von der Erhitzung rosig angeglühte Blondine zuckte hoheitsvoller die Achseln und schien sich mit einer gewissen imposanten Ruhe zu ergeben.
Die Kinder zeigten inzwischen auf den Lichtschim
mer, der das Ende einer dunklen hochgewölbten Allee, die sie einschlugen, begrenzte. Dort läge, wie die Dame im roten Shawl gesagt hätte, der Schwanenteich.
Springt nur vorauf! erinnerte Dankmar die Kinder.
Wir kommen nach!
Louis kam, da die Kinder liefen, als ging' es um die
Wette, auf das wunderlich eben Erlebte zurück. Dies Zusammentreffen mit dem hof schien ihm so gefährlich, dass er in seiner ohnehin schon angeregten Besorgniss davon die schlimmsten Folgen erwartete.
Dankmar stellte seine Befürchtungen in Abrede.
Ich wette, sagte er, der Fürst wird uns, wenn wir noch vor einem Unwetter nach haus fahren, Unterhaltendes erzählen.
Unwillkürlich schlugen die beiden Wanderer, um
mehr nach dem drohenden Himmel sehen zu können, einen weniger grün beschatteten Seitenweg ein. Jetzt bemerkten sie erst, welche gewaltige Menge von Wagen fern an der Pforte hielt. Die königlichen Sechsspänner waren höher hinauf dem schloss zugefahren, aber ausser dem ihrigen stand nun noch der des Sanitätsrates, der der Fürstin Wäsämskoi und der Frau von Trompetta an der Pforte. Wie einer dieser Kutscher von fern Dankmarn eifrigst grüsste, konnte er sich kaum besinnen, warum der betresste Mann in seiner Ehrerbietung so eifrig war. So zerstreut war Dankmar, dass er fast vergessen hatte, wie der Kutscher der Fürstin Wäsämskoi Niemand anders als sein alter Freund Peters sein konnte. Peters, den er selbst nach dem vergeblichen Versuche bei Schlurck durch seinen Bruder bei der Fürstin Wäsämskoi empfohlen hatte, Peters erschien ihm heute zum ersten male in seiner geschmacklos überladenen Livree, und des Bellens eines ihm wohlbekannten Hundes bedurfte es wirklich, um aus jenem geputzten Pagoden seinen alten Freund Peters, den Vertrödler seines Schreins, den unglücklichen Kellner vom Fortunaball herauszufinden.
Ei, Bello! rief Dankmar sich bald orientirend schon in der Ferne, tronst du da oben wie ein gnädiger Pascha von zwei Rossschweifen, an denen du wieder deine Freude hast! Guten Tag, Peters! Guten Tag, Bello! Ihr seid da! Im Staat! So in Gold und Silber und wohlgenährt, dass Ihr ganz stolz ausseht und Einer vor Euch und Euren Pferden Respekt haben muss.
Peters warf sich in der Tat ganz behaglich in die Brust.
Machen wir Ihnen denn nun Ehre? sagte er. Sie und der Herr Bruder haben ja für uns Beide gutgesagt.
Wie ein Kartenkönig haltet Ihr Euch Peters! lachte Dankmar. Und dem Bello, dem fehlt nur noch ein rotes Halsband und man hält ihn für einen verwunschenen Kammerherrn oder den Schooshund einer holländischen Millionairin.
Und doch haben wir wieder was Schlimmes begangen!
sagte Peters und schüttelte bedenklich den Kopf, was ihm bei der neuen Tresse seines Halskragens etwas schwer wurde. Das Teufelsmädchen Das!
Wie so denn? Wer denn? Teufelsmädchen? Die kleine Comtesse oder Prinzess, was sie ist – die Olga!
Nicht wahr? Das ist ein Geniestreich, dass Ihr hier seid?
Sie mag's verantworten, sagte Peters. Wir sollten nach Tempelheide zu dem alten Metusalem – Sie kennen ihn ja –
Dem Präsidenten –
Und zu Frau von Harder, seiner Schwiegertochter – aber kaum bin ich am Pelikan und grüsse den alten Hitzreuter, dem die Fortuna seinen Bauch etwas schmaler macht –
Und die Katrine –
Nein, die ist ja nun ganz auf der Fortuna geblieben! ... Ja die dreht da die Kugel, dass sie immer im Gange ist –
He! Ihr verliert ja die Leine!
Just am Pelikan, heisst's ... Peters, umkehren! Nach Tempelheide umkehren? fragt' ich. Nach Solitüde fahren wir. Was? Nach Tempelheide! Da springt ja das Mädchen auf und reisst mir von hinten die Peitsche aus der Hand. Ich drehe mich um und die beiden Augenräder, die ich da vor mir sah, werde' ich in meinem Leben nicht vergessen. Nach Solitüde also ... Und weil sie mir die Peitsche nicht wiedergab und die Leute in der Vorstadt stillstanden und lachten, musst' ich schon umwenden und hierher machen –
Sie wird's verantworten. Gegen Gewalt richtet die Vernunft nichts aus.
Wie steht's denn mit dem Process, Herr Wildungen? fragte Peters, diese gelegenheit zu einem Schnak benutzend. Alle Leute sprechen davon. Den Herrn Siegbert sehe' ich oft bei unserer herrschaft, aber es schickt sich nicht recht, dass ich vor den Herrschaften bekannt mit ihm tue ...
Louis Armand hatte sich inzwischen an die Eingangstür, die Dankmar schon überschritten hatte, auf eine Bank gesetzt und plauderte bald mit der Frau, die dort Lebensmittel feil hielt, teils sah er nach dem Wetter, teils und am nachdenklichsten nach dem schloss hinauf.
An meinem Zank mit dem Justizrat Schlurck, sagte Dankmar, habt Ihr wohl gemerkt, dass das Alles langsam gehen wird.
Ein paar Millionen ziehen sich schwer, meinte Peters und machte die übrigen hier haltenden Wagenführer aufmerksam.
Und wenn's auch nur Eine ist, Peters, von dem Bock müsst Ihr dann herunter!
Peters schüttelte den Kopf und meinte:
Sie vertrau'n mir nichts mehr an.
Warum nicht? sagte Dankmar. Seit Eurem Unglück an der Plessener Schmiede hab' ich soviel Abenteuer gehabt, soviel Bekanntschaften gemacht, dass Ihr eigentlich die Veranlassung eines ganz neuen Lebens für mich geworden seid.
Peters fuchtelte nachdenklich mit der