, ein Alter? Sowie der da!
Damit zeigte sie in den gegenüberstehenden Spiegel ....
Man wandte sich teils um, teils zum Spiegel hin und bemerkte einen schleichenden hüstelnden Herrn mit einer grossen Nase und einem dicken schwarzen Schnurrbart, in dem wir die grüne Brille wieder erkennen.
Schon lange hatte sie lauernd den runden Tisch umschlichen und lüsterne Blicke zu dem demaskirten allerliebsten und rosig strahlenden Fränzchen hinüber geworfen. Seine Zudringlichkeiten schienen aber so allgemein gewesen zu sein, dass auch Jeannette schon die grüne Brille kannte.
Guten Abend! sagte ein Unisono des ganzen Tisches fast höhnisch zu dem indiskreten Lauscher.
Als dieser erschreckend merkte, dass er Gegenstand der Aufmerksamkeit eines ganzen Tisches wurde, entschlüpfte er mit aalglatter Behendigkeit und nahm das allgemeine ihn verfolgende Gelächter für eine Warnung, sich solchen Gesellschaften sobald nicht wieder zu nähern.
Sandrart schenkte aufs neue die letzten Reste seines Excesses ein und rief:
Also der alte Franzose klingelte ....
Nein, nein, sagte Fränzchen Heunisch, nicht der!
Ein Andrer –? fiel der Sergeant ein und rückte näher und legte ermutigt den Arm auf die Stuhllehne Fränzchens, indem er ihr weingerötet in die braunen brennenden Augen sah.
Genug, genug! unterbrach ihn Jeannette, die schon merkte, dass der Sergeant mit Fränzchens Verhältnissen völlig unbekannt war und vielleicht nicht einmal wusste, wo sie wohnte; es klingelte also Wallstrasse Nr. 14, wo ich künftig auch wohnen werde ...
Du? fragte Fränzchen, erstaunt über diese scharfbetonten Worte.
Ja, Fränzchen, antwortete Jeannette, ich werde gelegenheit nehmen, so lange bei meiner Freundin Franziska Heunisch, Wallstrasse Nr. 14 zu wohnen, bis meine Angelegenheiten geordnet sind –
Diese Erklärung, in scharfen Worten vorgetragen, erregte allgemeines Erstaunen und bei Niemandem mehr als bei Fränzchen ...
Dein Zimmer ist klein, – schadet nichts – ein Bett stellt sich schon noch hin und –
Aber Jeannette ...
Mein voller Ernst ... ich spreche mit den Märtens Wallstrasse Nr. 14 ...
Fränzchen konnte sich nicht fassen, so überrumpelte sie dieses verschmitzte Mädchen, dem sie sich von früher gewohnt war, gehorsam unterzuordnen.
Aber die Rote! Die Rote! hiess es. Wer ist's?
Sandrart merkte sich, mit einem dankbaren blick auf die wilde Jeannette, die Adresse des Mädchens, in das er wie verloren war und dem zu Liebe er, ein wohlhabender Bauernsohn, zu rechnen anfing, ob er wohl noch zwei Taler aus dem Unterfutter hervorziehen sollte ... Die Menschen sprechen vom Verschwenden! Die Gerechtigkeit zwingt uns aber einzugestehen, dass sich alle Dinge in der Welt, selbst die bösen, nicht immer sogleich ganz böse machen.
Ja, sagte Fränzchen kleinlaut über die schreckliche Aussicht, an diese Jeannette in ihrer bisherigen bescheidenen Existenz geknüpft zu werden, ja es klingelte. Ich dachte, es wäre – unser Mieter. Ich ziehe mich an und gehe hinunter. Wen find' ich? Eine Freundin, die ich nicht nennen kann. Sie machte sonst Putz mit mir auf dem alten Markt bei der Florentine. Franziska, du musst mit mir auf den Fortunaball gehen, rief sie. Komm nur! Komm nur! Ich weiss, du kannst helfen. Damit zog sie mich durch den Hof, an der Werkstatt vorbei, in mein Kämmerchen hinauf, das sehr eng ist, sehr eng, liebe Jeannette –
O man richtet sich ein – ich will nur bei soliden Leuten wohnen. Wallstrasse Nr. 14, im hof zwei Treppen hoch!
Damit sah Jeannette wieder Sandrarten scharf an -dieser nickte glühend, er hatte schon dem Kellner zugeflüstert, eine zweite Flasche zu bringen; Fränzchen fuhr fort:
Wie wir oben waren, weinte sie und jammerte. Sie müsse auf den Fortunaball, schrie sie. Sie müsse wegen eines Menschen da sein, der ...
Wegen Hackert? fragten Einige durcheinander, die am Tische sassen und immer noch an fräulein Melanie dachten.
Fränzchen, Fränzchen, halt' dich an die Wahrheit, sagte Jeannette, es war Melanie – Neumann weiss es ganz genau! Neumann war im hof und fand da etwas nicht in Ordnung. Der Torweg ging einmal leise von innen auf. Es schlich sich Jemand vom hof fort ....
Jeannette! Schäme dich! rief Fränzchen; das vornehme fräulein! Abscheulich! Wie kann man so verleumden!
Hm! hm! hm! ... sagte Jeannette mit Bosheit. Sie ist jetzt verschwunden die Rote, seit sie mich entdeckt hat.
Nein, fuhr Fränzchen entrüstet fort, meine Freundin heisst Louise und Der, den sie suchte, den kenn' ich nicht. Fränzchen, sagte sie, ich bin arm und du bist es, wir haben keine Kleider, um auf den Fortunaball zu gehen. Aber unsre Armut kommt auch daher, dass Die, die von uns leben, uns nicht bezahlen. Ich wusste, dass du diese kostbaren Kleider für die Florentine nähst. Ich sah selbst, dass Florentine sie dir zum Besetzen einhändigte, als ich bei ihr war und das aufgeblasene, abscheuliche Weib, die mit fremdem Gelde ein Geschäft etablirt, um die mir nun seit drei Jahren schuldigen fünfzehn Taler mahnte. Sie zahlt nie. Diese Kleider sind für den Verkauf in ihrem Laden bestimmt. Ich verlange sie von dir! Hier ist Florentinen's Schuldschein und nun Mut, Franziska, mein ist dieser rote und dein ist dieser blaue Anzug!
Bravo! rief