sonderbarem Blinzeln betrachtete, während er die rechte Hand in die Brusttasche steckte.
Eine lustig daherkommende Gesellschaft, Arm in Arm verschränkt, befreite die grüne Brille zu ihrem Glück von einer unangenehmen ferneren Beaufsichtigung; denn sie mischte sich, wie zu ihnen gehörend, unter die jubelnden Sänger, die auch seinen erwachenden Husten deckten.
Hurrah! riefen diese, ihre Hüte schwenkend und zogen mit kleinen chinesischen Traglampen unter den Bäumen vorüber. Unter ihnen Mädchen, leicht und behend. Hinterher schwerer Tretende in Reitstiefeln, die entweder wirklich ihr übliches Costüme angelassen hatten oder dies nur trugen, um Das zu scheinen, was sie vielleicht nicht waren. Dabei wurden Flaschen, Gläser, Hüte geschwenkt und Lieder halb angestimmt, halb wieder mit rauhen Dissonanzen abgebrochen ...
Oberkommissär Pax fragte eine neben ihm stehende gleichfalls sehr zugeknöpfte person:
Ah! guten Abend. Herr Assessor Müller ... Sehen Sie sich auch dies Treiben an? Wer sind diese?
Der Angeredete, der nicht bloss zum Vergnügen anwesend war, antwortete:
Der sogenannte Jockeiklub!
Aus der Schlossstrasse doch nicht?
Nein, nein, die wirklichen Jockeis, die sich wie ihre Herren auch zu einem Verein gebildet haben.
Die wüsten Bursche – Ich kannte Einige – von Lasally – nicht wahr?
Die mit den kleinen Reitgerten. Eingebildete Schlingel, die sich in ihren kurzen Jacken und Schnüren für schön halten! In Schnurjacken durften sie natürlich nicht kommen: aber Sporen und Reitgerten haben sie doch an den Füssen. Zu tanzen ist ihnen mit Sporen verboten worden. Deshalb lärmen sie hier herum.
Wer mögen nur die eleganten Herren sein, die mit den Wandstablers dort angebunden haben?
Kann ich nicht sagen. Sie sind schon lange mit ihnen im Gespräch ...
Die koketten Mädchen wollen heiraten, deshalb tanzen sie nicht und binden lieber solide Verhältnisse an ...
Müssen sie denn aus dem Hohenberg'schen Palais? fragte der Assessor Müller, der auf der Polizei die ersten Verhöre führte und von Hackert, wie wir uns entsinnen werden, auf der Landstrasse in der Blouse des Prinzen Egon vermutet wurde.
Wenn der Prinz wieder gesund wird, gewiss; sagte Pax. Jede neue Regierung stürzt die Creaturen der alten.
Ich habe die Wandstablers gefragt, der communistische Franzose ist wirklich nur des Prinzen wegen von Paris gekommen ... Wenn der Prinz gesund wird, werden wir schöne Sachen erleben. Der Polizeipräsident schüttelte den Kopf über diese Verbindung ...
Auf Bällen und bei den Arbeitern sieht man den Franzosen noch nicht – darin waren die pariser Berichte falsch.
Angekündigt ist Herr Armand im Maschinenbauverein, sagte der unterrichtete Assessor Müller. Ich glaubte, vorhin ihn sogar hier zu entdecken. Aber es ist ein Andrer. Wer mag nur hinter der grünen Brille stecken?
Es scheint ein Mädchenjäger zu sein. Politik treibt der nicht. Auch passt das Signalement nicht.
Hat man von Nr. 2 noch nichts beobachtet, ein Signalement, das uns durch gesandtschaftliche Vermittelung über England so dringend anempfohlen wurde?
Von der schwarzen Binde? Noch nichts ...
Sie kommt her, – behalten Sie ja das Signalement vor Augen – Kümmerlein und Mullrich auf der Sternwarte sollen alle Tänzer fixiren –
sechs und fünfzig Jahre und noch tanzen, Herr Assessor?
Wer sich so mit Gewalt jung macht? So seine Züge versteckt? So sich an die Weiber hängt? Friseur Schmidt behauptet, er hätte einen kahlen Schädel ...
Begierig bin ich, für wen er beim Juwelier Israëli die vielen Ketten und Brochen gekauft hat!
Ein Engländer ist's nicht und wenn er zehnmal Murray heisst und amerikanische Piaster ausgibt.
Pst, Herr Assessor! treten Sie gefälligst zur Seite! Es kommt da Einer! Mit Dem hab' ich zu sprechen.
Hackert! sagte der Assessor Müller lachend. Angeln Sie immer noch nach ihm? Der Narr soll in Güte kommen, dass man ihn nicht einmal mit Gewalt holt!
Der Assessor entfernte sich und der Oberkommissär trat auf Hackert zu, der in grosser Aufregung suchend, umsichblickend daherkam.
Nun, sagte Pax, wen suchen Sie denn? Ihre Rote? Was ist denn Das für ein Paradiesvogel?
Das frag' ich Sie! So bin ich nie geneckt worden! sagte Hackert atemlos. Mitten im Tanz ist sie von mir fort: dem Soldaten, der mit der Blauen tanzte, ging's ebenso. Der sucht die Blaue, ich die Rote – verdammte Fledermäuse!
Schonen Sie sich, Hackert! Sie lassen einmal recht wieder die Zügel schiessen. Vor zwei Jahren waren Sie durch Ihre Tanzwut der Schwindsucht nahe und noch geb' ich nichts auf Ihre Brust ...
Und doch soll ich schreiben – immer schreiben – das niederträchtigste Metier, das nur für die alten Mönche einmal gepasst hat, die ihren Bäuchen von Herzen die Schwindsucht wünschten!
Und manchmal schliessen Sie sich doch ab, als wollten Sie in's Kloster. Die Welt ist Ihr Schauplatz, aber Sie hören nicht auf die stimme Ihres wahren Berufes.
Ich höre schon, wenn Sie mir nur nicht wieder einen Vater geben, den ich nicht mag –
Und eine Schwester, die Sie heiraten wollen oder schon geheiratet –
Pax! Ich würge Sie ... oder ich rufe nur Ihren Namen noch einmal und alle Observaten schlagen den Oberkommissär nach 12 Uhr selbst tot.
Die Rote ist Melanie, Hackert ... Das erste Mal wär' es nicht, dass Sie fräulein Schlurck tiefmaskirt auf die Bälle führten. Nachts schlief Alles