der Schublade, und es war ihr auch, als "klingte" etwas wie Gold. Um so auffallender aber der Contrast, als Murray nicht etwa eine grosse Geldrolle, sondern ein kleines ledernes Beutelchen hervorzog, es langsam öffnete und in lauter kleiner Scheidemünze zwei Taler auf den Tisch mühsam zusammenzählte ...
Louise zählte nach und fand die Summe richtig. Wie sie sich wandte, bemerkte sie fast erschreckend an den Eisenstäben draussen vor dem Galeriefenster einen inzwischen heraufgeschlichenen Besuch. Es war eine hohe, schlanke, weibliche Figur, die ihr nicht unbekannt schien. Indem sah sie auf Murray und bemerkte die plötzliche Überraschung durch jenes Frauenzimmer, das man nicht hatte kommen hören, auch bei ihm. Der Besuch blickte lachend durch die Fensterscheiben und das Gitter und schien neugierig zu forschen, ob sie nichts von den Schätzen des eben in Geldgeschäften begriffenen Alten entdecken konnte. Rasch stiess Murray die Commode zu und zog den Schlüssel ab.
Das Mädchen, das darüber in lautes Gelächter ausbrach und die Tür mit dem fuss zurückstossend eintrat, war Auguste Ludmer.
Das ist deine Spelunke, Alter! rief sie. Hier haust du jetzt und hast so schöne Nachbarschaft?
Louise erkannte nun vollkommen jenes Mädchen, das in diesen Häusern auf Nr. 17 gewohnt hatte und auf dem Fortunaball mit Murray verhaftet worden war. Betroffen wandte sie sich ab, strich ihr Geld mit der hohlen Hand ein und verliess, ohne ein Wort zu sprechen, das Zimmer. Selbst wenn sie es mit ihrer Würde für vereinbar hätte halten können, zu lauschen, würde sie sich nicht in der Küche länger verweilt haben; denn Murray, das sah sie wohl, öffnete das zweite Zimmer, das, früher, durch einen vorgeschobenen Schrank getrennt, Schmelzing bewohnt hatte, und ersuchte Auguste Ludmer dort einzutreten. Louise legte auf ihrem Zimmer die Miete in ihre kleine Kasse, notirte sie in einem Büchelchen und setzte sich nieder zur Arbeit, tiefergriffen von dem Nachdenken über die Möglichkeit, wie es weibliche Wesen über sich vermögen, sich so tief sinken zu lassen wie jene Maler-Guste, deren Nähe ihr unheimlich war und den Alten mit seinem schweren Commodenkasten plötzlich wieder genug verdächtigte. Tugendhafte Frauen fliehen Gesunkene wie jene Auguste, aber sie denken viel über sie nach und suchen sie nach den ersten heftigsten Anklagen meist mit einem schmerzlichen Gefühl über das unsichere jammervolle Frauenloos im Allgemeinen tiefaufseufzend zu entschuldigen.
Da siehst du, Auguste, wie man dich flieht, begann Murray, als er mit dem noch immer lachenden wilden Besuch allein war und die Maler-Guste sich in Schmelzing's ehemaliger Klause umsah.
Papa, rief sie, und warf sich fast der Länge nach auf einen Stuhl hin, dass dieser knackte und wackelte, Papa, die geht auch lieber auf einen Ball, als Sonntag Nachmittags in die Spittelpredigt. Wir haben sie ja in der Fortuna gesehen.
Was bringt dich her, Louise? fragte Murray, nahm einen Stuhl und wollte sich ihr gegenüber setzen.
In quecksilberner Beweglichkeit sprang sie aber sogleich wieder auf und rief:
Erst, Alter, lass mich deinen Palast sehen, wo du deine Schätze vergräbst! Hierher, denkst du, steigen die Spitzbuben nicht nach? Drinnen die Eisenstangen, die haben dich wohl gelockt, oder unterhältst du dir das Mädchen, die sich eben die hände wäscht von deinen schmuzigen Viergroschenstücken?
Ich gewöhne mich, siehst du, sagte Murray mit scharfer Betonung, an die angenehme gelegenheit, hinter Schloss und Riegel zu kommen, wenn man sich mit dir öffentlich blicken lässt.
Papa hat Furcht gekriegt. Ha! Ha! Deshalb stand ich immer vergebens an meinem Teetopf in der Königsstrasse und dachte, dein Alter kommt nicht ...
Ich zu dir? erhob sich Murray ernster. Du weisst doch, was ich dir sagte, als man uns von Gerichtswegen gehen hiess und ermahnte, nunmehr anständig und sittlich zu leben? Ich suchte eine wohnung für uns Beide. Diese war dir zu schlecht und eine bessere ist teurer ...
Geizhals! Ha! Ha! Hier sollt' ich wohnen? Auguste Ludmer, die deine Brillanten trug, in diesem abscheulichen Loche? Heute ist schönes Wetter und hier ist's so dunkel, dass man die Hand kaum vor den Augen sieht ...
Das machen die schönen Gardinen ... Siehst du nicht?
Auguste lachte über diese ironischen Worte und zerrte an einem der rot- und weissgestreiften kattunenen Vorhänge.
Nein, Männchen, sagte sie, so haben wir nicht gewettet. Das sollte ein Bett sein? Das wäre ja um sich Beulen zu liegen ...
Aber reinlich.
Kein Sopha –
Vier Stühle –
Kein Spiegel ...
Murray mit einer eisernen Ruhe und Gelassenheit, seine zarten hände sich in ihren Flächen reibend, als wollte er Brotkrumen drehen, immer lächelnd und mild, zeigte auf das Fenster.
Auguste nahm einen kleinen Handspiegel vom Fenster und tanzte, sich darin besehend, im Zimmer herum.
Ha! Ha! lachte sie. Der ist für dich! Für Leute, die nur ein Auge haben und ihre Perrücke nicht sehen mögen. Soll ich?
Sie warf ihn in die Höhe, spielte Fangball damit und drohte das kleine Glas zu zerbrechen.
Murray griff darnach und hing es wieder an das Fenster.
Was willst du, Auguste? fragte er dann mit grosser Langmut und Geduld.
Alter, sagte sie, setzte sich wieder und schlug dabei die arme und die Beine übereinander, ich habe mich eben