1850_Gutzkow_030_440.txt

die leichtesten Formen, spielte wie jeder Sohn des Äskulap nicht viel mit der Etikette und fand es, sie beobachteten Das deutlich, ganz in der Ordnung, dem hof seinen Reconvalescenten, den Prinzen Egon von Hohenberg, vorzustellen ... Wie erstaunten sie, als die ganze Suite näher trat und Egon förmlich von ihr umringt war. Der einzige, der Intendant von Harder, blieb zurück und wandte ihnen das volle Antlitz zu, auf welchem die glänzendste Genugtuung ausgesprochen lag, dass diese natur, diese Terrasse, diese Aussicht hier gleichsam doch nur für sein eigenes Werk gelten durfte! Bäume, Blumen, Weg und Steg, das Alles beherrschte die Excellenz mit einem blick, als wären sie die Bundesgenossen seiner gewaltigen Kraft und die dienenden Stützen seines auf Tatsachen sich gründenden Einflusses. Die andern Cavaliere, ja, die hatten hier gut zusehen, die mochten sich ärgern, wie er heute in seinem Lüstre glänzte! Wo hatten diese Kammerherren eine Terrasse, eine Aussicht, einen Park wie diesen den königlichen Herrschaften zum Genusse anzubieten? Henning von Harder hatte dieses Schloss zwar nicht gebaut, diese Orangenbäume nicht gepflanzt, dieses Gitter so zu sagen war alt und die Hecken nicht mehr im neuesten Geschmack, aber es war doch Alles grün, die Luft war doch blau, die Wege waren doch buschig und schön geharkt, die Vögel zwitscherten, die sich senkende Sonne blitzte so golden; nun ... das mache einmal Einer von Euch Kammerherren mir dem Geheimrat und Intendanten von Harder nach! Wenn ein Ball am hof ist, nun wohl, dann mag der Intendant der Musik stolz sein! Wenn man auf die Jagd geht, tummle sich der Oberjägermeister! Aber hier, hier herrscht die Excellenz Kurt Henning Detlev von Harder zu Hardenstein! Hier darf ich allein, ich ganz allein die Mücken verjagen und auch die neue freilich von meinem Inspektor Mangold erfundene Metode auseinandersetzen, die Mücken durch feine Luftspritzungen und kaum sichtbare Staubregengüsse zu tilgen!

Dankmar, der vom Geheimrat, der ein ungemein kurzes Gedächtniss hatte und jetzt nur ganz in der lauschenden Aufmerksamkeit auf die Herrschaften lebte, nicht wieder erkannt wurde, traute seinen Augen kaum, als die Suite sich plötzlich mit Egon und dem Sanitätsrat Drommeldei nach der Schlossterrasse zurückbegab.

Was ist Das? raunte ihm Louis zu.

Man entführt ihn förmlich! sagte Dankmar.

Sehen Sie, wie freundlich die Königin mit ihm spricht!

Und die Oberhofmeisterin mit dem Sanitätsrat ...

O mein Herr, sagte Louis Armand, ich ahne ...

Eine Verabredung? Es scheint fast so. Aber was könnte man mit ihm vorhaben?

Dieser Arzt hat ein leichtes Gewissen, sagte Louis. Ich muss ihm dankbar sein für Egon's Wiederherstellung, aber seit einigen Tagen zeigt er ein Lächeln, so frivol, er gefällt sich in Scherzen, so leicht, er debütirt Anekdoten, so veraltet ... o wenn doch diese Ärzte sich nur um uns bekümmern wollten, wenn wir krank sind, und uns nicht auch sagen wollten, auf welche Art man gesund sein müsse!

Das ist eine Bemerkung, antwortete Dankmar lachend, deren nähere Erörterung uns für den Ärger trösten muss, dass man uns armselige Geschöpfe hier so ohne Weiteres allein stehen liess. Ich bin begierig, was uns Egon von dieser sonderbaren Überraschung erzählen wird. Einstweilen gehen wir!

Die Suite mit Egon war im schloss verschwunden. Paulowna und Rurik sprangen herbei und fassten Dankmar's Hand, um sich von ihm führen zu lassen. Dieser gab Egon's Bedienten die Weisung, sie sollten dem Fürsten, wenn er wiederkäme, als gemeinschaftliches Rendezvous das Ausgangsportal des Gartens bezeichnen.

Als Dankmar und Louis mit den Kindern den Weg einschlugen, wo sie hoffen konnten, Siegbert und Olga wiederzufinden, geschah ihnen eine seltsame Begegnung.

Ein sonderbares Paar, das sich in dem Eifer, die königlichen Herrschaften zu sehen, verspätet zu haben schien, rannte, man kann wohl sagen wie besessen, auf sie zu ...

Voran, keuchend, glühend vor Erhitzung, eine elegante dicke kleine Frau mit ceriserotem Shawl. Hinter ihr in gemesseneren, aber doch ebenso beflügelten Schritten ein junges Mädchen mit langen blonden Locken und einer von den Landesfarben gemischten Toilette.

Dankmar kannte beide Damen nicht, aber die Kinder sagten, sie hätten unten am Teiche, wo die Schwäne wären, schon mit Siegbert und Olga gesprochen und sie kennten sie Beide wohl, da sie auch zur Mutter kämen. Den Namen wussten die Kinder nicht, sprachen aber von einem grossen wunderschönen buch, das die eine Dame, die so schrecklich lief, einmal mitgebracht und ihnen die darin entaltenen herrlichen Bilder gezeigt hätte. Es wäre ganz in Gold eingebunden gewesen, sagte Rurik und Paulowna fügte noch Sammet und Seide hinzu. Und die herrlichen Bilder! Aber das schönste hätte doch Siegbert gemacht!

Dankmar lächelnd und erfreut über die schöne Parteilichkeit der Liebe, sagte sich:

Sollte Das vielleicht Frau von Trompetta gewesen sein?

Er sah sich noch einmal nach den beiden Damen um. Er konnte noch deutlich bemerken, wie sie an dem von den Lakaien wieder geschlossenen Gitter standen und wahrhaft schmachteten und sich verzweifelnd den Schweiss trockneten und tiefbekümmerte Blicke nach dem schloss hinüberwarfen. Es schien ihnen zuviel entgangen zu sein! Aber auch zuviel! Sie hatten etwas versäumt, was ihnen unwiederbringlich vorkommen musste.

An den lebhaften Gestikulationen mit Egon's Be

dienten sah Dankmar, wie schrecklich Frau von Trompetta, wenn sie es war, unter dieser Versäumniss litt. Die