melde – bloss, dass ich diese gottverdammte Schürze und kurze Jacke ablegen darf?
Freier Phaeton, edler Sonnenlenker, tue Das! rief Siegbert, der sonderbarer Weise von dem Tumulte dieses Festes und Dankmar's Reiseerzählung mehr gesteigert war als der nachdenkliche Dankmar, den grade in diesem Tumulte Wehmut und die ernste Mahnung an die Lösung einer grossen Aufgabe, die er sich für eine edlere Welt gestellt hatte, still für sich überfiel.
Wirf sie ab, rief Siegbert und strich das blonde Haar aus dem erhitzten, schönen Antlitz, wirf sie ab die Tracht des dienenden Heloten! Werde wieder Freiherr von der Peitsche, Baron vom Sternenaufblick, Ritter zum Schellengeklingel! Schleudere sie hin den Hitzreuters die Speisekarte, die deines edlen Busens nicht würdig ist, Landsmann! Schatten Margo zu apportiren lasse Denen, die pudelhafter ihre Seele von einem weib verkaufen lassen! Pegasus im Joche, schwing' dich in die Lüfte und werde wieder, was du eher warst, ehe du wurdest, was du bist!
Peters machte Dankmarn ein Zeichen, als wollte er sagen, dem Bruder Maler hätte wohl der Schatten Margo ...
Zu viel Licht gegeben? Nein! antwortete Dankmar zur Ehrenrettung seines Bruders; es ist seine wirkliche Überzeugung! Wir bemitleiden dich, Peters! Morgen früh um neun Uhr klingl' ich an Schlurck's Haustür. Wartet da auf mich! Hört Ihr! Wir bringen dann alle unsere Angelegenheiten in's Reine.
Herr Dankmar, wirklich – meinen Sie?
Er ist reich, – er kann sich ohne Kutscher nicht behelfen –
Dann bring' ich aber den Bello auch mit.
Bring' auch den Bello mit! Gegen vier brechen wir auf. Vier Stunden Schlaf ist genug für einen so tollen Tag wie den heutigen, auf den drei Nächte gehören, wenn man die verlornen Ruhestunden wett machen wollte! Wir wollten verdorbenes Volksleben studiren, Schmerzen in uns selber tödten! Für einmal und nicht wieder! Also um neun Uhr –
Mit Bello beim Justizrat!
Abgemacht! Wenn du Anwartschaft auf den Posten bekommst, Peters, trägst du mir den Schrein nach Haus? Nicht wahr? Oder wird er zu schwer auf deinen Schultern drücken ...
Nein! Mein Gewissen erleichtern, sagte Peters fast mit verklärtem blick und sah mit Ungeduld auf die Uhr, die nicht fortrücken wollte und trotzdem, dass schon der lichte Sommertag durch die Fenster graute, auf halb vier Uhr stand ...
Die Zahl der tanzenden Paare hatte sich sehr gelichtet. Kümmerlein und Mullrich gähnten und schliefen halb und halb wieder auf ihren Stühlen ein ...
Kaum mochten sie zehn Minuten "gedämmert" haben, als bei dem geringeren Toben der Menge es Mullrichen war, als wenn er an der Wand, die die Sternwarte von einer kleinen Loge dicht neben ihr trennte, ein Gespräch hörte, das laut, ja zankend war ...
Sich sammelnd und aufrichtend horchte er und hörte leider nur den wilden Galopp, den jedoch kaum noch dreissig Paare tanzten. Er hätte sich gern umgebeugt und in die Loge eingesehen, allein der kluge Erbauer des Fortunasaales hatte es so eingerichtet, dass Niemand aus einer Loge in die andere lauschen konnte. Sehr geschmackvolle Stukkaturen und Bronzearbeiten waren an den Verbindungswänden zur Zierde des Saales angebracht. Man hätte sich weit über die Brüstung lehnen müssen, wenn man um die Karyatiden herumsehen wollte, die die Logen von einander trennten. Von der vollends etwas zurückgebauten "Sternwarte" war dies mit der zunächst anstossenden sehr kleinen Loge durchaus nicht möglich.
Kaum hatte sich Mullrich wieder an die Verbindungswand gelehnt, als er ein jetzt plötzlich gar lautes und aufgeregtes Gespräch zu hören glaubte, jedoch nur von zwei streitenden Personen.
Er weckte Kümmerlein und machte, als sich dieser gesammelt hatte, ihm Gebehrden, auf die Wand zu merken.
Was ist denn? fragte dieser.
hören Sie nur! Hier!
Beide legten ihr Ohr an die Verbindungswand, die die Sternwarte von der kleinen, ganz unbeachteten Loge trennte.
Was sie vernahmen, war ein grämliches Zanken zwischen einem wie es schien älteren mann und einer jüngeren aber heiseren und tiefliegenden Frauenstimme.
Schweig, Maulwurf! sagte die Frauenstimme, was hab' ich von dem Glanz, wenn ich ihn nicht zeigen darf?
Eine fast grunzende, mürrische stimme grämelte irgend etwas dagegen, was man nicht verstehen konnte.
Gold und Juwelen, fuhr die Frauenstimme maliciös fort, und in einem Käfig sitzen? Nein, lieber wasser und Brot, aber Polka tanzen! Ich hab's satt – morgen gehst du oder ich.
Die stimme des Alten murmelte oder brummte wieder etwas Unverständliches.
Fünf Tage, nicht drei! sagte die Frauenstimme, hörst du? Fünf, nicht drei! Dann tu' ichs! Was sind drei Tage? Oder nimm drei Tage, aber zwischen jedem einen von deinen mageren Tagen dazwischen? Hörst du? Nicht drei fette Tage hinter einander –
Hintereinander! war die jetzt verständliche, deutliche, entschiedene Antwort des alten Mannes.
Dann bleiben wir nicht zusammen, fuhr die Frauenstimme zornig fort. drei Tage im Monate, hast du mir versprochen, mir so zu schenken, dass ich alle meine Vergnügungen und Wünsche befriedigen kann. Nun ja; ich habe gestern prächtige seidne Kleider bekommen, heute Juwelen und Gold und morgen soll ich mein wahres, mein echtes Bild haben, das ich wirklich bin und keine Andere ...
Und gab ich heute nicht schon mehr? sagte jetzt deutlicher und mit gehobener stimme der Mann