1850_Gutzkow_030_334.txt

s müssen toll sein. Sie werfen alle Leute zum haus hinaus und bilden sich ein, wenn man auf den Mund fällt, wächst er Einem zu.

Was ist mit Jeannette –?

Der Kutscher Neumann brachte sie her. Sie wütet. Ihr fräulein hat ihr heute Abend vor zwei Stunden den Dienst gekündigt.

Sie tanzt aus Zornich aus Freude! Ein andermal umgekehrt. Es werden mir noch manche folgen.

Reden Sie vernünftig! Diese Jeannette ist bös; und wenn Sie Melanie lieben

Meine Schwester?

Wirklich? Glauben Sie's nun?

Nimmermehr!

Oder ob nichtSie schweigen doch wenigstens. Obgleich Sie viel verrückte Streiche machen, schweigen Sie doch. Ich schätze an Ihnen Ihre Diskretion und Ihre schöne Handschrift, Hackert. Jeannette wird aber nicht schweigen. Sie rast, sie droht ... Das fräulein wäre heute Abend von Harder's nach haus gekommen, hätte getobt und gelärmt, geweint, geschrieen, die hände gerungen, einen Brief geschrieben

An Lasally ...

Sie scheinen das Alles zu wissen?

Dann? Dann? Fahren Sie fort!

Dann wäre sie in's Schlafzimmer gegangen, hätte sich ausgezogen, das Licht eben auslöschen wollen und mit der Lichtputze in der Hand

kennen Sie keinen Geschwindmaler? Ich wünschte, man könnte das Leben stenographiren.

Mit der Lichtputze in der Hand ihr gesagt: Jeannette, deine Plauderei in Hohenberg, dein Zusammenstecken mit Hackert, deine gottlose Zunge mit den Knechten Lasally's, dein Punschtrinken mit den Bedienten der Geheimrätin, deine angeberischen Schändlichkeiten, dass ich den Prinzen Egon von Hohenberg in einem fremden Abenteurer vermutet hätte, alles Das macht dein Mass voll. Morgen früh will ich dich nicht mehr sehen. Damit drängte sie Jeannetten zur Tür hinaus, riegelte zu, löschte das Licht aus ...

Und schläft und träumt ... von ihrem Bruder? Wo ist der Geschwindmaler?

Bester! Sie spotten doch nur! Aber Jeannette ist viel schlimmer als Sie ... die sagt rein heraus ...

Man schneidet ihr die Zunge aus.

Dann spricht sie in Zeichen, die so deutlich sind, dass ...

Man sie würgt ...

Sie, glaube' ich, könnten schneiden und würgen ohne Messer und Stricke, Sie haben den Verstand dazudeshalb komm' ich auf meine Vorschläge zurückwählen Sie sich einen Beruf, zu dem Sie Talent haben

Die Jeannette! Die verlässt auch das Haus?

Die Zeit wird immer verwickelter. Sie braucht Köpfe

Bläst das Licht aus und schläft ...

Sie haben das wunderbare Talent einer Handschrift, in der Ihnen der erste Schreibmeister der Akademie nicht gleichkommt ... Schmelzing ist ein Stümper gegen Sie ...

Bläst das Licht aus und schläft – ...

geben Sie mir die Hand! Schlagen Sie ein! Sie werden von Morgen an, im Einverständniss des Polizeipräsidenten, bei mir ...

Hackert stand wie abwesend, gab die Hand und Pax wollte eben mit seinen Anträgen deutlicher hervortreten, als die grüne Brille die Worte rufen hörte:

Maske vor! Getanzt! Getanzt!

Dieser Ausruf kam nicht von dem Andern, überhaupt nicht von den beiden Sprechern, sondern aus einem dritten und weiblichen mund.

Die grüne Brille hatte sich leise umgedreht und erblickte mit Erstaunen, dass zwischen die beiden Sprecher eben die blaue und die rote Maske gefahren waren.

Die Rote hatte den wenig Widerstrebenden, der auf die Vorschläge des Andern halb schon einging, leidenschaftlich in dem Moment des Handeinschlagens ergriffen und ihn mit den Worten: Getanzt! Getanzt! von der Bank auf- und fortgerissen.

Die kleine Blaue hüpfte nach. Mit einem Fluche war der Andere, der stattliche Herr Oberkommissär, aufgestanden, während die drei wie flatternde Vögel davonschwirrten ...

Hackert, denn dieser war der so plötzlich aus den Schlingen des Oberkommissärs Pax Entführte, Hakkert wusste nicht, wie ihm geschah ...

Die rote elegante Dame war ihm völlig unbekannt. Ebenso wenig wusste er, wer die an seiner linken Hand nachhüpfende Blaue war.

Rasch durchflog er die Reihe seiner Bekanntschaften. Er hatte deren hier unendlich viele. Denn wir sagten schon, dass er zu den leichtsinnigsten jungen Männern gehörte und so wenig ihn sein Äusseres, besonders aber das rötliche Haar empfahl, so unfähig er war, dauernde Verbindungen zu schliessen, so konnte es wohl ein Act alter anhänglichkeit sein, dass ihn hier ein schwärmender Nachtvogel entdeckte und zur Erinnerung alter Stunden zum Tanze, in dem er ein kunstvoller Meister war, entführte.

Dennoch kam er von dieser Vermutung bald zurück.

Der Anzug war so neu, so elegant, der Kopfputz so geschmackvoll und nach eigner idee ausgeführt, die Ähnlichkeit der beiden Damen so auffallend und wie im Einverständnis angelegt, dass er hin- und herriet, aber von seiner Begleiterin immer auf jeden Namen nur ein Kopfschütteln erhalten konnte ...

Es war nicht möglich so rasch in den Saal zu dringen. Er hatte Zeit ein Gespräch anzuknüpfen. Er fragte rechts die Rote, links die Blaue. Mit verstellten Stimmen wichen sie ihm aus und spannten seine Neugier nur immer mehr auf die Folter.

Endlich waren sie im saal und die rote Dame, die sich im blendenden Schein des Gaslichtes nur noch anziehender ausnahm und die grösste Begier erregen musste, ihre schwarze Maske gelüftet zu sehen, trat mit Hackert zum Tanze an. Aber die blaue, die nun allein stand, blieb jetzt auch nicht ohne Tänzer.