, aber bei seinem schlanken Wuchse doch unverhältnissmässig hohe Schultern hatte. Muss ja so lange für den Eisold einstehen, bis sein Karl heran ist und die Stelle des Vaters einnehmen kann ...
Braves Haus, das Ihr seid, Danebrand! fiel Leidenfrost ein und wandte sich zu Ackermann, der zuhörte. Dieser gute Danebrand, sagte er so laut, dass Danebrand es hören konnte, ein Schleswiger, wie Sie nach seiner sanften, flötenden Lispelsprache vernommen haben werden, dieser brave Junge mit dem Simsonskörper und dem zarten Stimmchen, das ihm auch in seinen zu hohen Schultern sitzen geblieben scheint, ist die Menschenliebe selbst. Er arbeitet erstens für sich und Das muss nicht wenig sein, wenn Sie bedenken, dass Freund Danebrand einem schleswigschen Stiere den Appetit streitig macht. Zweitens arbeitet er noch in Gemeinschaft mit einem jungen Lehrling, Namens Eisold, so viel, als früher zusammen der verstorbene Vater des jungen Eisold allein arbeitete.
Warum tut er Das? fragte Ackermann freundlich zu Danebrand hinüber blickend.
Weil er dem jungen Eisold die Stelle des Vaters offen halten will, bis er sie allein ausfüllen kann. Arbeitete er nicht für den toten Vater mit, so würde man schon jetzt die Stelle des Verstorbenen besetzen. Das wird vielleicht Eure Schultern schmaler machen, Danebrand! Ihr werdet viel schanzen müssen.
Alberti und Heusrück lachten. Danebrand aber streckte sich auf die Matratze an der Erde und sagte, den riesenhaften, blondhaarigen Kopf zur Ruhe auf die arme legend, die, wie die ganze Gestalt mit Russ und Dampf geschwärzt waren – auch das Gesicht liess sich vor Kohlenschwärze nicht erkennen –:
Was wird der Herr von mir denken? Er wird mich für einen Narren halten, wenn Sie ihm nicht sagen, warum ich Das für den Karl Eisold tue?
Nun, weil er sechs Geschwister hat! antwortete Leidenfrost, der von den Verhältnissen dieser Arbeiter wie ihr Freund unterrichtet war.
Liebe Zeit, sagte Danebrand, es gibt der Arbeiter, die an der Cholera gestorben sind und sieben Kinder hinterliessen, die nun betteln müssen, genug ...
Aber es gibt gewiss nur einen Danebrand! sagte Akkermann, den die Bescheidenheit des misgestalteten Feuerarbeiters rührte.
O Herr, antwortete dieser mit seinem spitzen schleswigschen Stimmchen, ablehnend, das ist ja ganz natürlich. Das war vor andertalb Jahren, als ein grosses Dampf-Pochwerk probirt werden sollte. Die Maschine ist schon im Gange und ich weiss es nicht ... Der Dampf steigt aus dem Kessel und das Ding fängt zu arbeiten an, ehe ich mir's versehe. Donner! ich liege unten an den Stempeln und will sie bloss nur noch blanker putzen. Jesus! schreien die Leute, Danebrand! Schon neigt sich von oben der furchtbare Hammer von zwanzig Pferdekraft nieder – so muss einem Menschen zu Mute sein, über dem ein Berg zusammenbricht – Alle schreien und nur Einer springt hinzu und reisst das Ventil auf. Zischend fährt der Dampf heraus wie ein Ungewitter: der Hammer bleibt an der Spitze meiner Haare stehen und der Arbeiter, der das Ventil aufgerissen hatte, war selbst dabei gefallen und hatte sich eine Sehne zerrissen, dass er sechs Wochen nicht gehen konnte. Das war Eisold, der vor soviel Monaten mit seiner Frau an der Cholera gestorben ist. So arbeit' ich nun so lange für ihn mit, bis sein Karl so weit ist wie der Vater ...
Gott segne Sie für diese dankbare Aufopferung! sagte Ackermann gerührt und zu Leidenfrost's Freude, dem der wohltuende Eindruck, den die Erzählung auf den Fremden machte, gefiel. Doch war er zu sehr Humorist, um eine Rührung zu lange andauern zu lassen. Er wandte die Sache gleich in's Scherzhafte und sagte:
Wetter, wenn der Danebrand sich immer so weiss waschen könnte, wie er's eben getan hat und sein Barbier ihn rasirte, auf dem Fortunaball liefen ihm alle Mädchen nach. Die Wahrheit hat er erzählt. Der Hammer war eben im Begriff, ihm von den Schultern das grosse Stück herunterzuklopfen, das er zuviel hat. Aber geflunkert hat er doch! Was Heusrück, Alberti, hat er nicht geflunkert?
Freilich hat er geflunkert, sagte Heusrück. Er hat was ausgelassen ...
Was hat er denn ausgelassen? fragte Ackermann mit freundlicher Teilnahme.
Dass er seit Eisold's zerrissener Sehne in seine Tochter bis über die Ohren verliebt ist; ergänzte Alberti.
Danebrand brummte etwas und warf sich auf die andere Seite.
Ist es nicht wahr, Danebrand? rief Leidenfrost. Jetzt tut er, als wenn er schlafen wollte. Danebrand, ein Glas Wein! Hier auf Louise Eisold! Was! Was? Tut Ihr nicht Bescheid auf Louise Eisold?
Indem hatte Leidenfrost eingeschenkt.
Als Danebrand zögerte, trank Alberti das Glas.
Als es Leidenfrost noch einmal gefüllt hatte und Danebrand wieder zögerte, trank es Heusrück ...
Und als Danebrand auch das dritte Glas ausschlug, war Leidenfrosten fast der Mut entsunken, ihn zu fragen, was er gegen Louise Eisold hätte?
Danebrand schien so verdriesslich, so missmutig über diese Erinnerung, dass er aufstand und sagte, er müsse drüben noch etwas am Ofen nachsehen.
Damit ging er hinaus.
Als die Andern der gewaltigen, kolossalen Figur, die aber in den Schultern wirklich etwas von einem Buckligen hatte und mit dem ungeheuren kopf tief im Nacken sass, nachsahen, fragte Leidenfrost, was Das denn mit dem Danebrand wäre. Er fänd' ihn überhaupt seit einiger