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Papste keine Bestätigung mehr fanden. Es ist dies ganze Wesen der Anfang der Freimaurerei und des Jesuitenordens, der beiden grössten Genossenschaften, die sich in ähnlicher Art in unserer Zeit erhalten haben.

Siegbert bewunderte diese reichen Kenntnisse ...

O, sagte Egon, mein Gedächtniss ist mit vielem alten Wust beschwert und ich freue mich, dass man gelegenheit findet, so etwas manchmal doch an passender Stelle loszuwerden.

Louis behauptete, dass die Gütergemeinschaft von den Aposteln selbst wäre gepredigt worden, musste sich aber gefallen lassen, dass Egon ihm scharf entgegnete.

Mein lieber Freund, sagte er, es ist ein Unterschied, wenn eine kleine christliche Gemeinde, die in der grossen, unermesslichen Römerwelt sich bildete, sich entschliesst, um ein gleiches Interesse und gegenseitige Unterstützung zu haben, zusammenzutreten und aus einem Topf zu essen, als wenn diese unermessliche Römerwelt selbst damals ihr Eigentum hätte zusammenbringen und mit Durchführung der langweiligsten Art zu rechnen und zu leben die Besitzquote des Einzelnen verwalten wollen. Wenn Das Communismus sein soll, dass drei arme Familien sich entschliessen, statt auf drei Heerden Feuer zu machen, es nur an einem zu tun, so bin ich sehr für den Communismus. Und in diesem Sinne bin ich überzeugt, hatten die Brüder vom gemeinsamen Leben einen sehr respektablen Mittagstisch und Tomas a Kempis war ein Communist, der es sich sehr gut konnte schmecken lassen.

Egon, der immer wieder zu der eigentümlichen Sicherheit und unvertilgbaren aristokratischen Haltung emporwuchs, die Dankmarn auf der gemeinschaftlichen Reise nach Hohenberg schon aufgefallen war, gab darauf Louis die Hand und bat ihm seinen Spott ab.

Ich liebe das Volk und die Arbeit, sagte nach einer Pause der unterrichtete, denkgewandte Fürst. Aber die falschen Lehrer sind, um im biblischen Stile zu bleiben, die wahren Versucher, die ihre Teufelsgestalt ablegen, um uns zuzumuten, man könnte ganz Jerusalem gewinnen, wenn man niederfällt und sie anbetet oder sich einbildet, Steine könnten in Brot verwandelt werden ... He! Louis, was grübelst du?

Dass ich morgen anfangen werde zu arbeiten! sagte dieser ruhig.

Und ich werde gleichfalls irgend etwas ergreifen, sagte Egon, um das Recht zu haben, so sprechen zu dürfen.

Siegbert kannte die Gedankengänge seines Bruders und ermunterte ihn, sich doch einem so klaren und unterrichteten kopf, wie diesem jungen Fürsten Egon gegenüber, der ihnen zu einer immer bedeutenderen Erscheinung heranwuchs, über seine idee von einer eigentümlichen Abkürzung unserer Geisteskämpfe auszusprechen.

Mein Bruder, sagte er, beneidet sehr oft die Jesuiten um ihre Organisation. Er behauptet, der Jesuitenorden in seiner Form, aber mit einem edlen Inhalte, könnte die Welt erlösen.

Egon und Louis horchten auf.

Ich meine, sagte Dankmar, dass denn doch aus allen Beispielen, die uns unser Freund Egon da von vergangenen Tagen angeführt hat, ein tiefes und altes Bedürfniss der Menschheit sich ergibt, sich von den zufälligen Bedingungen der Existenz, in der ein Jeder leben muss, zu befreien. Wir sind hineingeschleudert in diese Welt ohne Schutz, ohne Führer. Wir müssen ringen, auf eigene Hand unsern Anteil an, ich will nicht sagen Glück und Lebensfreude, sondern nur an der Möglichkeit zu existiren, zu gewinnen. Wir sind wie hungrige wilde Tiere, fallen ohne Schonung über die Beute her, die wir erreichen können und mässigen uns nur durch jenes Quantum von Religion, Sittlichkeit, Gewissenhaftigkeit und gemütlichem Temperamente, das wir entweder schon bei unserer Geburt mitbekommen haben oder in der Luft, in die wir versetzt wurden, gewinnen konnten. Ein Mensch zu sein, ist das grosse allgemeine Band, das uns umschliesst; aber gewährt uns dieses Menschentum irgend einen andern Vorteil als den der Race, den der veredelten Potenz des Tieres? Wo hab' ich denn Brüder, die stolz sind, in mir sich selber wiederzufinden? Wo liegt denn irgend eine Bürgschaft, dass wir die grossen Zwecke des Lebens auf die einfachste, sicherste, kürzeste und glückliche Weise erreichen? Da ist es nicht zu verwundern, dass die Menschen zu allen zeiten gedacht haben, sie müssten sich durch Verabredung und Gesinnung noch in eine zweite moralische Welt einkaufen, die enger, umgrenzter ist als die grosse sichtbare, aber die Ihrigen auch liebevoller und wärmer hegt und beschützt. Die Religion, das Christentum vor allen Dingen, sollte einst diese zweite Welt sein, wo wir als Glieder einer unsichtbaren Kirche uns zu lieben haben. Aber die unsichtbare Kirche wurde leider zu früh eine sichtbare und ihr grosser Bau wurde wieder die Welt selbst, die Niemanden schützt. Es sonderten sich nun Stiftungen, Klöster, Orden von ihr ab; Confessionen zerbröckelten diesen riesigen Tempel. Er ist Denen nur noch eine Heimat, die irgendwo einen kleinen von verfallenen Säulenschaften eingefriedigten, mit dunklem Gebüsch überwucherten Seitenhof in ihm finden, wo sie in ihrer Weise Christen sind und im Abendschimmer, von Nachtgevögel erschreckt, zu dem Geist, der in diesen Trümmern lebte, beten. Der Staat ist kein Bund der Menschheit, die Gesellschaft ist grausam und lieblos, die Fürsten behandeln die Völker wie ererbtes Eigentum, wie ich meinen ererbten Garten behandeln würde, ich säe und ernte auf ihm und lass' ihn mir wohlgefallen.

Das Leben ist eine grosse Gefahr! Wie schützt man sich anders vor ihr, als dass man zusammentritt, sich verabredet und durch gemeinschaftliche Kraft die Kraft des Einzelnen stärkt? Ein jeder Bund dieser Art sollte die Aufgabe haben, einst der Bund der ganzen Menschheit zu werden. Ich sehe keine Möglichkeit, dass die Hebel