Geist der Romantik geben, der die Schicksale dieses Staates und durch ihn einen teil Deutschlands regierte!
Anfangs versuchte die allgewaltige Dame zu Siegbert's grösster Spannung, das Gespräch auf die schwebende Johanniterverlassenschaftsfrage zu lenken; da aber Niemand darüber unterrichtet schien und Siegbert von seinem Bruder damals im Pelikan doch noch viel zu wenig darüber erfahren hatte, wie sehr er selbst daran beteiligt war, so ging die Oberhofmeisterin, um das Gespräch zu einem endlichen Schlusse zu führen, zu einem allgemeinen staatspolitischen Seufzer über, des Inhalts:
O eine idee, die die ganze Welt erquickt! Nur ein Wort des Friedens in diesen Hass und diesen Hader! Wer wird dies Evangelium bringen, das allem Kampf der Parteien ein Ende machte und die Erde in einen Wohnplatz von Menschen umwandelt, die nur dem erlaubten Genuss der irdischen Güter und der Bildung ihres Herzens als Vorbereitung künftiger Seligkeit leben! Sie glauben nicht, meine Liebe, (sie wandte sich an Anna), wie man bei hof nach Erlösung von diesem Jammer, der über unsere Erde verhängt scheint, schmachtet! Wo man auch nur in seinem redlichsten Eifer etwas unternimmt, was jetzt dem Werte des Ganzen dienen soll, sogleich muss man bei jedem Schritt, den man wagt, um zu einem guten Ziele zu kommen, hören, dass man Andre verletzt hätte! Ach, nicht vor- und nicht rückwärts ist ein Weg mehr zu finden.
Glauben Sie mir, liebe Frau von Harder, dass die Menschen wohl glücklich sind, die die Seele in den Blumen oder in den Tieren suchen! Ach! Auch Sie haben ja viel gelitten.. Liebe!
Frau Gräfin! war Alles, was Anna von Harder fast ablehnend und die Augen niederschlagend auf diese etwas zudringliche Freundschaftsanerbietung erwiderte ...
Die Königin, sagte die Altenwyl, nimmt so vielen Anteil an Ihnen! Gibt es nichts, was Sie der hohen Frau näher führen könnte? O sie hat ein treues Herz. Kennte die Nation nur alle diese Menschen da oben!
Gnädigste Gräfin! sagte Anna. Mein Leben ist zu dürftig für den Glanz des Hofes. Was soll ich dort! Ich pflege meinen alten Zauberer von Tempelheide, lese ihm aus Büchern, wie er sie liebt, vor, sticke, wenn es mein Auge erlaubt, und treibe etwas Musik. In der Musik hab' ich Alles hinübergeleitet, was in mir noch sich regen, aussprechen, ja auch sich hingeben möchte. In der Musik lach' ich, in der Musik wein' ich. Auf den Tönen Gluck's und Händel's schweb' ich da und dortin, wo ich am liebsten sein möchte; es sind ferne Länder, ferne Haine und Wälder und ich weiss nicht, gehören sie noch dieser Erde an oder sind es schon Jenseitsahnungen.. Mit meiner Musik bin ich leider egoistisch. Ich fördere sie nur für mich. Die Trompetta hat mich oft gedrängt, Vorstellungen in geschlossenen Kreisen zu geben. Wir würden es wagen dürfen, mit manchem älteren Werke hervorzutreten, wir kleinen Dilettanten, die wir uns zur classischen Musik verbunden haben. Wir haben einige gute Solistinnen. Die Flottwitz singt edel und rein. Ich sträube mich aber dagegen. Ich entziehe damit, ich weiss es, eine Einnahme, eine Unterstützung guten Zwecken, aber ich kann mich nicht entschliessen, Andere durch unsere Versuche belästigen zu wollen. Ich weiss, ich bin egoistisch. Die Trompetta flammt für die innere Mission. Dass ich mich den Werken derselben zu wenig widme, werf' ich mir oft bitter vor. Aber ich bin eine Einsiedlerin und träge, träge, liebe Gräfin.. Zu nichts zu bringen, am wenigsten zum hof ...
Gräfin Altenwyl war über diese bescheidenen Äusserungen etwas verstimmt.
Anna hatte eine Huld, eine Gabe, die sie ihr verschaffen wollte, geradezu zurückgewiesen. Die Königin hatte sie kennen lernen wollen und das nahm Anna so auf!
Dennoch liess sich die Altenwyl nichts von ihrer Verstimmung merken, sie lächelte nur und sagte, indem sie sich erhob, um zu gehen, Anna fast in's Ohr:
Sie sind ein Engel!
Nun noch eine halbe Umarmung mit der Fürstin, ein freundliches Nicken zu den Kindern, ein flüchtiges Ignoriren der Herren ... und die einflussreiche, kluge, aber vom Geschmack ihrer Umgebung ganz beherrschte Frau war dann endlich verschwunden. Siegbert hatte sich nur noch der flüchtigsten Notiznahme, Rudhard fast gar keiner mehr zu erfreuen gehabt.
Man atmete auf.
Anna, erlöst von einem Druck, umarmte jetzt erst noch einmal die Tochter ihrer Freundin..
Was wird die Brust leicht, sagte sie, wenn man nach einer zufälligen Annäherung an diese Hofatmosphäre wieder frei atmen kann! Und doch meint es die Frau so gut! Sie, liebe Fürstin, Sie müssen am hof als milder Stern aufgehen! Sie sind jung und schön! Ihnen wird diese Welt allerdings keinen Trost gewähren, aber doch Zerstreuung. Wenn Sie sich vorstellen lassen, schreiben Sie mir's ja! Ich komme dann, erst Ihre Toilette zu bewundern. Darf ich mich darauf verlassen?
Die Fürstin sah lächelnd zu Rudhard hinüber, als wollte sie von ihm eine Ermutigung zu irgend einer Antwort abwarten.
Sie sind ein treuer, dankbarer Zögling, äusserte Anna sogleich diese Unentschlossenheit bemerkend. Sie hören noch jetzt auf Ihren Lehrer. Und Das dürfen Sie! Vertrauen Sie dem erprobten Rudhard recht, wenn er auch Unrecht hatte, mir das Getsemane der Trompetta gleich so rundweg mit dem