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Hohenbergischen Familie betreffen. Sie sind der natürliche Anwalt dieser Interessen ...

Sie überraschen mich ...

Wenn eine unberufene Hand ...

Geheimnisse? Ein Bild? Fürchten Sie doch nichts!

Alles! Alles! Auf dies Bild hat im Auftrage der seligen Fürstin Amanda nur Ein Mensch auf Erden die gerechtesten Ansprüche, der ehemalige Erzieher des Prinzen Egon, der frühere Pfarrer Rudhard ...

Pfarrer Rudhard? Ich kenne ihn. Ich weiss, dass er hier ist, mit der Fürstin Wäsämskoi! Aber ich staune ... Der? Welche Ansprüche? Was ist damit?

O Gott! Jede Minute der Verzögerung, jeder Augenblick, wo dies teure Bild in den Händen einer Pauline von Harder ist, kann die Quelle ewigen Leidens für den Prinzen Egon werden ...

Ich zittere. Bester Freund, wie dank' ich Ihnen! Da soll eiligstAber geben Sie mir Aufklärung!

Rudhard soll sie Ihnen geben. Schicken Sie sogleich zu Herrn von Harder, fordern Sie alle Familienbilder zurück! Sie wissen nicht, welcher unsägliche Aufwand von Schalkheit, List und Charakter angewandt wurde, um dahin zu gelangen, wo wir jetzt uns befinden, an der Gefahr, eingestehen zu müssen, dass Alles vergebens war!

So schick' ich sogleich zum Geheimenrat! Warten Sie einen Augenblick!

Schlurck schellte.

Es kam ein Diener seines Bureaus. Er schrieb, während oben die drei Lauscher sich bedeutsam und hoffnungsvoll anlächelten, einige Zeilen an den Geheimenrat, siegelte sie, nachdem er sie Dankmarn hatte lesen lassen. Dieser war, eben so von der verlorenen Nacht, wie von den gewaltigen Eindrücken des Morgens, erschöpft und sass fast abgespannt im Sessel ... Schlurck wurde immer freundlicher und zutunlicher. Seine Geistesgegenwart verliess ihn keinen Augenblick. Als der Diener sich entfernt hatte und Melanie durch die eingetretene Stille und die Erwähnung des Bildes, an dem sie so ernstlich beteiligt war, sich auf eine gemütlichere und wärmere Wendung des Gespräches gefasst machte, begann Schlurck:

Und nun: Ihr gefälliges Zweitens? Sie sprachen doch von

Zweitens, sagte Dankmar, ich wünschte nun zu wissen, wo ich den nur mir gehörenden, in der wohnung meiner Eltern gefundenen Schrein mit dem Kreuze und seinem wichtigen Inhalte wiederfinde? Wo ist er? Ich muss ihn haben ...

Der Justizrat machte hier eine grosse Pause.

Deutlich hörte man, dass er auf die Dose klopfte und sich zu einem vertraulicheren gespräche rüstete.

Bello war still.

Melanie, die Mutter und Bartusch hielten den Atem zurück.

Lieber Herr Wildungen, sagte Schlurck, erholen Sie sich. Sie haben die Nacht durchwacht. Sie sind erschüttert von den Erlebnissen des Morgens. Ich gestehe, dass ich ungern dem Drängen meiner Clienten nachgab. Sie glauben nicht, wie reizbar über diese Angelegenheit die ganze Commune ist und wie leidenschaftlich sich einige der eifrigsten und hitzigsten Verfechter ihrer Interessen über die Angeroder Archiventdeckung und Ihr, läugnen Sie es nicht, eigenmächtiges Verfahren ausgesprochen haben. Sie frühstückten noch nicht, lieber Herr Wildungen, darf ich–?

Bitte! Bitte!

Ich freue mich wahrhaft, Sie wiederzusehen. Ahnte Das nicht im Heidekrug, als Justus so wohlbehäbig sein dummes Juste-Milieu auftischte und der kecke Handwerksgesell am Fenster schnarchte! Ahnte auch nicht, dass Sie meiner Familie so viel Liebenswürdigkeit erwiesen ... O Herr Justizrat! Sie kehren die Rolle um. Ich bin der verpflichtete teil. Man war sehr liebenswürdig gegen mich. Nein! Meine Frau hat mir nicht genug erzählen können von Ihrer Artigkeit, Ihrer Zuvorkommenheit ... Es ist sehr komisch, ja! Man war höchst charmant gegen mich. Nur Schade, man hielt mich für den Prinzen Egon. Schlurck lachte überlaut. Mein altes Faktotum, sagte er und griff in seine Dose, mein alter Bartusch will immer schlau sein und von dem vielen Ohrenspitzen wachsen die Ohren auch manchmal zu hoch und aus einem Fuchs wird ein Esel. Bartusch zuckte oben, als er diese Anzüglichkeit hören musste, mitleidig die Achseln. Sie verwundete ihn nicht im geringsten, so laut sie auch Schlurck hervorhob, um sie ihm anzuhören zu geben. Schlurck wusste, dass oben gelauscht wurde. Ich hätte schon gestern Ihren Damen meine Aufwartung machen sollen, sagte Dankmar gelassener. Ich bitte, mich bei Ihnen zu entschuldigen. Sie waren sehr gütig gegengegen den Prinzen Egon. Melanie biss sich auf die Lippen, was ihr immer ein sehr leidenschaftliches Ansehen gab.

Essen Sie heute bei mir! Was? Hm? Was? Wollen Sie? schmunzelte der Vater.

Ich danke ... war Dankmar's kalte Antwort.

Meiner Frau haben Sie's angetan, Herr Wildungen ...

und Melanie ... nun, Das werden Sie besser beurteilen können. Sie haben Menschenkenntniss, Mann!

Worin?

Schlurck blinzelte mit den Augen.

Nun, sagte er mit künstlichem lachen, ich versichere Ihnen, meine Frauen sind fast verletzt, dass Sie gestern nicht schon kamen. Ich lebe in zu dürftigem Zusammenhange mit den MeinigenHätt' ich Sie schon gestern wiedergesehen, wie leicht würde man sich verständigt haben! Ihr Feuer, Ihre Offenheit, das sind unwiderstehliche Sieger, die sich den Eingang zu jedem Herzen zu bahnen wissen.

Der Justizrat war dem jungen mann, den er zu seinem Schwiegersohn haben wollte, so nahe gerückt, dass er ihm mit Vertraulichkeit auf die Kniee klopfen konnte.

Dankmar rückte seinen Sessel zurück und stand auf.

Herr Schlurck, sagte er