stimme, drückte Paulinen die Hand und ging ruhig über die glänzend erleuchtete, blumenbesetzte, unter den Teppichen knarrende Stiege hinab.
Ihr Bedienter folgte mit einem Shawl, den sie umschlug, als sie in den Wagen stieg ...
natürlich wurde im Salon jetzt über nichts, als über die Gräfin d'Azimont, über Egon und über die Fürstin Wäsämskoi gesprochen ... Ein Körnchen Wahrheit, breitgeschlagen, wie unter der Hand des Goldschlägers, der aus einem Körnchen Metall endlosen Goldschaum fertigt. Da wir die Verhältnisse genauer kennen, überlassen wir die Erfindung den Uneingeweihten und beobachten nur Paulinen, die sich frei genug fühlte, jetzt ganz ihren nächsten Unternehmungen zu leben. Auf einen blick sah sie sogleich, dass zwischen Melanie und ihrem mann eine Neckerei stattfand. Melanie hatte ihm einen zu komischen Gruss gegeben und er ihn zu verblüfft, fast schmollend erwidert. Melanie erschien ihr sogleich wie die verdächtigste Kokette. Ruhig den linken Arm in die Ecke des Sophas stützend und sich in die Rückenkissen überlehnend, in der rechten Hand mit dem Fächer spielend, sah Melanie den Gruppen zu, die sich im Salon gebildet hatten und gab Jedem Gehör, der sich ihr näherte und sie in ein Gespräch zu intriguiren suchte.
Die Trompetta brannte vor Verlangen, Melanie über ihre Reise auszuforschen; aber seit der letzten Störung in der Singakademie zu Tempelheide musste sie der Flottwitz zu Liebe Farbe halten. Die Flottwitz ignorirte nämlich Melanie mit consequenter Verachtung und sprach unausgesetzt und auf das lebhafteste mit dem Grafen Brenzler über eine neue Art beweglicher Barrikaden, mit welchen die Truppen bei künftigen Revolutionen gegen etwaige Empörer besser zu operiren lernen möchten; sie sprach so laut, dass sie Melanien sogar etwas von der ihr allgemein gewidmeten Aufmerksamkeit entzog.
Sr. Excellenz der Intendant benutzte diese Pause, trat an die Sophalehne und flüsterte zu Melanie halblaut:
Guter Gedanke von meiner Frau, Sie bei uns einzuführen, fräulein ...
Bitte Excellenz, beschämen Sie mich nicht. Es ist doch nur Ihr Gedanke gewesen ...
Doch nicht! Bin Ihnen ja bös – recht bös – Das wissen Sie doch schon ... Sie ...
Excellenz! Bös? Mir? Warum?
Sind recht listig, recht gefährlich – Ja, ja, ich schmolle ...
Wie so? Sie? Welche Ursache hätten Sie?
Werden es schon wissen – Sie kleine Abscheuliche!
Sie haben einen Katarrh, Excellenz! War es kalt im Möbelwagen?
O Pfui! Pfui! Sie spotten – Recht lieblos! In der Tat! Recht lieblos!
Ich ohne Liebe? Ich, die deshalb im Heidekrug verzweifelte, weil dort so viel Katzen herumstreichen, die ich nicht leiden kann?
Und bestohlen bin ich auch geworden! Habe einen schönen Auftritt gehabt mit meiner Frau! fräulein ...
Ich sehe' es Excellenz! Die kleinen Ohren glühen ... Das bedeutet Blutandrang ... Kummer ...
O über Sie! O! o, Sie sind nicht gekommen! En vérité! Sie haben mich gefoppt. Sie sind nicht gekommen!
Excellenz! Welch ein Wort! Gefoppt! Ich versichere Sie! Die Katzen sind ganz allein Schuld – Sie schliefen doch recht sanft in der kleinen transportablen Hütte? Die Götter der Liebe wachten doch über Sie? O Sie machen mich recht unglücklich, dass Sie sagen können, ich hätte Sie gefoppt, Excellenz!
Ah! Bah! Bah! Ich trau' Ihnen nicht mehr. Sie sind schlimm! Recht schlimm!
Und die Menschen nennen mich alle so gut. Nur vor Katzen fürcht' ich mich, Excellenz. Und es war so finster und so nass und die Gensdarmen fluchten so laut und Ihre Bedienten tranken so viel – aber Sie hatten doch Ihr gesticktes Nachtmützchen auf, Excellenz, als Sie in das Hüttchen schlichen? Was? Ihr Schlafrock steht Ihnen auch gar zu schön! O Hohenberg, Hohenberg! Unvergessliche Stunden, die wir dort erlebten und ich gefoltert wurde von meinem vis à vis, das mich anfangs nicht verstand, nicht verstehen wollte ... denn nur im Mützchen und im seidenen Schlafrock erschienen Sie anfangs am Fenster!
Hätt' ich ahnen können –
Dass diese kleinen Ohren mich entzücken würden! Excellenz Sie sind heute zu liebenswürdig! Gehen Sie! Gehen Sie! Oder ich komme heute doch noch in den Möbelwagen ...
Pauline trat bei diesen boshaften Worten hinzu. Sie hatte die letzten Worte halb und halb verstanden und fragte, durch galante Herablassung ihr Erstaunen mildernd:
Wovon sprechen Sie? Sie flüstern mit meinem Gatten?
Ei, ei, die schöne Melanie beunruhigt den Frieden meines Hauses! Henning ist von Hohenberg zurückgekehrt wie ein neugeschaffener Mensch!
Wir sprachen vom Heidekrug, gnädige Frau, sagte Melanie mit einem so zärtlichen Blicke auf Harder, dass Pauline lachen musste. Es sind so viel Katzen dort, sagte Excellenz und ich gestehe, vor Katzen hab' ich allen Respekt. Nicht wahr, liebe Flottwitz? Sie wissen, was mich von unsern Maccabäern und dem Stamme Judä verscheucht hat!
Die Trompetta und die Flottwitz waren nämlich eben nur so lauschend vorübergegangen; Diese noch ganz erhitzt von den Auseinandersetzungen über die fliegenden Barrikaden und überall nur tote und verwundete Insurgenten erblickend, Jene auf eine gelegenheit lauernd, doch mit der ihr ganz sympatischen Melanie anzubinden.
Ah! rief die Trompetta erlöst wie von einer grossen Spannung. Nun schüttete sie ihre ganze Freude und Wonne des Wiedersehens und ihrer Überraschung aus, während Friederike Wilhelmine ernst und hoheitsvoll lächelte .