dem arzt losgemacht.
Aber der Gehorsam eines Genesenden hinderte ihn. Der Arzt hatte schon den Puls in der Hand und behauptete, dass Egon zu lange im Garten verweilt hätte. Er müsste hinauf ...
Nein, nein, sagte Egon, es ist nur eine augenblickliche Aufregung ... und so wollte er zu dem Eingang des Pavillons hin.
Der Arzt hielt ihn aber sehr entschieden zurück und sagte:
Ich statuire keine Aufregungen. Sie bleiben hübsch an meiner Seite, Durchlaucht!
Damit fasste er Egon's Arm und lenkte in eine Allee des kleinen Parkes ein, die der Tür, die zum hof führte, zunächst lag.
Er machte mancherlei Vorschriften und endete damit, dass er sagte:
Unter diesen Bäumen ist es zu schwül und unter den Blumen dort lauern noch immer die bösen Geister des Fiebers. Sie müssen sich an frischer reiner Waldluft stärken. Ich schreibe Ihnen für heute Folgendes vor: Nachmittag vier Uhr nehmen Ew. Durchlaucht einen Wagen und fahren mit Herrn Louis und sonst einem Freunde auf das königliche Schloss Solitüde. Dort kommen Sie um punkt dreiviertel auf fünf, ich sage punkt dreiviertel fünf – der Sonne wegen – an, steigen aus, durchwandern die noch sonnenwarmen Boskette, einige Gänge des Parks und setzen sich auf dem kleinen Hügel, wo man die berühmte Aussicht auf die Felder und den dort so mächtig sich ausdehnenden Fluss geniesst, eine Viertelstunde in der Sonne nieder; dann lassen Sie den Wagen an der Südpforte vorfahren, sind mit fünfzig Schritten wieder auf Ihren Polstern und kommen einige Minuten nach sechs Uhr wieder in Ihrem Zimmer an, wo Sie sich etwas vorlesen lassen, eine Suppe essen und um acht Uhr zu Bett gehen. Wird Das befolgt werden?
Egon hatte nur halb zugehört. Er war zu bewegt, zu elektrisirt von dem Gedanken, dass Helene so in der Nähe war, so auf ihn lauschte, so vielleicht in jenem Pavillon auf seinen Anblick gewartet hatte und darüber entschlummert war ...
Louis aber, der aufmerksam zugehört hatte, antwortete statt seiner:
Pünktlich! Herr Sanitätsrat!
Nun begleit' ich Sie auf Ihr Zimmer, sagte Drommeldei, einer kleinen Tisane wegen, die Sie doch noch nehmen sollen und die ich verschreiben muss. Kommen Sie, Durchlaucht! Bald besuch' ich Sie nur, um Ihnen von der Welt zu erzählen und mir von Ihnen Pariser Anekdoten auszubitten.
Mit feiner weltmännischer Gewandteit fasste der diesmal allopatisch gestimmte Arzt den träumenden, erschütterten Egon unterm Arm und führte ihn durch den Hof in die vordere Fronte.
Louis aber folgte in einiger Entfernung.
Zum Pavillon zu gehen und sich in den Cabineten zu überzeugen, ob dort die Gräfin d'Azimont wirklich auf einem Divan schlief, wie er in jenem Spiegel gesehen hatte, dazu konnte' er sich nicht überwinden; aber Doretten Wandstabler, die im hof sich tief knixend vor dem Prinzen verbeugte und nicht ohne Gefallsucht zur Feier der Wiedergenesung des jungen schönen Herrn eine gewählte Toilette gemacht hatte und recht auffällig mit einem ungeheuren Bunde Schlüssel klingelte, Doretten Wandstabler hielt er an und sagte energisch:
Sie haben die Gräfin d'Azimont in den Pavillon gelassen ...?
Vergeben Sie! sagte Dorette schon etwas trotzig. Der Herr Sanitätsrat haben es selbst befohlen.
Wie? Der Arzt wusste ...?
Sie wollte in den Garten stürzen und den Prinzen ....
Ein Arrangement! sagte Louis vor sich hin, voller Entrüstung und die weitern Worte der Beschliesserin überhörend. Dann fragte er laut:
War die Gräfin allein?
Herr Professor begleiteten sie ... hören Sie ihn nicht husten?
Herr Professor? Wer hustet?
Dorette errötete, dass sie von einem mann wie von einem gewöhnlichen Besucher sprach, den sie doch gegen Louis Armand bisher verheimlicht hatte. Jetzt aber, wo der Arzt selbst für das Complot gewonnen war, glaubte sie sich nicht mehr so ängstlich zurückhalten zu müssen und ergänzte ihre Aussage dahin, dass sie den Professor Rafflard meine.
Louis wollte reden; aber Egon sah sich nach ihm um.
Er folgte dem Prinzen, der nun auf Louis gestützt, zum ersten male wieder die grosse Treppe bestieg und mit völliger Abwesenheit des Geistes den materialistischen Auseinandersetzungen zuhörte, mit denen Drommeldei gewohnt war, die Psyche seiner Reconvalescenten neu zu beleben und ihnen die letzte Tisane zu verschreiben.
Egon schritt die grosse Treppe empor. In seinen Erinnerungen setzte sich die Vergangenheit Steinchen an Steinchen wieder musivisch zusammen. Die von der Sonne erhellten Zimmer taten ihm ausserordentlich wohl. Er fühlte sich so kräftig, dass er, als der Sanitätsrat sich empfohlen und die Nachmittagsfahrt nach dem königlichen schloss Solitüde ausdrücklich noch einmal bis auf die kleinsten Punkte eingeschärft hatte, Louis fast im Begriff war, zu bitten, er möchte ihn über den Pavillon, über Helene aufklären, ja wenn es nicht Louis gewesen wäre, der seine Befehle erst an die Diener überbrachte, wer weiss, ob er nicht augenblicklich das Wiedersehen mit einem Wesen gefeiert hätte, das durch eine einzige kurze Phantasmagorie seine ganze Einbildungskraft wieder beherrschte.
Es ist die Gräfin gewesen, sagte ihm Louis aufrichtig. Sie harrte vielleicht des Augenblickes, wo du im Garten dich zeigen solltest und entschlief oder träumte wachend von dem Glück, dir nahe zu sein.
Es war nicht ganz wahr, als Egon darauf erwiderte:
Ich kann sie noch nicht sehen. Ich fühle mich noch nicht stark genug, ihre Freude zu ertragen.
Indem fiel sein Auge auf eine in seinem künftigen Arbeitszimmer auf einem grossen grün verhangenen