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die Bedingungen des Bodens und die Fortschritte der neuen Landwirtschaftsteorieen zur Grundlage seiner Verwaltung zu machen, wird man über den Aufschwung, den Ew.

Durchlaucht Besitzungen nehmen werden, allgemein erstaunen.

O, sagte Heunisch, jetzt ist das Alles bloss noch das erste Buch der Chronika! Von Neujahr an wird Das ganz anders kommen, wenn Ackermann's Maschinen erst da sind!

Ackermann? Ackermann? sprach Egon vor sich hin. Er besann sich jetzt auf Alles, was in diesem Betracht vor seiner Krankheit geschehen war; und Eins trat so lebendig aus dem Andern wie ein plötzlich entwickeltes Nebelbild hervor, dass ihm schwindelte und er Louis statt seiner reden liess, der, ohne zu tun, als wenn Egon über diese Veränderung noch nicht völlig unterrichtet wäre, die näheren Veranlassungen derselben deutlicher angab.

Da hab' ich mich auch, fuhr Heunisch fort, den die freundliche Aufnahme seines Gutsherrn und der Wein ermunterte, gar nicht lange besonnen und Herrn Akkermann gebeten, die zweihundert Louisdors, die er uns selbst ... die ich für Jemanden Anders aufzubewahren und gut anzulegen den Auftrag hatte, ihm anzubieten. Er mochte sie nicht nehmen; aber aus gefälligkeit tat er's und die Zinsen legte er gleich von dem Capital zurück.

So golden geht es jetzt auf meinen Gütern zu? rief Egon mit einem mehr künstlichen als natürlichen Erstaunen. Denn sein Befremden galt jetzt weit mehr seiner nun völlig geweckten Erinnerung, als diesem einzelnen Falle.

Man spricht, fuhr Stromer fort, von Verbesserungen der kultur, von Entdeckung neuer, bisher unbekannt gebliebener Braunkohlenlager, von Entwässerungen und Anderem.

In den Wald, sagte Heunisch, muss eine ganz neue Ordnung kommen. Es tut ihm not, denn noch vor kurzem, als Herr Bartusch schon wieder drei Morgen halbwüchsiges junges Holz schlagen liess, glaubt' ich, dass wir nun bald werden roden, säen und ernten können, wo sonst Buchen und Eichen standen.

Trinkt doch, Heunisch, sagte Egon zu dem gegen Stromer gehalten zaghaften und zurückhaltenden Jäger; erzählt uns, was Euch hergeführt hat. Herr Pfarrer, wirklich, Sie kommen dem Geflügel nicht gut bei, wenn Sie Ihre Handschuhe schonen ...

Egon suchte jede Schranke, die ihn von Stromern trennte, wegzuräumen, freilich aber auch jede, die Stromern von Heunisch trennte. Sie sollten sich als seine Angehörigen, Sendboten von seinen Gütern fühlen. Stromer vermochte nicht, sich ganz naiv und unbefangen in diese Situation hineinzudenken. Er blickte um sich, musterte die Statuen, wog die silbernen Gabeln, mass seine Worte, kurz er wollte den bedeutenden Moment, jetzt mit dem so vielfach abenteuerlich genannten Sohne seiner weiland Gebieterin zusammenzusein, auch in aller Schwere und tatsächlichen Wucht geniessen.

Heunisch merkte, dass er, wenigstens den Pfarrer, störte.

Nachdem er einige Gläser getrunken, beim Geflügel seine Tranchirkunst zuletzt mit den Fingern unterstützt und sich den Mund abgewischt hatte, sagte er aufstehend:

Durchlaucht, es ist doch zuviel, was sich Unsereins hier herausnimmt. Ich glaubte, Das sollte ein Gläschen auf Ihre Gesundheit werden, und nun wird's ordentlich eine Mahlzeit ... und ich vergesse ganz, dass mir's eigentlich gar nicht appetitlich zu Mute sein sollte.

Guido Stromer hob die Augen scharf auf den unbefangenen Waldsohn und schien ihn in der Absicht, sich zu entfernen, bestärken zu wollen.

Habt Ihr einen Verlust gehabt? fragte Egon. Ich hoffe, eine gute Sache hat Euch in die Residenz geführt ...

Nein, Durchlaucht! antwortete Heunisch, verbesserte sich aber sogleich und sagte:

Das heisst, wenn ich wegen unsers jungen, schönen Herrn gekommen wäre, aber, glauben Sie's nicht, Durchlaucht ...

Was soll ich nicht glauben?

Dass ich wegen Ihrer und von wegen der Nachfrage nach Ihrem Befinden hergekommen bin.

Sehr naiv! bemerkte Guido Stromer halb für sich mit einem vertraulichen Blinzeln auf Egon und Louis, da Beide lachen mussten.

Nun warum! Es wäre doch eine Lüge! sagte der ehrliche Förster. Der Herr Pfarrer sind vielleicht deshalb hier, der Justizdirector von Zeisel und die gnädige Frau Justizdirectorin sind bestimmt auch deswegen hier ...

Auch Herr von Zeisel ist hier? fragte Egon lächelnd und seines Verhörs, noch mehr seiner wohnung im Turme gedenkend.

Wird bald aufzuwarten die Ehre haben! fügte Stromer bei.

Sehen Sie Durchlaucht! fuhr Heunisch fort, dem der Wein etwas in den Kopf gestiegen schien und der deshalb nun ernstlich sich zum Gehen entschloss. Das war ein Stich vom Herrn Pfarrer, der soviel sagen sollte als: Heunisch, macht, dass Ihr Euch Eurer Wege schert!

Heunisch verriet, dass er, wie alle Naturmenschen, angetrunken, etwas händelsüchtig wurde ...

Bewahre, bester Freund, versicherte ihn Egon. Herr Pfarrer freut sich wie ich, dass ich mich einmal im Schoosse der Meinigen fühlen kann. Kann ich Euch nur in Etwas dienen, Heunisch? Wie lange bleibt Ihr? Sucht Ihr hier Etwas?

Ich wünscht', es könnte mir Einer helfen! meinte Heunisch und kraute sich in den Haaren. Aber ... Frauenzimmertücke! ...

Eine weibliche Angelegenheit also?

Herr Heunisch, sagte Guido Stromer, der diese Fährte als die rechte vermutete. Es wäre Zeit, dass Sie dem Junggesellenstande entsagten ...

Wandstabler, der Haushofmeister, leitete inzwischen einen zweiten gang des Frühstücks ein, indem er gewissermassen die Honneurs einer Omelette aux confitures machte, die man eben in