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einer grossen silbernen Schüssel hereinbrachte.

Guido Stromer verstummte über den behaglichen Anblick und sah mit erwärmterem Anteil seinen mit Knöchelchen belegten Teller verschwinden und einen neuen an dessen Stelle schweben ...

Heunisch aber hielt seine Gedankenreihe fest und schüttelte den Kopf.

Herr Pfarrer, sagte er, an mir verdienen Sie keine Copulationsgebühren. Nein, da kommt aus Schönau der reiche Bauer Sandrart zu mirDurchlaucht kennen wohl die Namen Ihrer getreuen Untertanen nichtder reiche Bauer Sandrart aus dem Ullagrunde

Sandrart? sagte Egon. Wohl! Wohl! Er ist aus dem Ullagrund und hat einen Sohn, der hier beim Militair steht und vor sechs Wochen zum Sergeanten avancirte.

Heunisch erstaunte über diese genaue Kenntniss der

nächsten Beziehungen seiner Bauern, die er hier bei dem jungen, in der Heimat doch wildfremden jungen Fürsten antraf.

Aber auch Stromer und Louis Armand fanden die

Antwort überraschend.

Das muss ich sagen! rief Heunisch. Da wird Segen

über unser Ländchen kommen

Beim Worte: Ländchen, warf Stromer dem Jäger

einen bedeutenden blick zu, den Egon wohl verstand, aber Heunisch noch nicht.

Recht so, Heunisch! sagte Egon. Ein Ländchen ist

gerade Das, was sich gut übersehen lässt. Aber den Sandrart kenn' ich durch Zufall.

Und den Sohn auch? bemerkte Heunisch gedehnt,

der noch nicht verstanden hatte, was eigentlich der strafende blick des mächtig kauenden Stromer hatte bedeuten sollen ...

Und den Sohn auch! fuhr Egon fort. Ein lieber, hei

terer Gesell! Ja, ja, der Alte hat Batzen; aber der Junge bringt sie ihm auch gewiss an. Ein Glück, dass er Soldat sein muss und unter Raison steht.

Heunisch gab das Grübeln über die blitzenden

Augen des Pfarrers auf und rief voll Verwunderung:

Aber Das muss ich sagen! Grade wie's ist! Nicht um eine Linie vom Schwarzen! Mitten in die Scheibe!

Während selbst Armand aufmerksam war, ob diese Bekanntschaft nicht etwa mit Egon's Rückreise zusammenhing, und er gespannt wartete, ob der Freund sich über jene Reise überhaupt jetzt genauer auslassen würde, fuhr Heunisch fort:

kommt der Sandrart zu mir und sagt: Heunisch, sagt er, ich hab' einen Jungen, Ihr kennt ihn..? Ja, sag' ich, Sandrart, er ist jetzt Sergeant, ich kenn' ihn. Sagt' er drauf: Ihr habt in der Stadt eine Nichte? Meiner Geschwister Kind, sag' ich, Fränzchen Heunisch, Wallstrasse Nr. 14 im hof eine Treppe hoch, links bei Tischler Märtens.

Ohne Heunisch zu stören und den Andern aufzufallen, horchte jetzt Louis, dem der Dialekt des Försters etwas schwer zu verstehen wurde, an dieser Stelle hoch auf. Soviel begriff er, dass hier plötzlich von Franchette Heunisch die Rede war ...

Heunisch fuhr fort:

Nun, Heunisch, sagte Sandrart, ich wünschte, Eure Nichte wäre ein Bischen saubrer als sie ist. Das ist eine Mamsell ... Fahr' ich auf und sage: Sandrart, hier steht der Tisch zwischen uns, redet mir nichts Unebenes von meiner Geschwister Kind. Sie macht Putz, das ist wahr, aber darum ist sie die sauberste person von der Welt, und eine Mamsell werde' ich nie in meine Försterswohnung nehmen, denn Das ist mein Wille, dass sie mir die Wirtschaft führt, wenn es mit der alten Ursula Marzahn zu Ende geht. Nun, sagte Sandrart tückischer kann tückisch sein! Er hat Geld! – nun, Heunisch, sagt' er dann, macht denn nur bald, dass Ihr sie in den Wald hineinnehmt, denn sie läuft jetzt bei Nacht auf die Bälle und hat's auf zweierlei Tuch abgesehen. Mein Sohn Heinrich Sandrart, der Sergeant, will sie heiraten.

Der Eindruck dieser Erzählung auf Louis stieg, ohne dass die Übrigen seine Aufregung bemerkten.

Fränzchen Heunisch, sag' ich, auf die Bälle? Fränzchen Heunisch zweierlei Tuch? Das ist nicht wahr, antwort' ich und schlage auf den Tisch, dass er knackt und die Ursula ihr altes lachen kriegt. Sie ist närrisch die Ursula und lacht, wenn sie sich ängstigt ...

Psychologisch interessant! bemerkte Guido Stromer etwas ungeduldig über die breite Art, wie sich dieser Förster eine fürstliche Audienz fast nur für sich selbst nutzbar machte und dabei die Kenntniss von Namen voraussetzte, die dem Prinzen ja völlig unbekannt sein mussten ...

Ich habe Beweise davon, bemerkte Egon, dass Sandrart grob sein kann ...

Heunisch wurde bei aller Aufregung neugierig, antwortete aber nur:

Ja, ja, er kann's! Er hat Geld!

Fahrt nur fort, Heunisch! erwiderte Egon und bemerkte nichts von der Spannung seines französischen Freundes.

Mein Sandrart aber ärgert mich mit seiner Ballläuferei und dem zweierlei Tuch so, dass ich mich ganz vergesse und das Fränzchen so lobe, dass die alte Ursula immer noch mehr lacht, aber auch nach Feuer, wasser, Erde ruft, um sich begraben zu lassen. Ich höre nicht auf ihre Hexereisie meint es gut mit mir die Alteund sage dem Bauer, was ich von Fränzchen Heunisch denke und was sie mir werden soll, die Stütze und die Pflege meiner alten Tage. Da sagt' er denn, sein Sohn, der Sergeant, der Herr Sergeantder Alte trägt den Kopf höher als der Junge die neuen silbernen Litzender wollte das Fränzchen heiraten und er