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mich dann aussie lachte zwar, sie war schnöde und schnippischsie wollte von dem Buchau nichts wissenwill auch noch nicht heran und spottet und necktaber sie gefällt mir ... ich schenkte ihr Dies und Jenesich denke doch, wenn nichts dazwischen kommtund die Tante noch einmal recht vernünftig mit ihr sprächeso

Heiraten Sie diese – ...

Der Name erstarb Dankmarn auf den Lippen ... Himmel! dachte er während der Erzählung des unschuldigen immer von den Städten entfernt lebenden Mannes, welche Intrigue steckt hinter dieser abscheulichen Täuschung! Und eben wollte er offen mit seiner Warnung hervortreten, den einfachen, harmlosen Mann bei Seite nehmen, schildern, welchen Gefahren er seine Ehre aussetze, als Louis, der der Erzählung nicht den gleichen Anteil gewidmet hatte, weil er unverwandt die Augen auf das Schloss richtete, rief:

Da kommt Egon!

Dankmar wandte sich und erblickte Drommeldei mit Egon und den Bedienten niedersteigen. Auch Siegbert kam mit Olga und den Kindern ... Es war Dankmarn jetzt nicht möglich, das Gespräch mit Mangold fortzusetzen. Nur noch die Worte rief er ihm, als er bei Seite trat, zu:

Können Sie mir keinen Gruss an Ihre Braut auftragen?

Braut? So weit ist's noch nicht! Aber ich danke Ihnen, sagte Mangold herzlich. heute Abend komm' ich noch in die Stadt. Wenn Einer sein letztes Feuer noch einmal zusammennimmt, gibt's einen Brand. Ich gehe gern auf das Café Richter. kennen Sie Das? In der Königsstrasse?

Gewiss! Gewiss! sagte Dankmar. Ich komme dahin.

In der bestimmten Absicht, Alles aufzubieten, was Mangold über die Gefahr, in die er sich sorglos begab, aufklären konnte, trat Dankmar dem Prinzen entgegen, voll Spannung, was dieser über seine Erlebnisse im schloss würde zu erzählen haben ...

Es schlug nun eben sechs Uhr vom Schloss Solitüde, als sich an der grossen Eingangspforte des Gartens ein Gewirr und Durcheinander von Menschen, Rossen und Wagen verwickelte. Von der aufwärtssteigenden verlängerten Allée kamen vom schloss herab erst einige zweispännige, dann vierspännige Wagen, zuletzt ein sechsspänniges Gefährt mit den königlichen Herrschaften selbst. Alles, was bisher im Park zerstreut gewesen war, lief und drängte sich zu der Hauptpforte, um noch diese Abfahrt mit anzusehen. Auch die kleine runde Dame, die sich hier beinahe schon wieder verspätet hätte, kam spornstreichs von der Terrasse gelaufen, in einiger Entfernung von der jungen Begleiterin mit den blonden Locken, die nur in raschen Schritten ging, nicht lief. Ob die freundliche Verbeugung der jungen Königin diesen huldigungsbeflissenen Damen vorzugsweise galt, ist schwer zu sagen. Die Damen hielten mitten in ihrer Eile auf und verneigten sich tief mit holdseligen Gebehrden, indem sie mit einer Hand gleichsam eine die andere näher heranziehen und dem hof mit der andern sagen wollten: Wir sind Beide da! Endlich waren die Herrschaften abgefahren und die kleine runde Dame, in der Sanitätsrat Drommeldei sogleich Frau von Trompetta erkannte, hatte nun gelegenheit, die minder bedeutenden Menschenkinder zu betrachten, die sie hier versammelt fand. Drommeldei lobte ihre rasche Beweglichkeit, tadelte sie aber an fräulein von Flottwitz.

Ihnen, liebe Trompetta, sagte er, kann ein solcher Wettlauf mit sechs Pferden einmal nichts schaden; aber Sie, mein liebes fräulein, bedürfen Schonung und verlangen keine Amazonenkur.

Die Trompetta sprach nur von ihrem unglücklichen "Guignon" auf der Terrasse ...

Wollten Sie, sagte Drommeldei, die Herrschaften an Ihr Getsemane erinnern?

Ach, antwortete die Trompetta, es liegt allerdings noch auf dem Nähtische der Königin! Man blättert darin und kann sich nicht entschliessen, eine Summe daran zu wagen, die mich der Weitläufigkeiten einer Lotterie überhebt.

Ich bin für die Lotterie, Frau von Trompetta, sagte Drommeldei schon im Einsteigen.

Warum sind Sie für die Lotterie, heidnischer Sanitätsrat? geben Sie mir doch Ihren Rat! Warum?

Weil Ihnen das Anbringen der Loose von einer vorteilhaften diätetischen Wirksamkeit sein wird. Wenn der Hof das Getsemane nicht ankauft, ersparen Sie eine Badereise.

Frau von Trompetta hielt den allo-homöopatischen Sanitätsrat fest.

Es ist eine Intrigue gegen mich im Werkesagte sie, ich weiss esdie Altenwylgestehen Sie mir's, Drommeldei!

O behüte, kein Mensch intriguirt, als ich, sagte dieser. Beruhigen Sie sich, Frau von Trompetta! Sie haben den Titel Getsemane ganz in meinem Sinne gewählt. Es sind in dem Ölgarten Tränen geflossen und von der Angst der Jünger ist viel daselbst gewehklagt worden. Das Schweisstuch der heiligen Veronika muss Ihre nächste Sammlung heissen. Aus diätetischen Gründen und zur Beruhigung für Ihre Freunde dürfen diese Lotterien und die Mühen des Absatzes der Loose für Sie nicht aufhören. Adieu, liebe Missionairin!

Mit diesen für Frau von Trompetta mannichfach verletzenden Worten fuhr Sanitätsrat Drommeldei, ein kluger Mann, der sich vortrefflich in seine Welt zu schicken wusste und nicht Jeden nach seiner eigenen materialistischen Seelenstimmung behandelte (doch von Frau von Trompetta wusste er, dass ihr der Ärger und Streit über ihre erheuchelte Religiosität von grösserem physischen Nutzen war), mit einer freundlichen Handbewegung zu Prinz Egon, rasch davon.

Frau von Trompetta hörte glücklicherweise diesen Spottreden auch schon nur halb zu. Ihre kleinen neugierigen Augen verschlangen den Prinzen Egon und Dankmar Wildungen. Einer von beiden war Prinz Egon und einer Dankmar Wildungen, der Bruder Siegbert Wildungen's ... Das hatte sie schon durch die