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, Cerberus!

Mit diesen der Mullrich zugerufenen Worten schloss Hackert die Tür von der Galerieseite auf und im aufgeregten, vielleicht halbtrunkenen Zustande, trat der überhitzte, glühende, exaltirte junge Mensch herein.

Bartusch und die Mullrich blieben im Schimmer der Laterne lieber auf der Galerie.

Louise hatte sich schon vorher entfernt und die Stubentür rasch verriegelt.

Her, Ratte du! schrie Hackert, als er die beiden Brüder auf dem Sopha sitzend fand, wo ist hier Hochzeit? Ist Das Nr. 17? Kommst her, altes Fell, oder ich zieh's dir über die Ohren, Maulwurf? Hast falsch gehorcht! Falsch spionirt, Spitzbube? Was?

Draussen aus allen Zimmern wurden diese Worte mit lautem lachen und Hohn aufgenommen, sodass Bartusch nicht anders konnte, als sich auf's Bitten legen:

Hackert, ich beschwöre Sie, so schweigen Sie doch endlich still, sagte er flehentlich. Ist Das der Dank für die Wohltaten, die ich Ihnen eben zu erweisen gedachte ... Guten Abend, meine Herren! Ach, lieber Himmel!.. Was sehe' ich? Irr' ich nicht, so hatte' ich das Vergnügen

Ja, Herr Bartusch, begann Dankmar, ich bin Ihr Reisegefährte von Hohenberg. Ich erstaune, Sie in einer solchen Situation wiederzusehen. Dies ist mein Bruder! Wie kommen Sie nur zu dem ärgerlichen Auftritt?

Bartusch, der bereits in Erfahrung gebracht hatte, dass das während der ganzen Hohenberger Rückreise auf Dankmar ausgebreitet gewesene Dunkel sich insoweit gelichtet hatte, als er in der Tat der Eigentümer jenes Schreines war, über welchen ihm der Justizrat, der ihn in so subtile Sachen nicht einblicken liess, keine nähere Auskunft gegeben hatte, aber nicht im entferntesten Prinz Egon war; Bartusch, der von Seiten Schlurck's ein Inserat in die Zeitung besorgt hatte, der Eigentümer jenes Schreins sollte sich melden, hielt es für durchaus unverfänglich und nützlich, Dankmarn mit den für Diesen erfreulichen Worten anzureden:

Jede Stunde haben wir Sie erwartet, Herr Wildungen!

Der Schrein ist in der Tat vom Justizrat aufgefunden worden und steht ja zu Ihrer Verfügung. Ach, ach! Diese Hohenberger Reise!

Dankmar fiel ein Stein vom Herzen und ein natürliches Gefühl der Dankbarkeit war es, dass er Hackerten, der ihm etwas zudringlich und unverschämt Cigarren anbot und dabei in der Tat wie ein Trunkener grüssend sich gebehrdete, unsanft abwies und ihm sein Geschrei und Poltern rügend vorhielt.

Entschuldigen Sie nur, Herr Maler, wandte sich Hackert etwas beschämt statt aller Antwort zu Siegbert; Ihr Herr Bruder ist mein Freund nicht und wird mein Freund nicht und in die Schule geh' ich nicht mehr. Excusez! He, Bartusch! Kommen Sie auf den Fortunaball? Was? Alle zusammen, meine Herren? Vier ist vierMensch ist Tierund auf Vieren mein Plaisir!

O Gott! O Gott! rief die Mullrich, die mit der Laterne in der noch offenen Tür stand. Was soll daraus werden!

Und sich zu den neugierigen Horchern des Hauses zurückwendend, rief sie:

Was steckt Ihr die Nasen aus der Tür? Ist's das erste mal, dass einer in der Brandgasse Nr. 9 in solchem Zustand nach haus kommt?

Zustand? Flickschusterin, stell' Sie die Laterne dahin! schnaubte Hackert. Was für ein Zustand? Ist Das ein Zustand, wenn man nach haus kommt voll Amüsement und solche Ratten springen gleich an Einen heran und grunzen: Oben bei Louise Eisold sitzen zwei Herren? Ist Das ein Zustand, wenn man dann so eine alte Vettel beim Wickel nimmt und den Freund von Nr. 17 und von Mutter Justizrätin mit dazu –?

Hackert! Hackert! Ich beschwöre Sie! Was reden Sie! sagte Bartusch, der sich wieder am Rockkragen gepackt fühlte; undankbarer Mensch! Wissen Sie, dass ich hier bin, Ihnen einen neuen Beweis der langmütigen Geduld und Liebe dieser Justizrätin zu geben; wissen Sie, dass ich hier bin, um Ihnen ...

Er zog sein Portefeuille ...

Kein Geld! sagte Hackert und warf sich in die Brust. Wir brauchen nichts! Nicht wahr, Maler? Wir haben Freunde, die einen Becher Weins mit uns teilen? Kommen Sie mit auf den Fortunaball, meine Herren! Was?

Siegbert, statt aller Antwort, tief abgestossen von dieser wilden, tierischen Zügellosigkeit, griff in die Seitentasche und überreichte dem verwahrlosten, ihm eine ganze klasse der zwischen dem Volk und der Bildung schwankenden Mittelschichten grosser Städte darstellenden jungen Menschen sein Packet mit hundert Talerscheinen.

Sie haben alle Ursache vergnügt zu sein, bemerkte dabei Siegbert bitter enttäuscht. Wem die Hülfsmittel so zuströmen ...

Und hier die gewissen drei Taler, bemerkte Dankmar voll Entrüstung. Da die drei Taler für den Kutscher!

Dankmar zog die Börse, aus der er drei harte Taler nahm und auf den Tisch legte.

Sie wissen, was wir bedungen haben, im wald hinter Tempelheide ...

Hackert stiess die drei Silbertaler von dem Tisch, dass sie auf den Boden hinrollten und katzenartig von der Mullrich unter dem Ausruf: O die Sünde! Die Sünde! aufgesucht wurden.

geben Sie mir, wenn ich etwas verdient habe, setzte Hackert mit dumpfer stimme hinzu, geben Sie mir ...

Nun, sagte Dankmar, ist's nicht so?

geben Sie mirknirschte Hackert und stockte doch ...

Sie waren mein Kutscher, Herr Hackert! Entsinnen Sie sich nicht, drei