?

Nicht einen! Proben!

Murray! schrie Auguste jetzt und sprang wie ein wütendes Tier auf, in ihrem Zorne nach etwas suchend, das sie an des Alten Schädel zertrümmern konnte. Sie sah den Wasserkrug ...

Murray trat ihr aber entgegen, griff nach dem Wasserkrug, entriss ihr diesen in dem Augenblicke, wo sie schon nach ihm langen wollte, hielt ihn mit dem markigen arme fest, hoch in die Höhe, so hoch, dass es fast schien, als wäre der Alte viel grösser als die schlanke Buhlerin, und da sie ihn nicht ergreifen konnte oder sich vor seinen Augen fürchtete, sagte er ruhig:

Gib mir eine kleine probe und geh' und hole mir in diesem Kruge frisches wasser! Ich setze einen Taler drauf.

Auguste weinte vor Wut. Sie riss an ihrem dunklen, glänzenden Haare, das in den kunstvollsten Flechten aufgebunden war. Das war gewunden wie Spitzenarbeit und duftete und strahlte und von dem zornigen Wühlen der Hand ging dieser Schmuck nun auf und fiel in langen wie durchbrochenen sichelbreiten Flechten über den entblössten Nacken und die Brust, diese an ihr so schön geformten Teile, die aber schon etwas mager waren in Folge der unregelmässigsten Lebensweise.

Murray betrachtete sie eine Weile, wie sie so erschöpft einer Magdalena gleich sich auf das schmale Bett warf. Er betrachtete sie voll Rührung und sagte nach einer Weile:

Wenn du mir folgen wolltest, würdest du wieder schön werden, Auguste!

Diese Bitterkeit verwundete sie tief, ohne sie zu reizen. Sie fühlte die Wahrheit der Bemerkung und schwieg.

Nach einer Weile blickte sie bittend auf und sagte mit schmeichelnder stimme:

Murray, gib mir Geld! Gib mir meine neuen Kleider! Du weisst nicht, dass ich Geld und Kleider haben könnte, wenn ich so fortführe, wie ich gewesen bin. Ich will mich bessern, aber so nicht, so dumm nicht, wie du es vorhast!

Mein Kind, sagte Murray ernst, ich verkenne die Pein nicht, die dir meine Vorschläge machen. Ich habe aber erlebt, die gewöhnliche Art, wie sieh die Menschen bessern sollen, mislingt fast immer. Der Wille allein tut's nicht, die gelegenheit muss da sein. Die muss den Willen unterstützen. Ich bin ja ganz aufrichtig gegen dich! Ich bin ein Deutscher ... ich habe lange in England gelebt ... und nenne mich Murray ... weil ich englische Sitten und Manieren angenommen habe und ... meine Verwandten nicht wiedersehen mag ... Ich habe dir gesagt, dass ich in meiner Jugend ... unglücklich war ... und ein Verbrechen beging ... zu dem mich ... Hochmut ... Dünkel ... und die gelegenheit ... verleitete ... ein Verbrechen, Auguste ...

Ha! Sag' mir nichts weiter! Warum zittert Ihr? Ihr haltet ja die Hand da immer ... Teufel, was soll Das? Geht weg! Greift doch nicht ...

Auguste glaubte unter dem Rocke des