, als du begehrtest? Ist dieser tolle Nachtschmaus, wo man sich vor dem anbrechenden Tageslichte schämen muss, nicht eine Zugabe zu den Juwelen und dem Golde? Ich sah überall in die Logen dieses Saales. Diese kleine, stille, verborgene ist die schönste. Hier sind Spiegel und weiche Polster! Hier duften Blumen und da hängen reizende Bilder! Du hast Fasanen gegessen, Champagner getrunken! Aber du weisst nichts zu würdigen. Im gierigen Genusse schlingst Du Alles hinunter und hast wie die Heisshungrigen erst dann einen Reiz dazu, wenn du es schon verzehrt hast ...
Nun gut! sagte lachend die Frauenstimme. Diesen Fortunaball schenktest du mir auf den zweiten Tag als Zugabe; aber ich will tanzen, tanzen! Ich trinke hier Champagner, esse Eis und verzehre mich vor Gier, hinunter in den Saal zu dürfen. Sieh, Alter! Überall da unten sind meine Tänzer! Sieh den kleinen mit den feurigen Augenerkennst du mich wohl – wenn ich – he Junge! He! He!
Willst du – bleibst du wohl zurück! Tritt nicht leichtsinnig mit Füssen, was ein Freund liebevoll heute über dich häufte – –
Man hörte fast, dass die Hand des männlichen Sprechers die des weiblichen packte und zurückriss ...
So komm mit! Ich will mit dir tanzen; Alter ... mit dir! Ha, ha, ha, Komm –
Lass mich! Schäme dich!
So will ich nur einmal an deinem arme durch den Saal schlendern. Sieh, es ist gleich drei Viertel auf vier. Um vier Uhr hast du den Wagen bestellt. Komm, schlendre mit mir durch den Saal, Brummbär!
Das Alles ist wider die Abrede, antwortete die Männerstimme. Diese Fortunabälle werden sich oft wiederholen. Es werden andere Feste kommen, wenn die Jahreszeit unfreundlicher wird und man die geselligen Vergnügungen sucht. Du hast dann wieder drei Tage des Glücks und der Verschwendung –
Und siebenundzwanzig der Armut und Langenweile, der schrecklichsten Folter. Nein, Männchen, such' dir eine andere Närrin für deine Possen, ich kann arm sein, aber Langeweile haben und nicht – nein! nein!
Und nicht lieben, willst du sagen?
Ich sagt' es nicht!
Und doch ist es Das! Nur Männer, die dich küssen, willst du um dich.
Ich will nicht Männer, die mich küssen ...
Du sagtest mir Das vor vierzehn Tagen, als ich dich im Elend, in der verworfensten Schande antraf, die Tochter eines Mannes, dem ich ewig verpflichtet bin. Hättest du mir gesagt, ich muss lieben, muss küssen und leichtsinnig sein, ich kann die Tugend nicht üben, so hätt' ich für dich gebetet – so aber sagtest du ...
Ich habe nicht gelogen.
Nun denn, wenn du die Freude, das Vergnügen, die Pracht und die Trägheit liebst, warum siehst du nach dem kleinen Schwarzkopf mit den feurigen Augen –?
Er tanzt und du nicht! Komm, wenigstens durch den Saal müssen wir schlendern. Es ist gleich vier.
Wir sind ja nicht gebunden. Die Pferde warten ...
Sie sind um vier Uhr bestellt ...
Andre Wagen warten genug unten.. wir bezahlen beide ...
Das kostet zuviel ...
Was kümmert dich's, ob's an den drei Tagen deines Glückes mich etwas mehr kostet oder weniger?
Hier schwieg die Frauenstimme einen Augenblick.
Ihre heiseren Töne waren plötzlich sanfter geworden.
Mullrich machte Zeichen des grössten Erstaunens und der unglaublichsten Überraschung.
Nun? fragte Kümmerlein flüsternd ...
Da verwett' ich meinen Kopf ...
Worauf denn?
Das ist Nr. 17!
Wo Nr. 17?
Nr. 17 aus unserm haus ... Die Maler-Guste ...
Die nach Hamburg wollte?
Die und Hamburg! Horch ... Wart'! Du sollst uns mit dem alten Spiegel und mit der Bettstelle und dem Waschlavoir-St! Stille!
Die ältere männliche stimme begann wieder:
sonderbar! sagte sie. Schon die ersten drei Tage sorgst du ja für mich, Mädchen! Bedenkst ja meine Kasse! Sieh! Sieh! Wirst ja häuslich, wirtschaftlich ...
Ha, ha, ha, lachte spöttisch das Mädchen, bilde dir nichts ein, Männchen ...
Ich wette, du lernst noch mit der Zeit dich in Manches fügen –
Die Zeit wird dir doch zu lang werden, Alter!
glaube's nicht ...
Wollen wir wetten? Ich wette gern ...
Heute hast du eine Broche, zwei Armbänder, Ohrringe bekommen, ich schenkte dir ein Souper im Fortunaball als freiwillige Zugabe. Eine Wette spar' dir auf deine nächsten drei fetten Tage im September.
Die erleb' ich nicht mehr. In den siebenundzwanzig magern lauf' ich dir davon oder sterbe!
Bedenke, im Februar sind es nur fünfundzwanzig, wo du dich bezähmen und mit mir Erdäpfel essen sollst!
Nie! Nie! Ich gehe nach Hamburg!
Hier sprang Mullrich auf und sagte halblaut für sich:
Satan! Du bist's! Juwelen und Gold und Fasanen und sich malen lassen und mir läss'st du einen zerbrochenen Spiegel, eine lahme Bettstelle und ein Waschlavoir für drei Monate Hausschlüssel und alles Übrige? Kröte du!
Mit diesem kräftigen Worte, das alle seine Empfindungen und auch das systematische Bestreben, reich zu werden, wie Kümmerlein gesagt hatte, ausdrückte, fasste er Kümmerlein