Bedienten herausgebracht – Aber welcher war der Eine und welcher der Andere? Der Fürst war – Fürst, und Dankmar ein Referendar, der seines Processes wegen das allgemeine Gespräch der Stadt, die Aufmerksamkeit aller Mütter und jungen Mädchen geworden war ... Friederike Wilhelmine von Flottwitz entschied sich für Dankmar und hielt Dankmar für den Prinzen, die Trompetta meinte Dasselbe, drückte Dies aber so aus, dass sie den Prinzen für Dankmar hielt. Sie flüsterten sich, indem sie sehr umständlich in ihren Wagen stiegen, ihre gegenseitigen Vermutungen mit lebhaften Gestikulationen zu und befahlen dem Kutscher zu halten, als er eben abfahren wollte und sie Siegbert bemerkten, der mit den Wäsämskoi's eben aus der Allee heraustrat. Das war ein Nicken, war ein Grüssen und Winken mit der Hand! Die mutigen oder vielleicht nur ungeduldigen Rosse wollten weiter, aber die Trompetta richtete sich im Wagen hoch auf und geriet so in ein taumelndes Schwanken, dass die Flottwitz sie halten musste. Siegbert, artig wie immer, sprang hinzu, um vielleicht noch einen Befehl zu vernehmen.
Adieu! Adieu! Adieu! rief sie und als Siegbert am Wagenschlage stand, flüsterte sie:
Welches ist denn der Prinz?
Und Ihr Herr Bruder? liess sich sogar die Flottwitz herab, zu forschen.
Egon und Dankmar standen nahe genug am Wagen, um näher zu treten. Sie hatten die neugierige Frage fast gehört, den nach ihnen schielenden blick bemerkt, sie liessen sich vorstellen.
Frau von Trompetta –
Prinz Egon von Hohenberg –
fräulein von Flottwitz –
Mein Bruder Dankmar –
Durchlaucht, o Durchlaucht – begann die Trompetta und weinte fast.
Gnädige Frau – sagte Egon betroffen.
Ach! Ach! Ach! Ich kannte Ihre Mutter – sie war ein Engel; sie war meine Freundin! Wissen Sie denn Das nicht ... Wie liebt' ich sie! Und diese Ähnlichkeit, Durchlaucht! Zum Erstaunen und dem Generalfeldmarschall wie aus den Augen geschnitten! Die königlichen Herrschaften hatten die Huld, Sie nach Ihrer Genesung zu begrüssen! Das Auge der Königin ...
arme Trompetta! Die Ungeduld deiner Pferde brach dies rührende Waldgespräch gerade an solcher Stelle ab! Die Füchse waren wie ihre Herrin von den Sechsspännern angesteckt und liefen ihnen ohne Aufhaltens nach, mitten in einem Dankgebete, das die Sammlerin des Getsemane eben unter den grünen Wipfeln der Eichen für Egon's Genesung anstimmen wollte – und nun kein Wort an Olga Wäsämskoi, kein Gruss, keine Frage mehr an Siegbert, und da jener Dankmar – und das Alles abgebrochen durch die wilden Rosse!
Es war geschehen, die Pferde zogen an und der ärgerliche Kutscher liess sie laufen. Von Wilhelminen von Flottwitz blieb ein blick an Dankmarn hängen, der Manches sagen konnte. Die rasche Wendung war der wirkung dieses Blickes ausserordentlich günstig gewesen. Weil er ganz links zur Seite ging, bekam dieser blick eine Kraft, so zu sagen eine Emaille, die ihm so blendend in die Augen widerblitzte, dass er lachend sagte: Himmel! War denn das Die? Sie? Die? die Retterin des Vaterlandes! Sie ... die Eine, einzige! Und als Siegbert sagte: Die vielbesprochene Flottwitz! rief er:
"Es blieb an mir nur noch ihr Abschiedsblick,
Ein Sommerfaden an der Trauerweide hängen!"
Die wilden jungen Männer empfahlen sich den jungen Wäsämskoi's. Olga, entzückt von dieser Männerwelt, schlug den blauen Schleier ihres Hutes so dicht vor ihr Antlitz, dass man nichts von ihr sehen konnte als die zierliche Gestalt. Sie schien mit Siegbert zwar etwas zu schmollen, kehrte Allen den rücken, beantwortete keine Höflichkeit Dankmar's, wich jeder Absicht Egon's, sich ihr vorstellen zu lassen, aus, sass aber im Wagen so sicher, so fertig, als wäre sie schon neunzehn Jahre, während sie doch nur fünfzehn zählte.
Was hat denn Olga? sagte Dankmar. Sie weinte ja
vorhin ... Sie soll heiraten? Nicht wahr?
O nein, sie weint, dass ich nicht in ihrem Wagen zu
rückfahre ...
Heilige Tränen der Liebe! spottete Dankmar. Ist
doch auch dein Taschentuch deshalb feucht?
Egon aber, gleichfalls angeregt, scherzte noch mit
Paulowna und Rurik.
Wenn ich auch noch so schlimm bin, sagte er, so hilft das dem Papa Rudhard Alles nichts. Morgen ganz in der Frühe hol' ich Euch Kinder aus dem Bett und lasse entweder mir oder Euch für unsere Unarten vom Papa Rudhard die Rute geben. Wollt Ihr ihm Das sagen?
Dieser drohende Humor schien den Kindern doch zu bedenklich ... Sie setzten sich zur älteren Schwester. Siegbert half ihnen in den Wagen. Dankmar und Egon zogen, als auch dieser Wagen abfuhr, den Hut und grüssten Olga. Diese beugte mit grosser Sicherheit und vornehmer Grazie etwas den Oberkörper und blieb mit zusammengeschlagenen Armen, ein Taschentuch in der Hand, in der Ecke ihres Wagens sitzen. Peters jagte davon.
Nun wollte Egon einsteigen und sah sich nach seinem Freunde um. Louis Armand, der Tischler, stand ganz in der Ferne ... fast eingeschüchtert.
Egon verstand, was ihn drückte. Mit Herzlichkeit ging er auf ihn zu und sprach in französischen Worten zu ihm:
Aber, Louis –
Louis Armand sah zur Erde und folgte langsam und beklommen seiner Aufforderung, einzusteigen.
Dankmar sah sich noch nach Mangold um. Er war verschwunden. Siegbert schien zerstreut. Er wusste nichts von Dem, was auf der Terrasse vorgefallen war