Er wandte sich in seiner Auseinandersetzung über die Pflege der Georginen, die gerade die Blumen dieses Monats waren, gleicherweise bald vertraut auch an Dankmar wie an Louis und sprach gerade über die eigentümliche Kunst, die Georginen durch Stoffe, die man der Erde, in der sie wachsen, beimische, z.B. Asche, nach Belieben zu färben. Es lag in seinen Äusserungen eine gewisse Kindlichkeit.
Sie sind gewiss der Herr Schlossgärtner? fragte Dankmar, ohne sich dabei den geringsten Schein von Indiskretion zu geben.
Wollen Sie mich so nennen, immerhin, sagte der Angeredete und lüftete bescheiden seine Mütze. Ich habe nach Titeln nie gestrebt, lebe nun schon dreissig Jahre so mit der natur zusammen und wenn man mich Herr Garteninspektor ruft, so hör' ich manchmal weniger darauf, als auf meinen einfachen Namen Mangold!
Was? Sie sind der berühmte Parkologe Mangold? fragte Dankmar erstaunt.
Parkologe? Berühmt? sagte Mangold. Du lieber Himmel!
Weiss man nicht, dass Sie die rechte Hand des Geheimrats von Harder sind, Alles schaffen, Alles hervorzaubern, wofür er den Namen hergibt und die Anerkennung einkassirt?
Das ist einmal so der Dienstbrauch! Das ist in der grossen Welt so wie in der kleinen; sagte Mangold lachend.
Sie haben am Rhein das Schloss Buchau hergestellt, sagte Dankmar. Sie waren im Gebirge und haben Selkental zu einem Paradies umgeschaffen; Alles was in den königlichen Schlössern Schönes und Geschmackvolles sich findet, ist das Werk Ihrer Erfahrungen, die Sie in den Parkanlagen Englands sammelten ...
Ganz Recht! Englands! Da hab' ich meine paar Brocken aufgeschnappt, bin dann erst in die Dienste des alten Präsidenten von Harder getreten, hab' ihm Tempelheide für ihn und seine wilden und zahmen Mitbewohner, wie eben Tannen sich ziehen lassen, eingerichtet und ging dann durch den Sohn, als er Intendant der königlichen Schlösser und Gärten wurde, in Staatsdienste. Aber wenn ich Ehre und Ruhm geniesse, so weiss ich's nicht. Wo sollte ich Das wissen? Ich lebe nur auf diesen einsamen Schlössern, bald hier, bald da in der Stille. In den Gartenzeitungen ... o ja, die halt' ich mir! ... Da werde' ich genannt und manche herrschaft hat mich verschrieben, um Schatten und Licht in einen Wald zu bringen – aber Das, dachte' ich, geht doch so in der Stille hin und ich bin froh, wenn mich meine Blumen und Bäume loben. Komm' ich des Morgens in der ersten Frühe auf meine Wiesen und der Tau glänzt mich freundlich in der Sonne an, so hab' ich Glanz genug.
Louis Armand hatte nur nicht den Mut, sonst würde' er diesem einfachen, so still begeisterten mann die Hand geboten haben.
Dankmar aber, der Das, was er von Peters über Auguste Ludmer gehört, nun mit dem Eindruck, den er hier empfing, in der Tat nicht vereinigen konnte, wagte jetzt einige fragen, die allerdings zudringlich erscheinen konnten:
Bleiben Sie auch den Winter auf Solitüde? fragte er.
Nein, sagte Mangold, ich soll ja ganz von hier fort und wieder an den Rhein. Ich bekomme den Titel als Ober-Garteninspektor und werde in Buchau bleiben.
Auf die Glückwünsche zu seiner Beförderung kam Mangold allmälig in das geständnis, dass er erst noch ein Weib nehmen würde ...
Ich bin nun, sagte er, sieben und vierzig! Ein alter Knabe! Hab' immer in Gärten und Schlössern gelebt, fern von den Städten, fast wie ein Einsiedler. Die Leute lachen, wenn sie einen ledigen Junggesellen von sieben und vierzig Jahren sehen! Aber wie find' ich Bekanntschaft? Amtsratstöchter dünken sich hoch, Gärtnerstöchter standen mir zu tief. Wo man befehlen soll, muss man nicht schmeicheln müssen. Da war ich neulich bei unserer Excellenz, dem Intendanten, und sehe ein charmantes Mädchen über den Hof gehen. Prächtiger Wuchs, eine Staatsjungfer! Die könnte mir schon gefallen, sagt' ich zur Frau Geheimrätin, als sie mich neckte, dass ich noch immer keine Anstalt machte. Und wie ich in ihrem Garten eine Wasserleitung revidirt hatte und komme zurück und will mich empfehlen, sagt die alte Dame, die schon viele Jahre bei der Geheimrätin Alles in Allem ist: Mangold, das hübsche Mädchen ist meine Nichte! Wenn sie Ihnen gefällt – dabei zog ich die Mütze und sagte: Madame Ludmer, die nähm' ich gleich mit nach Buchau, aber man muss sie doch sprechen und rasch müsst' es auch gehen, ich habe bis zum siebenundvierzigsten Jahre gewartet und nun aber kein langes Besinnen mehr! Da warf sie einen blick auf die Geheimrätin, so einen von ihren Blicken, die mehr sagen, als man gleich verstehen kann. Die Geheimrätin zog die Lippen ein Bischen verächtlich und lachte. Das ärgerte mich fast und ich sagte: Ist sie zu jung für mich? Nein, nein, sagte die schwarzäugige Alte, die Ludmer. Wenn es Ihr Ernst ist, Mongold, muss man Das nur richtig anfassen – zweckmässig – arrangiren .... Gut, sagt' ich, arrangiren Sie's. Und da sah ich das Mädchen auf einem Ball – die Bedienten der Geheimrätin führten mich immer um sie herum ... sie war auch nur wegen meiner da – ging auch gleich fort, das war Alles abgemacht – vorher besprochen ... ich sah sie wieder ... ich sprach