plötzlich die Conversation vom Deutschen in's Französische übersprang und mehre Herren, Militairs und Civilisten, teil nahmen. Dass ich wie das sonderbarste Wunder der Welt betrachtet wurde, sah ich wohl und fühlte die notwendigkeit, mich nicht zu zaghaft, zu schüchtern zu gebehrden. Ich trat mit den Reminiscenzen meiner früheren, vorgenferischen Zeit mit möglichstem Nachdruck hervor. Dadurch ergab sich wie von selbst, dass sich der Zug in eine halb stehende, halb gehende Bewegung setzte, und wir unter die Orangenbäume zu wandeln kamen. Der König, der eine sehr deutsche Gesinnung prononcirte, begann auf's neue in den vaterländischen Lauten und Alles schien erfreut, zu bemerken, dass der Sohn des alten Generalfeldmarschalls, der so vortrefflich Deutsch, wenn nicht zu sprechen, doch zu fluchen verstand, nicht ganz aus der heimatlichen Art geschlagen war. Unter solchen, mehr oder weniger abgerissenen kürzeren oder längeren Bemerkungen standen wir plötzlich vor den geöffneten grossen Fenstertüren der untern Säle des Schlosses. Mon prince, sagte die Königin mit vieler Anmut, finden Sie hier nicht einige Erinnerungen an Ihre Kindheit? Was wiederhol' ich ihre Worte! Sie bedeutete mich, einen blick in die Säle zu werfen und nachzusehen, ob dort nicht angenehmere Erinnerungen für mich wären, als die an einen Stein, den ich einmal unglücklicherweise an die Stirn Sr. Majestät geworfen hätte. Ich war befangen, wusste nicht, was sie meinte und trat einem der Säle näher. Die Herrschaften gingen voraus und ich erblickte ein Ameublement von grösstenteils schwarzem gotischem Hausrat, der dem ohnehin der Sonne abgewandten Zimmer etwas ungemein Düsteres gab. Noch besann ich mich, was man meinen mochte, als eine kleine Uhr einen Choral zu spielen begann. Nun besann ich mich. Ich war auf Hohenberg, in den Zimmern meiner Mutter, die Erinnerungen der Knabenzeit tauchten zauberhaft in meinem Gedächtnisse auf, und ich gestehe Euch, war es die Rückwirkung meiner noch physischen Schwäche, war es die Macht der kindlichen Erinnerung, wie die kleine Uhr auf einer schwarzen Console mit weissen Marmorfüssen den frommen Choral spielte, dem ich als Knabe oft so neugierig gelauscht hatte, trat mir eine Träne in die Augen und kaum erblickte man meine Rührung, als sich auch die Königin und alle Damen abwandten, um zu weinen. Der König ergriff zuerst gesammelt das Wort und sagte: Mein lieber Fürst, es war ein Lieblingswunsch der Königin, auf einem unserer Schlösser die Einrichtung der Fürstin Amanda von Hohenberg, von der man so viel Geschmackvolles und Sinniges gehört hatte, zu besitzen. Jetzt kennt die Königin aber kein angenehmeres Gefühl, als dem Sohne, dem schon die frommen Klänge dieser Uhr die ganze unersetzbare Seligkeit der Jugendzeit zurückrufen, die Freude zu bereiten, die Ausschmückung dieser Zimmer da wieder hin zu verpflanzen, von wo eine allzugrosse Indiskretion und Übereilung unserer Seits sie vor einiger Zeit entführte, ehe noch der Befehl dazu gegeben war. Die Bewegung, die diese schönen, gar zarten und rücksichtsvollen Worte im saal hervorriefen, war um so mehr echt, als ich bemerke, dass sie auch auf Euch einen Eindruck machen. Meine Situation, gesteh' ich, war etwas peinlich. Sire, sagt' ich, mich fassend, mein guter Vater war so ein braver Patriot und hat in seiner Weise dem vaterland und Ihrem haus so ruhmwürdige Dienste geleistet, dass es die Güte Ihres Herzens zu sehr in Anspruch nehmen hiesse, wenn ich zugeben wollte, dass Sie die kleinen Schattenseiten seines Charakters, die alle Welt gekannt hat, mit dem Mantel der Liebe bedecken wollten. Wenn dieses Zimmer Ihnen die Erinnerung an einen alten Krieger zurückruft, der ... Nein, nein! unterbrach die Königin meine Ablehnung des sinnigen Rückgeschenkes. Ich würde mir ewige Vorwürfe machen, Prinz, wenn ich die stille Geisterspraehe, die durch diese scheinbar toten Gerätschaften eine Mutter mit ihrem Sohne reden kann, stören oder unterbrechen wollte. Nein, nein, Prinz, zur Feier Ihrer Genesung gestatten Sie uns, da wir hören, dass Sie Ihre Güter unverändert behalten haben, diese Einrichtung dort wieder aufstellen zu lassen, von wo aus sie ein übergrosser Eifer, der uns Alle erschreckt hat, zu rasch, zu verletzend für uns Alle entfernte. Dabei fiel der blick der Königin auf eine lange hagere wie angedonnert dastehende Figur ...
Dankmar sagte ganz für sich:
O weh!
Egon fuhr fort:
Auf einen hagern sterngeschmückten Mann, der bisher eine ausserordentlich selbstzufriedene Rolle gespielt hatte und wahrscheinlich der Intendant der Schlösser und Gärten, mein schlimmer Freund, Herr von Harder, war. Sämmtliche Kammerherren und Offiziere bissen sich auf die Lippen. Es tat Allen wohl, nach einem Momente der Rührung sich durch eine kaum unterdrückte Schadenfreude humoristisch zu erholen. Ich nahm nun die Angelegenheit heiter und leicht, erklärte, wenn man die Gnade haben wollte ...
Pst! rief jetzt Dankmar, unterbrach Egon und blinkte mit den Augen nach etwas, was sich hinter ihnen begab und was er, da er mit Louis rückwärts sass, leichter sehen konnte.
Was ist? fragte Siegbert und lehnte sich rückwärts über den Schlag hinaus.
In demselben Augenblicke schoss ein zweispänniger Wagen im vollen Laufe vorüber, mit den bekannten beiden Bedienten Ernst und Franz ... Die Excellenz von Harder! Unmutig, die schwarzen Augenbrauen tief heruntergezogen, lag sie in dem Wagen, die arme übereinandergedrückt.
Auf dem Bocke sass neben dem Kutscher zu Dankmar's Bedauern der Garteninspektor Mangold, der freundlich und heiter seine Mütze zog und die