fest.
Woher wissen Sie Das?
Ich weiss es ... seit einer halben Stunde weiss ich es.
Und nun bin ich Ihnen überflüssig?
Hackert schwieg.
Dankmar fasste sich und sprach voll bitterster Verachtung zu Siegbert:
Ich kann nicht leugnen, lieber Bruder, dass dein eigenes Interesse, das du an diesem starren und lieblosen mann nahmst, mich verführte, ihm gleichfalls meine Liebe und Teilnahme zuzuwenden. Ich erkenne an, wie Herr Hackert nicht begehrt hat, dass wir uns in seine Angelegenheiten mischen. Wir sind von Lauschern umgeben, wir revoltiren dies ganze Haus; ich sage nichts von der Schuld, die sich Herr Hackert vorzuwerfen hat; der gebietende Herr dieser vier Pfähle mag sich darüber mit seinem Gewissen abfinden. Gelang es ihm, die Gefahr, die ihm drohte, selbst abzuwenden, so kann er von Glück sagen. Ich finde Das ganz in der Ordnung, dass man nun seine Freude nicht etwa mit einem Geldbeutel am Halse im nächsten Sumpfe, sondern mit geschenkten Tresorscheinen auf dem Fortunaball austobt. Gehen wir, um Herrn Hakkert nicht in seiner Toilette zu stören.
Als Dankmar nun wirklich Bartuschen fortziehen wollte und Hackert unbeweglich zum Fenster hinausstarrte und die Mullrich durch die eingetretene, criminalische Stille veranlasst wurde, lieber den längst gefundenen dritten Taler auf den Tisch zu legen, als sich einer Untersuchung ihrer Schürzentasche preiszugeben, blieb Bartusch noch stehen. Er machte die Tür zu und gebot der Mullrich, mit der Laterne draussen auf der Galerie ihn zu erwarten.
Hackert, sagte er, die Tür noch einmal andrückend und mit kläglich flehender, weinerlicher stimme. Fritzchen, ich darf nicht diese Schwelle verlassen, ehe ich nicht Gewissheit habe, dass diese verdrüsslichen Störungen der Schlurck'schen Familie aufhören. Lasally mag ein Amüsement darin finden, Ihre eben nicht artige Behandlungsweise seiner Pferde auch deshalb öffentlich zu machen, damit eine Familie compromittirt wird, die sich nicht entschliessen kann, ihn als Eidam anzunehmen. Machen Sie ein Ende mit diesen Abscheulichkeiten! Woher wissen Sie, dass Lasally nicht gegen Sie klagen wird?
Wie Bartusch geredet hatte, schlugen bei der Eisold'schen Familie drei Uhren durcheinander elf ...
Hackert horchte gespannt auf und sprach dann die Worte fast für sich hin:
Neun – zehn – elf! ... Das Gewicht ist zu schwer ... Alter! Die zweite keucht ja ...! Zuviel Gewicht! ... Eisoldchen! ... Zuviel Gewicht! Nimm eine Kugel heraus!
Die drei Männer schwiegen über dieses sonderbare Intermezzo ...
Warum hängen Kugeln in den ledernen Beuteln, die deine Gewichte ziehen? fuhr Hackert still für sich fort. Deine Weiser sagen, was die Räder und der lederne Beutel wollen ... Das Herz ist so ein lederner Beutel, die Räder sind das Gehirn und dann schneide nur Einer auf dem Weiser die Fratzen, die die Welt schön nennt! Ha, ha! Hurrah! – Da nicken sie schon wieder die Pferdeköpfe! Die dummen Tiere wiehern, als wollten sie mit mir sprechen! Hurrah! Hussah!
Hackert, sprechen Sie vielmehr, fuhr Bartusch heraus, dem es in den entscheidenden Momenten gar nicht an Mut fehlte; was wissen Sie von Lasally?
Vögelchen, liebt die Justizrätin die graue Farbe? sagte Hackert mit unheimlicher gemässigter stimme. Die Ohren eines Esels liebkosen kann nur Die, der Grau ihre Leibfarbe ist. Aber die Katzen können sie Alle nicht leiden. Lass sie nur! Lass die Justizrätin! Sorgt Euch nicht, die Mäuse nehmen überhand, aber noch fressen sie Euch nicht! Tanzen wollen sie! lachen! Fidelbogen streicht den Kummer weg! Wer geht mit auf den Fortunaball und lässt seine Mäuse im Kopf tanzen?
Diese Worte wurden so gesprochen, als wüsste Hackert nicht mehr, wer zugegen war. Er suchte im Zimmer und sah sich die drei gegenwärtigen Personen wie Fremde an.
Hackert, ich weiss sehr wohl, sagte Bartusch jetzt ängstlicher zurückweichend, während ihm Hackert fast dicht in die Augen sah, Hackert, ich weiss sehr wohl, dass Sie kleinmütig im Unglück sind. Ihr jubel ist nicht der der Verzweiflung – was murmeln Sie da so! Sie wollen uns nur schrecken!
Nein, du schwärmerisches Einmaleins! rief Hackert laut lachend, als hätte er durch seine sonderbaren Geberden wirklich den grauen Aktuar nur ängstigen wollen. Es ist keine Verzweiflung. Es ist Glück. Meine Herren! Sie kennen diesen meinen väterlichen Freund noch gar nicht. Sehen Sie, mein Haar ist rot, aber echt. Dem seines ist schwarz, aber ...
Er griff nach Bartusch's Perücke.
Hackert! rief Bartusch und hielt seine Perücke fest.
Dankmar schleuderte Hackerten mit den Worten zurück:
Machen Sie ein Ende mit Herrn Bartusch ... Sie sehen, der Mann meint es besser mit Ihnen, als Sie's verdienen ...
Prinz! antwortete Hackert bedeutsam, stemmte die arme ein und stellte sich vor ihn; moralisiren Sie nicht! Kommen Sie mit auf den Fortunaball, Durchlaucht! Die Clarinette soll klingen. Zum Teufel mit Euern Pferdegerippen! Was haltet Ihr mir vor, dass Menschen wahnsinnig sein können? Soll ich um nikkende und wiehernde Pferdegerippe kummervolle Nächte haben und nicht mehr fühlen, was eine weiche Hand, eine volle Brust, ein Mund wie der der Göttinnen auf ein armes zerrissenes Herz für Balsam träufeln kann? Bartusch, stecken Sie Ihre funfzig Taler ein oder ich mache heute Fidibus für meine Cigarre daraus. Lasally