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Der zudringliche Ton der lustig und zweideutig hier herumflatternden Wesen war ihnen nicht eigen, doch forderten auch sie heraus. An Verfolgern fehlte es umsoweniger, als ihre Art, sich aneinander zu hängen und ohne zu verweilen bald da, bald dort zu erscheinen, auffallend genug war.
Zum Tanze schienen sie sich erst später entschliessen zu wollen.
Die grüne Brille hatte die Gewohnheit, jedesmal, wenn sie an diesen, durch weisse zierliche Halbmasken noch unkenntlichen Damen vorbeischoss, ein Compliment hinzuwerfen, das immer mit einem gewissen Kichern aufgenommen wurde; ja als eins seiner rasch hinfallenden französischen Worte sogar einmal durch ein: Bon soir, Monsieur! erwidert wurde, wäre er ohne Zweifel in ein näheres Gespräch verwikkelt gewesen, wenn nicht zwei elegante Herren unablässig bemüht gewesen wären, ihn von den beiden Weissmasken zu entfernen.
Auch diese durch grosse Schnurrbärte und Nasen unkenntlich gemachten eleganten Herren hielten sich unter den Armen aneinander fest. Sie waren fein gekleidet, in schwarzen Fracks mit weissen Piquéewesten, weissen Handschuhen, weissen Halsbinden. Man musste sie für gewandte Erscheinungen der Salonwelt halten, hätte ihre Sprechart nicht auf einen geringeren Ursprung hingewiesen.
Wie sich die grüne Brille einige mal durch diese beiden Herren gewaltsam von den beiden Weissmasken abgedrückt fühlte, schlich er diesen vorsichtig nach und hörte auf einem Seitenwege an den Hecken hin, dass die eleganten Männer folgende Worte in gemeinstem Dialekt wechselten:
Sie sind's!
Glaubst du?
Die mit der Rose im Haar ist die ältere –
Doch nicht die älteste –
Bewahre! Die mittlere! Sieh! Sie sehen sich um –
Wenn sie uns erkennen, werden sie nicht mit uns tanzen.
Glaubst du, dass sie so stolz sind?
Um uns zu heiraten, nicht. Aber so für einen Ball sind wir ihnen zu gering.
Man kennt uns nicht. Wir haben die feinste Garderobe ...
Die Ludmer hat's gleich bemerkt, dass wir auf fremde Unkosten hergingen ... Sie wollte uns nachsehen, gut, dass wir ausrissen ...
Mein Frack ist mir doch zu eng ...
Bewahre! Nach der Mode muss er eng sein ...
Nun dann trifft sich's gut, dass der Alte so hager wie eine Spinne ist ...
Wenn er uns hier begegnete!
Es wäre das erste mal nicht, dass ich ihn in seinen eigenen Kleidern foppte! Aber er ist zu müd von seinen Strapazen.
Vom Möbelwagen!
Den hat die schöne Hexe, die Melanie, recht bei der Nase herumgeführt. Wie mag der Satan Das angefangen haben, den alten langen Storch in das Nest zu lokken? Wo Weiber Sprenkel legen, bleiben wir Alle sitzen. Weisst du, was ich vorhin für eine idee hatte? Wegen Punsch? Richtig! Das lust'ge Ding – die Jeannette – Von Schlurck's? Die ist hier – Wo? Wo? Dann sollt' es amüsant werden – Wir suchen sie – Wo sahst du sie –? Wenn sie's ist – ich glaube aber mit Neumann – Neumann ist ihr Bräutigam – Dem plumpen Tolpatsch wird sie hier nicht die Vorderhand geben – die Jeannette stiess und stumpfte ihn zurecht, dass er einen ordentlichen Chapeau machen sollte – Wenn sie's nur war – Ich möchte darauf schwören! Nur ein Bischen fuchswild schien sie – Das kann sie sein. Wahrhaftig! Das ist sie wieder – Hier schienen die beiden jungen Stutzer, deren Incognito wir sehr leicht erkennen, da wir wissen, dass wir die vortrefflichen Bedienten Franz und Ernst aus dem haus der Geheimrätin von Harder in der Garderobe der Excellenz vor uns haben, zu bemerken, dass die grüne, von ihrem astmatischen Husten geplagte Brille sie belauscht hatte. Sie verschwanden in einer Gruppe von Neuankommenden und drängten dem saal zu, wo auch die beiden Weissmasken hin verschwunden waren.
Die grüne Brille war scharfsinnig genug, zu erraten, dass sie sich hier unter dienendem Personale bewegte und schnitt unter ihrer Nase und dem Schnurrbarte einige sardonische Gesichter.
Dennoch musste sie gestehen, dass die Weissmasken etwas Graziöses hatten und eine gewisse herausfordernde Leichtfertigkeit, die ihr zu pikant erschien, um die Verfolgung aufzugeben.
Indem sie sich anschickte, gleichfalls dem saal zuzuschreiten, der eigentlich von der grünen Brille vermieden wurde, hörte sie neben sich die Worte flüstern:
Komm! Komm! Die Weissmasken sind die Wandstablers – die Lore und die Flore! Lass uns fort.
Die grüne Brille wandte sich auf den Namen der Wandstablers um.
Ihr schien dieser Name bekannt zu sein.
Die Wandstablers? verhauchte es auf den fahlen Lippen der schleichenden person, als sie sich umgewandt hatte zu hören, wer ihr diese angenehme Aufklärung gegeben hatte.
Wie erstaunte der hustende Schleicher, als er geradezu das Eleganteste entdeckte, was er bisher auf dem Fortunaball angetroffen hatte!
Zwei leichte, sylphidenartige Gestalten schlüpften behend, wie Elfen im Mondschein, vor ihm her. Sie hatten die Tracht der sogenannten Fledermäuse, aber angewandt vom winterlichen Carneval auf die laue, liebliche Sommernacht.
Die eine grössere weibliche Gestalt war ganz von einem leichten Rosastoff umwallt und hatte eine weisse Kapuze auf. Die andere, ebenfalls mit einer weissen Kapuze, trug die kostbarste Umhüllung von demselben leichten Stoffe in Himmelblau.
Die Kapuzen entstanden aus weissen Überwürfen, die frei und lose bis über den Kopf gezogen waren und nichts von ihm sehen liessen als die maskirte Vorderseite, deren die grüne Brille, so sehr sie sich mühte, nicht ansichtig werden konnte.
Denn die beiden Damen eilten wie