1850_Gutzkow_030_366.txt

Seele, er wird Sie schadlos halten. Gehen Sie auf die Hausflur hinaus und machen Sie dem Gekläff der Satansbestie ein Ende!

Darauf wurde es still.

Der Justizrat blieb in seinem künstlichen Humor und seiner erzwungenen Selbstbeherrschung.

Das muss ich gestehen! rief er. Sie wissen die Menschen in Angriff zu nehmen. Sie disponiren vortrefflich über mich! Entschädigung für die arme verletzte Seele eines Fuhrmanns! Wenn Sie darauf bestehen? Warum nicht? Ei! Sie gefallen mir ... Bravo! Bravo!

Sie aber, Herr Justizrat! sagte Dankmar mit schwächerer und wenn auch scherzender, doch sehr entschiedener stimme; Sie gefallen mir noch gar nicht. Ich will Ihnen die glücklich bestandene probe eines polizeilichen Entdeckungstalentes in Plessen an einer gewissen Schmiede verzeihen. Was geschieht nun, da Sie hier ankommen? Schickten Sie zu dem rechtmässigen Besitzer Ihres Fundes? Oder hatten Sie den Namen vergessen, den Sie schon in Hohenberg wollen gewusst haben?

In der Tat hatte' ich Das! Ich liess Sie in der Zeitung auffordern, sich zu melden ...

zwölf Stunden vor dem Attentat auf meine wohnung? Die Anzeige sollte eine Falle sein?

Die Anzeige war in der Frühe des gestrigen Tages in die Zeitungsbureaux gesandt worden. Inzwischen kamen von Seiten meiner Vollmachtgeber die ärgsten Anklagen gegen Sie und die erneuerte Nennung Ihres Namens. Sie arbeiteten selbst in diesem Prozess! Sie kannten die geschichte desselben und eignen sich durch Einbruch die Urkunden des alten Tempelhauses an!

Zum Henker, Herr, dies alte Tempelhaus ist die wohnung meiner Eltern gewesen. Welches Gericht will mir verwehren, in meinen eignen vier Pfählen eine hohlklingende Wand zu untersuchen?

Hör' ich da den Juristen sprechen? Unmöglich! Gestehen Sie, dass Sie sich von dem Interesse, das Ihre person, Ihre Familie an diesen Urkunden nehmen muss, haben verleiten lassen, eine unerlaubte Handlung zu begehen!

Meine person? Meine Familie? Was wissen Sie

Glauben Sie, dass ich den Inhalt des Schreines nicht kenne?

Sie haben ihn

Wieder öffnen lassen, wie billig. War ich als Anwalt der Stadt nicht in meinem Rechte? Sie haben wahrscheinlich noch mehr entwandt ... dies Mehr musste bei Ihnen gesucht werden ...

Dankmar schwieg, weil ihm die furchtbarste Aufregung die Worte raubte.

Der Justizrat setzte ruhig hinzu:

Die in Angerode gelegenen Besitztümer der protestantisch gewordenen Johanniter sind eine Dependenz der hiesigen St.-Johanniskirche. Der Schrein mit dem Kreuz gehört zu unserm Archiv und wird in unserm Prozess eine Rolle zu spielen haben.

Das hoff' ich! sagte Dankmar mit grossem Nachdruck. Ich begreife nun vollkommen, dass man mir, einem Hülfsarbeiter dieses Prozesses, zugetraut hat, ich hätte mir eigenmächtige Eingriffe in den gang desselben erlauben wollen ...

So ist es, Herr Referendar ...

Man gibt mir vielleicht Schuld, ich hätte im Interesse des Staates, dem ich diene, gegen die Stadt Etwas unternehmen wollen ...

Sie treffen das Richtige!

Aber Sie haben in den Papieren gelesen?

Geblättert ...

Entdeckten Sie meinen Namen?

Wildungen? Er ist seit dreihundert Jahren oft genug in diesem Prozesse genannt worden.

Fanden Sie nicht Urkunden, die Ihnen auf den ersten Anblick zeigten, dass ich ein sehr begründetes, persönliches Recht für meine Familie an diesen Akten gefunden habe?

Dass ich ... nicht wüsste ... stammelte unentschlossen Schlurck.

Nun, Herr Justizrat, ich hoffe Ihnen noch in Zukunft beweisen zu können, dass ich die entschiedenste Absicht hatte, nichts von meinen Entdeckungen zu unterschlagen, sondern sie zu einer ganz neuen Diversion der grossen Streitfrage zwischen dem Fiskus und der Stadt-Kämmerei, zwischen dem Fürsten und den Bürgern, öffentlich zu benutzen!

Sie überraschen mich ...

Ihr Mistrauen, das Mistrauen Ihrer Clienten hat Sie zu weit geführt. Sie haben geglaubt, noch mehr Eroberungen aus dem Archiv von Angerode bei mir anzutreffen

Allerdings ...

Ich fehlte darin, dass ich wusste, Sie haben meinen Schrein gefunden und nicht gestern schon bei Ihnen vorsprach

Es erweckte Verdacht ...

Nun wohlan! So bitte' ich jetzt um zwei Dinge. Erstens

Nehmen Sie doch Platz! Regen Sie sich doch nicht so auf, mein Verehrtester!

Erstens: Die Diener der hier so sonderbar eiligen Hermandad haben sich ein Bild, ein mir und andern Personen sehr teures Bild angeeignet ...

Das zum Angeroder Archiv gehörte?

Die Dummköpfe müssen Das geglaubt haben ...

Oder Ihre Instruction war zu allgemein. Was ist das für ein Bild?

Ein Bild, das einer person gehört, die Ihnen selbst sehr teuer sein sollte, dem Prinzen Egon von Hohenberg.

Wie kommen Sie ...

Ich brachte es von Hohenberg ...

Ei! ei! Ein Bild! Geheimrat von Harder wird das vermissen. Sie wissen doch, dass ihm die Verlassenschaft der Fürstin Amanda nach der Residenz zu führen aufgetragen war. Doch tut Das nichts. Die Familienportraits, wenn es eins derselben war, bin ich beauftragt, dem Prinzen zurückzustellen.

Der Oberkommissär Pax, bei dem ich eben war, behauptet auch in der Tat, in dem Bilde eine Reclamation des Geheimrats von Harder entdeckt zu haben und schickte es Diesem zur Recognition ...

Es ist der kürzeste Weg, es in meine Hand und dann in die des leider erkrankten Prinzen Egon von Hohenberg zu bringen.

Aber Sie wissen nicht, dass sich an dieses Bild Geheimnisse knüpfen, die das Interesse der ganzen