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, ein Freiherr der Landstrasse, Besitzer einer sechssträhnigen Peitscheund die Katrine will's?

Das ist wahr! Freiherr war ich! Wenn ich mit meinen Gäulen auf der Landstrasse fuhr, die Dörfer schon von fern mit meiner Peitsche grüsste, wenn der Schmied schielend und prüfend auf meine Räder sah und ich mit dem Schellengeklingel der Pferde, die mit ihren ledernen Kummten ordentlich den Kopf schüttelten und Nichts! sagten, ich auch Nichts! sagte und Alles stolz und solid und im besten Geschirr war

Bis einmal eine Achse brach und ein gewisser Schrein gestohlen wurdefuhr Dankmar humoristisch fort.

Ja, Das war meine letzte Fahrt! Ich wusst' es nicht, aber keine Schraube war mehr in Ordnung: am Wagen nicht und im Kopf nicht. Ich wusste nicht, was ich hinfort nun noch im Leben soll und hätt' ich ahnen können, dass mir mein Gevatter Hitzreuter diese Jacke anziehen würde, wer weiss

Aber bester Freund, sagte Dankmar, Ihr Ehrgeiz ist höchst achtungswert, teilt ihn denn Ihre Frau nicht?

Meine Frau! sagte Peters ergrimmt ... Heute Vormittag wollt' ich Sie ja einmal besuchen ...

Schön! ergänzte Siegbert, die Schievelbein sagte mir's! Es tut uns wahrhaft leidSie haben Kummer und beklagen sich über Ihr Weib. Was ist Das?

Was ist Das? Immer was ist Das? So heisst's immer hinter den zehn Geboten! Die konnte' ich, aber was ist Das? nicht. Ich komme noch zu Ihnen derohalben ... für heute, sagen Sie mir, was Sie anschaffen? Der Rindsbraten soll gut sein und vom französischen Wein sind alle gangbaren Sorten da. Die Namen kann ich nicht lesen, aber wenn Sie recht deutlich Ihre Worte sagen, behalt' ich sie schon

Wohlan! Eine Chateau Margeaux

Schatten Margo ... wiederholte Peters mit grosser Unsicherheit; und RindsbratenWas? Nicht wahr?

Gut behalten ... Peters macht sich!

Bleiben Sie aber ja hierdamit ich mich zurecht finde! Seit den drei Tagen hier in der Fortuna wird meine Grütze im Kopf immer dünner. Das halt' Einer aus hier in dem Sündenspektakel!

Peters ging, schwerfällig wie seine Gäule.

Dankmar musste herzlich lachen, während Siegbert wahrhaftes Mitleid mit dem armen neubackenen Kellner empfand.

Ich hätte nie gedacht, dass dieser Mensch ein solcher Esel ist, sagte Dankmar und doch bin ich nun fast gewiss, dass ihn die durchtriebenen Zeck's in Plessen gefoppt haben.

Du urteilst zu scharf! sagte Siegbert. Solche Menschen haben nur den Verstand, der auf ihrer gewohnten, seit Jahren gefahrenen Strasse liegt. Aus ihrem Beruf heraus, sind sie um alle Besinnung. Ich begreife dies ganze verhältnis im Pelikan nicht.

Es liegt auf der Hand. Dieser alte Ausspänner Hitzreuter hat Geld und gibt seinem Bruder Luftig die Mittel zu einem Etablissement, das besuchter ist als die Strasse nach Angerode. Ich bin überzeugt, die Katrine regiert unten den Tunnel und die Fortuna, wie den Pelikan und benimmt sich dabei geschickter als ihr Mann, dem die Kellnerei eine ungewohnte Sphäre ist. Wenn ich die spitzbübischen Zeck's –

Wer sind denn die Zeck's?

Nun so höre!

Hier begann denn nun Dankmar endlich die Mitteilung des seinem Bruder versprochenen Reiseberichts. Die Behaglichkeit dazu gab die fröhliche Umgebung, der milde Himmel, der Sternenschein, das Flimmern der Lampen, vor allen Dingen aber der Rindsbraten nebst dem "Schatten-Margo", den sich Peters ausdrücklich vom Besten erbeten hatte, weshalb er auch einen halben Talermehr kostete, als die Brüder ihn bestellt hatten.

Eine weitre Anknüpfung des Gesprächs mit dem stillen Dulder in der Kellnerjacke war nicht möglich; denn schon riefen ihn andre Gäste.

Mit einem schmerzlichen Seufzer und einem traurigen blick zum bestirnten Himmel empor, folgte Peters den Pflichten seines neuen Berufes, während die Brüder durch den Wein und die trauliche Mitteilung sich jene behagliche Stimmung nachträglich in der Nacht schufen, die sie sich unter freilich viel comfortableren Verhältnissen für den Mittag vergebens geträumt hatten.

Indem wir sie diesem Austausch uns bekannter Tatsachen überlassen, folgen wir in dem Gewühl der Menschen, die wir gern für unsre Charakteristik festielten, vorläufig nur zwei ganz bescheiden auftretenden Männern, die ohne Masken in das Innere der Gärten auf ihr wohlbekanntes Antlitz freien Eintritt haben. Es sind Dies Kümmerlein und Mullrich, die beiden Diener der Gerechtigkeit.

Neuntes Capitel

Die Signalements

Nun, Das geht ja hoch her! begann Mullrich. Um solchen Heidenspektakel muss Eins aus seiner Nachtruhe heraus! Bekanntes Gesindel wo man hinsieht, und Alles in Sammt und Seide! Gott ist recht langmütig geworden ...

Kümmerlein, Mullrich's College, trug den garstigen und allgemein kenntlichen Dreimaster der Polizeiagenten etwas über's Ohr, denn der kleinere, spitznasige, scharfäugige Agent liebte Fröhlichkeit und Weiber und Musik und verliess diese Festlichkeiten nie, ohne sich vom Wirt und den sogenannten Observaten, den unter Aufsicht stehenden ehemaligen Verbrechern, regaliren zu lassen.

Mullrich, sagte er, Sie werden je älter, je gottesfürchtiger. Das macht Ihr Reichtum ...

Reichtum, Kümmerlein? Von meiner früheren Schlosserei, meinen Sie? Wie so?

Wer wie Sie, zwei, drei Geschäfte betreibt, der braucht sich den Kopf nicht zu illuminiren; der ist still lustig für sich.

Kümmerlein, Sie sind noch jung

Ach, Mullrich ... Sie drückt auch nichts als