mir sagt: Ich liebe Ihre Melanie, so sag' ich: Herr, ich wiege Ihnen das Wort mit einer Million auf! Diese Papiere lagen in dem Schrein, den der tolle Bursch sich anzueignen wusste und den ich auffinden sollte. Weiss er sie zu benutzen, Kinder, so bringen sie ihm alle die Güter und Häuser und Liegenschaften, um die jetzt der grosse Process zwischen dem staat schwebt und der Stadt ...
Die Frauen waren im höchsten Grade erstaunt und Schlurck setzte ihnen den Zusammenhang auseinander.
natürlich war die wirkung eine ausserordentliche. Melanie liebte Dankmar als Persönlichkeit, vergab ihm zwar nicht, dass er ein unendlich Geringerer war, als sie vermutet hatte; vergab ihm nicht, dass sie ihm lächerlich erschienen war; vergab ihm nicht, dass er nicht kam und selbst um Verzeihung bat. Sie hätte ihn, aus Wut über sich selbst, mit kaltem Blute "morden" können ... sie sagte das so hin zur Mutter, aber ... glaubte sie es selbst? Es war ein Act von Verzweiflung, wenn sie vorzog, Lasally's Gattin zu werden ... Dankmar hatte das Bild empfangen, der Amerikaner hatte ihr es gestern in diesem haus gesagt, wie pünktlich er ihren stummen Auftrag vollzogen, als sie Hackert's Anblick unfähig machte, es selbst in das offene Zimmer Dankmar's hineinzureichen ... Zerrissen von der Vorstellung, nur misbraucht zu sein, nur getäuscht von den abscheulichen Männern, entrüstet darüber, dass man ihr gestern nicht zu Füssen sank, Niemand sich zeigte und sie wie eine Göttin anbetete, ewig und ewig der schaudervollen Möglichkeit ausgesetzt, von Hackerten gefoltert zu werden, wollte sie, wenn auch verzweifelnd, selbst das Äusserste wagen, um wenigstens von diesem frei zu werden, und Lasally nun erhören, wenn er auf die Bedingung bestand ... aber ihre Liebe gehörte Dankmarn.
Der Justizrat liess sich vollständig über seine Beziehung zu Dankmar Wildungen aus, auch das Bild kam zur Sprache. Die Art, wie Melanie es gewonnen hatte, verbreitete, da sie nichts verschwieg, sogleich wieder die heiterste Stimmung. Als Melanie dabei nicht umhin konnte, errötend zu gestehen, wie sie sich vielleicht entschliessen könnte, ihren Zorn gegen Dankmar Wildungen zu mässigen, wenn ...
Wenn er dir gesteht, dass er dich feurig liebt! unterbrach sie Schlurck. Und dir den Schein des Irrtums ersparte? Den Schein, dich lächerlich gemacht zu haben, als du ihn für einen Prinzen nahmst?
Das wird er nicht! Er wird mich ewig verspotten, sagte Melanie. Ich werde das Gelächter aller jungen Männer der Residenz werden.
Ah bah! antwortete Schlurck. Es kommt auf einen Versuch an. Wie die Dinge jetzt stehen, sind zwei Fälle möglich, entweder dieser Wildungen ist unser Freund oder unser Feind. Ein unternehmender, kecker Mann muss es sein. Kann ich Hand in Hand mit ihm gehen, so wird es einer kurzen Verständigung zur Freundschaft bedürfen. Dem, der um meine Tochter wirbt, Dem, der eingesteht, dass er mein Sohn werden könnte, geb' ich freudig die Mittel an die Hand, eine Million zu erwerben. Hat er aber Melanien's Freundlichkeit nur misbraucht, gehört er zu dem rätselhaften Complot, das sich mit der Zurückkunft des Prinzen Egon von Paris gegen mich zusammenzuziehen scheint, so zeig' ich ihm meine Stirn und einen Ernst, den er schon heute früh kennen gelernt haben wird ...
Man brachte dem Justizrat in diesem Augenblick ein kleines zierliches Billet.
Die Frauen wollten von diesem Kennenlernen seines Ernstes etwas wissen.
Aber Schlurck erbrach das Billet.
Es kam von der Geheimenrätin von Harder und lautete:
"Himmlischer Justizrat! Teuerste Freudesseele! Mit Zittern führe ich die Feder und danke Ihnen aus innigstem Herzen für Ihre Güte! Das Bild ist da und das geheimnis von mir endlich entdeckt. Ich lese – die Memoiren der Fürstin Amanda von Hohenberg! Jeder Nerv meines Daseins zittert. Fühlen Sie es diesen Buchstaben nach, wie ich bebe! Aber auch der Dank meines Herzens ist ohne Schilderung. Sie braver, guter, herrlicher, edler Freund! Um sechs Uhr hatte' ich das Bild! Gott! Welch ein Moment. Das Äussere des Bildes geht zu den übrigen Gerätschaften, die heute noch, mit Ausnahme der Ihnen und dem Prinzen gehörenden Familienportraits, an den Hof abgeliefert werden. Verschweigen Sie Alles Ihrer Tochter, die höchst, höchst liebenswürdig war, Alles bezaubert hat und ein wahrer Engel, das Idol meiner Zärtlichkeit werden soll. Einen Kuss auf diese edle Götterstirn!
Wann sehe' ich Sie? Bester! Bester! Dank! Dank! -Ihre Pauline."
Schlurck, von den Frauen beobachtet, lächelte und runzelte doch wieder die Stirn.
Er fühlte, wie ernst das Alles wurde, wie furchtbar seine Verantwortlichkeit stieg.
Man drängte in ihn, etwas von diesem Brief zu erfahren, seine Geheimnisse zu durchschauen ...
Er wich aus.
Die Geheimrätin ist von deinem erscheinen entzückt! sagte er.
Melanie wollte Das selbst lesen ...
Er bog den Brief um und zeigte ihr die Stelle, die ihr natürlich viel Freude machte.
Und das Übrige? fragte sie.
Geschäftssachen ...
Frau Justizrätin schüttelte den Kopf und seufzte leise.
Es schien ihr fast, als wenn auch hier das stark pulsirende, aber flüchtige Herz des Gatten mit im Spiele wäre. Sie wollte scherzen, aber Bartusch trat ein .