sagte Dankmar.
Wohl, auch von dieser Seite da ... antwortete Louise.
Sie öffnete die Tür und zeigte auf die durch allerhand Küchengerätschaften verstellte Nebentür, die zu Hackert's Zimmer führte ...
Allein ich habe den Schlüssel zu dieser Nebentür! fuhr sie fort. Treten Sie hier ein! Ich bringe Licht und Sie warten noch einige Augenblicke.
Die Brüder wurden so von des Mädchens bestimmtem Willen geleitet, so von den kleinen Geschwistern, die gähnend aber auch neugierig sie umstanden, gedrängt, dass sie sich gefallen lassen mussten, zu bleiben. Man räumte Alles von der Verbindungstür fort und schloss sie auf. Louise sagte den Kindern, sie sollten den Herren Gute Nacht! sagen. Dies geschah und einige Sekunden darauf waren die Brüder in Hackert's dunklem vergitterten Zimmer ganz allein ... Louise rief von der Küche, sie käme sogleich nach mit Licht ...
Karl Eisold, der älteste Bruder, bewegte sich bei allen diesen Unternehmungen seiner Schwester nicht im geringsten. Nur als sie einen zu lebhaften Anteil an Hackert verriet, schlug er das Buch, in dem er gelesen hatte, fast heftig zu und ging hinter die Tapetenwand. Er schien mit seiner Schwester über irgend etwas gespannt zu sein ...
Nun, hatte' ich Recht, begann Dankmar, als die Brüder in Hackert's Zimmer in der Dunkelheit allein waren, hatte' ich Recht, dir die Bekanntschaft dieser eigentümlichen, häuslichen Existenz deines Schützlings zu verschaffen? Was das Gemälde, das du hier beobachtetest, doppelt anziehend macht, ist die Beziehung auf Hackert, der, sprach ich auch heute in der Frühe gegen ihn, dein erstes Gefühl nicht getäuscht hat und wohl mehr bemitleidenswert als zu fürchten ist. Fast möchte' ich glauben, dass ihn dieses edle Mädchen, das sich dem Wohle ihrer Geschwister opfert, liebt ...
Sprich nicht so laut, flüsterte Siegbert, hier nebenan horcht der Schreiber Schmelzing ...
Es war so finster in dem, wie Siegbert wohl merkte, engen Zimmer, dass sie ungeduldig das Licht erwarteten, mit dem Louise zurückkehren wollte ...
Indem fiel ein Lichtschimmer von der Galerie her durch die vergitterten Fenster. Man hörte ein Rascheln, wie von Jemanden, der sich an dem Stricke der Treppe hinaufwand; denn mehr sich daran hängend, als mit freiem Tritt auf den schmalen Stufen, konnte man hinauf.
Sollte Dies endlich Hackert sein? flüsterte Dankmar. Es wäre Zeit. Ich glaube nicht, dass man bis nach zehn Uhr gut in diesen Häusern bleiben kann ...
St! flüsterte Dankmar und horchte.
Der Ankommende hustete und bewegte sich sehr schwer. Er hatte ein Mützchen auf, das ziemlich weit über den Kopf ging und stützte sich auf einen Stock, den man vielleicht gut tat, in diesen Räumen immer bei sich zu führen. Die Laterne, die den Lichtschimmer verbreitete, hielt ein altes Weib, das die Brüder nicht kannten ... Es war die Vizewirtin Frau Mullrich.
Da ist Nr. 86 flüsterte die Alte. Herr Hackert muss doch zu haus sein; die Herren sind nicht wieder gekommen.
Der Mann in der Mütze klopfte an die Tür des Zimmers, in dem Siegbert und Dankmar noch im Dunkeln standen. Sie hielten sich zwischen dem Pfeiler der beiden Fenster, um durch den von der Galerie hereinfallenden Lichtschimmer nicht bemerkt zu werden.
Der Mann in der Mütze klopfte wiederholt.
Ei, ei, rief Frau Mullrich jetzt laut, Herr Hackert nicht zu haus? Ei, ei! Ei! Ei!
Sie münzte dieses Ei! Ei! auf die beiden Herren, die, wenn Hackert nicht anwesend war, sicher zu Louise Eisold gegangen waren ...
klopfen Sie doch stärker, fuhr sie boshaft fort. Herr Hackert schlafen vielleicht schon.
Ich glaube den alten Störenfried zu kennen, flüsterte Dankmar seinem Bruder zu. Irr' ich nicht, so ist es der Geschäftsführer des Justizrats Schlurck, der auch von diesen alten Häusern die Verwaltung besitzt ... Du weisst noch gar nicht, welches Interesse wir an diesen Häusern haben müssen ...
Noch hatte er seine Rede kaum ausgesprochen, als sich beide Brüder von einer weichen Hand ergriffen fühlten und einen warmen Atem dicht an ihrem Ohre fühlten ...
Halten Sie sich ruhig! Der Alte ist Hackert's Feind! Er kann nichts Gutes bringen. Wir sagen, er ist nicht zu haus.
Es war Louise, die leise hereingeschlichen war und ihnen diese Verhaltungsmassregel zuflüsterte.
Kommen Sie, Herr Bartusch! Kommen Sie! Die beiden Herren sind bei fräulein Louise! Ich irrte mich! Herr Hackert sind noch nicht zu haus!
Diese laut betonten, recht absichtlich hervorgekrächzten, boshaften Worte der Frau Mullrich machten, dass die Brüder das plötzliche Kaltwerden der hände des Mädchens fühlten, von denen jeder von ihnen eine in der seinen hatte.
Wie? flüsterte Dankmar; die Alte wäre frech genug, anzunehmen, dass wir ...? Lassen Sie uns sagen, dass wir in Hackert's Zimmer sind!
Nein, nein, bedeutete Louise ...
Aber selbst die beste Absicht Dankmar's, für ihre Ehre einzutreten, war nicht mehr rasch auszuführen; denn schon hatte sich Bartusch brummend wieder zum Ausgang der Galerie gewandt und mit einem lauten zweideutigen Husten und Räuspern den Rückweg angetreten.
Frau Mullrich leuchtete ihm und kicherte so grell und höhnisch, dass es Louisen schauderte.
Wie können Sie nur zugeben