? fragte Kümmerlein.
Pardon! war die Antwort und die Maske mit der grünen Brille huschte rasch wieder in's Dunkel und verschwand mit ihrem etwas röchelnden Husten hinter den büsche.
Pardon? riefen die beiden Collegen ...
Pardon? Das war ja –
Französisch –
Mit'm Azent –
Kommen Sie doch! sagte Kümmerlein, ich glaube, der echappirte auf den Saal zu und überhaupt sollen wir auf Loge Nr. 18 vigiliren. Eine grüne Brille? Merken wir uns Das, Mullrich! Es war ein Franzose!
Mullrich konnte diese Bezeichnung Nr. 18 nicht hören, ohne gleich an die Türen seines Familienhauses zu denken und bei Nr. 18 fiel ihm Nr. 17 ein.
Indem er sich die Möglichkeit dachte, dass diese abgefeimte Nr. 17, die Maler-Guste, doch wohl nicht nach Hamburg gegangen und mit ihrer Schuld an seine Ehegattin leicht auf dem Fortunaball auftauchen konnte, folgte er Kümmerlein, der durch das Gedränge dem saal zu sich Bahn machte und von dem Anblick der Lichter, die aus den Saalfenstern schimmerten und manche Mädchen, die ihn lachend grüssten, so verblendet war, dass er die Spur der grünen Brille bald aus dem Auge verlor und Mullrichen erinnerte, dass sie ja noch das zweite Signalement zu lesen hätten.
Um auf Nr. 18 zu kommen, durfte man jedoch nicht durch den Tanzsaal, auch nicht durch die eleganten Restaurationszimmer gehen, sondern diese kleine Loge war eigends in dem Bauplane des Unternehmers, des Kaufmanns Hitzreuter, von der Polizeibehörde vorgeschrieben worden. Diese kleine versteckte Loge hatte einen eignen Aufgang vom Tunnel aus und machte eine dauernde Beziehung zwischen der Beobachtung des Tanzsaales und der Beobachtung des Tunnels möglich. "Verbotener Eingang" lautete die Aufschrift der Treppe im Tunnel, die zu dieser Loge führte. Es wurde diese kleine Loge Nr. 18 in der kekken Sprache dieser zweideutigen Sphäre die Sternwarte genannt. Hier "vigilirte" man. Von diesem Punkte aus sollten sich heute Mullrich und Kümmerlein eine Übersicht über den Saal erhalten. Da sie in Amtstracht waren, so hatte der kluge Pax wohl nur im Sinn, bei den zweideutigen Besuchern des Fortunaballes die idee zu erwecken, die Beobachtung wäre ganz allein auf die "Sternwarte" beschränkt, während die wahren beobachtenden Füchse gerade da schlichen und witterten, wo man sie am wenigsten vermutete.
Das zweite Signalement zu lesen, war es die höchste Zeit.
Im Tunnel wurde man zuvörderst von einem undurchdringlichen Rauche empfangen. Hier standen drei grünbezogene Billards und einige kindische Glücksspiele, die aber gerade um so besuchter waren, je weniger sie Nachdenken kosteten; denn mit den grossen Geistern haben es die kleinen gemein, dass sie, wenn sie spielen, nicht denken wollen.
Hier im Tunnel wurden die feineren Observanzen der oberen Räume nicht beobachtet. Hier sah man den eigentlichen Stamm der Besucher solcher Festlichkeiten, leichtsinnige, meist junge Geschäftsmenschen, die das Vergnügen lieben. Während oben die im Tanze rasten, die vielleicht erst auf dem Wege zum Verbrechen waren, hielten sich hier unten Manche auf, die, dem arme der Gerechtigkeit schon einmal verfallen, sich zu bessern suchten und einmal gewöhnt an Nachtschwärmerei, hier unten einen Schein bürgerlicher Solidität fanden, in dessen Ausstrahlungen sie den Vigilanten bessergeworden erschienen.
Nun so rasch? rief eine stimme vom Büffet, wo man Getränke verabreichte, den auf die Tür: Verbotener Eingang zuschreitenden scharfsichtigen, spähenden Dreimastern zu.
Sie wandten sich um und traten näher.
Man wich ihnen aus, so besetzt auch das Büffet war. Auf dem Fortunaball fand sich jene Demokratie nicht ein, die im ewigen Hader mit den Dienern der Gerechtigkeit lebte. Mancher scheue, trotzige blick begrüsste sie freilich auch hier; aber Zusammenrottungen, Verhöhnungen äusserer Amtszeichen fanden nicht statt, umsoweniger, als sich der Ex-Kaufmann Hitzreuter als einer jener outrirten Royalisten gebehrdete, die bei jeder gelegenheit sich mit ihrer Gesinnung vordrängten und aus Dankbarkeit, dass man ihm sogar von Seiten des Hofes eine Summe für seinen Bau geliehen hatte, in den Reubund getreten war und mit diesen Fortunafestlichkeiten zuweilen auch patriotische Zwecke verband, überall royalistische Embleme anbrachte, die Landesfarben und die Landeszeichen, und in seinen Räumen auf loyale Ordnung sah.
Ei, Frau Peters, sagte Mullrich, wie kommen Sie denn daher?
Es war Katrine Bollweiler aus Angerode, die Vielgewandte, die Anschlägige.
Ja, sagte die kleine hinter dem Tische Getränke einschenkende und Geld einnehmende Frau, die sich mit unglaublicher Behendigkeit und Naivetät in ihre neue Position zu finden wusste; so sieht man sich wieder, wenn man einmal den Pelikan seit Jahr und Tag nicht besucht hat!
Eben nicht sehr zarte Anmerkungen, die sich Kümmerlein über die geheimen Pelikanzustände hier erlaubte und vielerlei sich daran knüpfende Scherze mögen wir um so mehr unterdrücken, als in diesem Augenblicke Peters herantrat und wieder einen "Schatten Margo" verlangte –
Oben, oben, Männchen, oben! rief die Frau etwas ungeduldig.
Es ist ja für die Türinger – die zweite Fuhre!
Sieh! Sieh! sagte Katrine. Meine Türinger Jungen haben Durst. Kommen sie denn nicht einmal hier herunter?
Statt die Antwort abzuwarten, ging Katrine in die inneren Gemächer des Büffets, wo sie diese ausnahmsweise hier unten effectuirte Bestellung besorgte, weil Peters die Garantie haben wollte, für die beiden jungen Türinger auch das Beste und Unverfälschteste zu bekommen ...
Katrine stieg durch eine kleine Nebentreppe selbst in das obere Büffet hinauf. Sie hatte, so zweideutig uns auch die Stellung dieser runden kleinen Frau erscheinen