1850_Gutzkow_030_322.txt

klagt nicht. Das ist abgemacht. Ich habe bessere Verbindungen als Sie Alle. Und nun Guten Abend, meine Herren! Die funfzig Taler, Bartusch! Sagen Sie ja dem Alten, dass ich sie nicht genommen hätte! hören Sie, dass Sie mir keine falschen Quittungen schreiben! Sie verstehen Das!

Sie sind heute toll und Ihr Elend wird im Narrenhaus enden! antwortete Bartusch verbissen und schickte sich an zum Gehen.

Leucht' ihm, Hausdrache! fuhr Hackert fort, indem er die Tür öffnete. Haltet den Strick fest, dass er ihm nicht um den Hals geht! Passt auf Nr. 17, Frau Mullrich! Dass er nicht von Ungefähr hineintappt in die Maler-Guste! Wer noch Miete schuldig ist, heraus, ihr Lämmer, der Mietswolf ist da! Zahlt! Zahlt! Aber schlagt ihn nicht tot! Grosses Ungeziefer muss da sein, um das kleine zu vertilgen! Schlaft nicht, Frau Mullrich. Wir müssen heute noch hinaus auf den Fortunaball ...

So wollen wir Sie nicht stören, fiel Dankmar ein, flehentlich gezerrt von Bartusch, der nun ging und sich fürchtete, allein zu gehen ...

Sie brechen sich den Hals, bleiben Sie, rief Hackert und hielt Dankmar zurück, ich führe Sie nachher

Ich bitte, ich flehe, meine Herren, kommen Sie jetzt mit mir! winselte Bartusch. Wir regen das ganze Haus auf ...

Hackert hielt aber Siegberten zurück.

Maler! Noch ein Wort! Sie bleiben, meine Herren!

Es war jetzt den Brüdern fast, als hätte Hackert nur vor Bartusch Komödie gespielt und als wollte er ihnen nun erst sein wahres Gesicht allein zeigen ...

Meine Herren, es ist elf Uhr! Kommen Sie! flehte Bartusch dringender.

Frau Mullrich gedachte ihres Gatten, den sie wekken musste. Sie gedachte der späten Ankömmlinge, die möglicherweise vor dem haus standen und Einlass begehrten und dann auf einmal eindrangen. Es entgingen ihr zuviel Pfennige durch längeres Warten.

Da es im haus wirklich stiller geworden war, zog sie Bartuschen mit den Worten: Haben Sie doch keine Bange, Herr Bartusch! an die Treppe und gab ihm den Strick in die Hand und leuchtete ihm mit der Laterne an die Füsse, um ihm die erste Stufe zu zeigen ...

Bartusch ging schleichend, auf den Zehenspitzen, von dannen, immer noch in der Hoffnung, die Herren würden folgen.

Sie wollen wirklich noch so spät auf den verrufenen Fortunaball gehen? begann jetzt Siegbert, der sich mit Betrübniss auch in die Stimmung der sicher lauschenden Louise Eisold versetzte und jetzt, da sie allein waren, von Hackert ein Abwerfen seiner Maske erwartete.

Meine Herren, sagte Hackert und warf sich erschöpft aufs Sopha, während die Gebrüder Wildungen gespannt erwarteten, was er nun für eine Miene zeigen würde. Meine Herren, es stecken zwei Menschen in mir, ein Bettler und ein König. Sie kennen nun den Bettler! Kommen Sie mit auf den Fortunaball. Sie sollen den König kennen lernen.

Wir gestehen Ihnen Beide, sagte Dankmar, dass uns Ihre Bettlerstimmung von heute früh mehr Vertrauen abgewann. Ich brachte den Bruder mit, weil ich glaubte, Sie würden in der warmen Hingebung, die Sie mir heute zeigten, unser Vertrauen zu würdigen wissen und die Hand, die wir Ihnen schon oft darboten, nicht so übermütig von sich stossen!

Sagen Sie mir Das morgen, erwiderte Hackert, und ich weine vielleicht wie ein Kind. Morgen hängen mir vielleicht die Flügel matt und schlaff. Ich jammere um meine Zukunft, ich geize und laure auf Erwerb, ich bin ein Hund, den man mit Füssen treten kann, Notabene morgen! Heute bin ich berauschtnicht von Wein! Ich trinke wenig Wein; nein vom Glück. Jubeln, jauchzen, lachen möchte' ich, weil ich einen Becher wieder an meinen Lippen fühlte mit dem köstlichsten Rebenblute des Glücks. Glück macht mich toll. Sie nicht?

Wir bemitleiden Sie! sagte Dankmar und wollte gehen.

O Ihr habt mich gut bemitleiden! antwortete Hakkert. Euch sang eine Mutter an der Wiege und geregelt gingt Ihr Euren Lebensweg. Wenn ich Dem nachdenken wollte, raucht' ich keine Cigarre, dann läg' ich hier zusammengekrümmt auf dem Sopha und ächzte und würde reif, betteln zu gehen, wie neulich in Tempelheide, als ich im Korne lag. Dann geht mir einmal wieder die Pforte des Paradieses auf und ich klirre mit meinen Ketten, verlache meinen Jammer, tummle mich wie ein Mensch und fühle mich dem Stärksten gleich. Ich kann Ihnen heute Nichts von meinem Leben vorwinseln; die nächste Gefahr ist vorüber. Lasally wird schweigen und mein Blut ist in Wallung. Kommen Sie mit oder lassen Sie mich allein, bis Sie mich einmal tot oder so lebend wieder sehen, dass Ihre Teilnahme für mich nicht von der Übereinstimmung mit Ihrem eigenen Herzen abhängt.

Während dieser Worte war Hackert aufgestanden und hatte sich unter dem Vorhang am Kleiderriegel einen Frack, eine Weste, einen Hut hervorgeholt und zog alle diese Gegenstände ohne Rücksicht auf seinen Besuch rasch und wie elektrisirt an.

Karl! schläfst du schon? rief er dann an die Nebentür.

Eine feine Frauenstimme fragte mit leidendem Tone:

Was wünschen Sie, Herr Hackert?

Ich lasse das Licht brennen, fräulein! Löschen Sie es aus. Gute Nacht!

Die Brüder sahen sich an und schüttelten den Kopf.

Sie wandten sich zum Gehen, ohne noch ein Wort zu sprechen