welchen Zweck? Glücklicherweise sind wir in diesem Frühjahr von Überschwemmungen verschont geblieben. Ich hörte kürzlich, sie will jetzt die armen Weber bedenken!
arme Weber sind allerdings zeitgemässer! sagte Siegbert etwas ironisch.
O, Sie schlimmer Spötter, rief Anna von Harder, die sich von dem Eindruck, den der Name Rodewald auf sie gemacht, jetzt allmälig gesammelt hatte, Sie dürfen mir nichts gegen Frau von Trompetta sagen. Ich fürchte, es finden sich der Tränen genug, die man mit dem Ertrage dieses neuen Albums trocknen kann! Nur der Titel, den die gute Trompetta diesmal gewählt hat, ist etwas zu –.. wie soll ich sagen? Sie nennt es Getsemane.
Getsemane! sagte Rudhard und schlug die hände zusammen ...
Ja, bemerkte die Altenwyl, die es merkwürdigerweise auf die Trompetta abgesehen hatte, es ist in der Tat ....
Ach! fiel Anna durchaus entschuldigend ein. Es ist ihre idee. Es klingt nur ein wenig doch zu ...
Muckerisch! brach Rudhard rund und kurzweg heraus.
Die wirkung dieser rationalistischen Derbheit war aber schlimm berechnet.
Muckerisch! riefen die Kinder und machten lustige Wortspiele.
O so nicht! sagte Anna fast verletzt.
Die Altenwyl wandte gleichfalls ihr Haupt entrüstet zu dem alten Herrn hinüber, der denn nun auch von der Fürstin einen Wink bekam, fast, als wollte sie sagen, es wäre vielleicht besser, du gingest in den Garten oder auf dein Zimmer, alter Bär, oder schwiegest ...
Auch dieser Gegenstand konnte also nicht fortgesetzt werden.
Anna von Harder griff, da Siegbert diskret geschwiegen hatte, wieder den Feuertod des Molay auf und sagte zu ihm gewandt:
Sollten Sie glauben, lieber Herr Wildungen, dass dies Süjet sogar meinen guten alten Schwiegerpapa, den neunzigjährigen Greis, interessirt hat? Ich musste ihm ja Ihre Auffassung wörtlich erzählen. Er nahm grossen Anteil und lobte Alles, was ich ihm mitteilte. Mit einer einzigen Ausnahme! Zürnen Sie mir nicht, wenn ich Ihnen seine Rüge wiederhole?
Siegbert bat um volle Offenheit ... Eine Äusserung von diesem würdigen Greise könnte ihm nur lehrreich sein ...
Anna, fast in Verlegenheit, dem jungen mann weh zu tun, begleitete die folgenden Worte mit einem ausserordentlich milden und versöhnenden Ausdruck:
Er sprach, sagte sie, von der über den Rauchwolken des Scheiterhaufens schwebenden Taube, die mir so ausserordentlich als die idee der höheren Versöhnung und der gerechteren Zukunft gefallen hat.
Die idee ist einer Sage über Hussens Feuertod entlehnt – ergänzte Siegbert.
Gleichviel! Mein alter Papa meinte, fuhr Anna schüchtern und mit grosser Spannung für die auf jede ihrer kleinsten Äusserungen merkende Altenwyl fort, Papa meinte, man könnte die in Paris verbrannten Templer nicht als Zeugen der christlichen Wahrheit oder irgend eines geistigen Fortschrittes verehren, sie hätten im Gegenteil weit eher ein unheimliches Symbol, eine Eule oder einen Raben, verdient.
Wie so? fragte Rudhard wieder barsch und kurzweg.
Die Templer, fuhr Anna fast erschreckend über dies rauhe Wie so? fort, die Templer haben nach des alten Herrn Meinung sich sehr in die Geheimnisse jener Länder verloren, wo sie für die christliche Lehre streiten sollten, öfter aber vorzogen, mit den Einheimischen in friedlichem Verkehr zu leben, wie wohl jeder Feind, den man sich in der Ferne gehässig und abscheulich vorstellt, in der Nähe von seinen schlimmen Farben verliert und uns würdiger erscheinen kann, belehrt, als bekämpft zu werden ...
Diese Meinung macht dem alten Mann Ehre! sagte Rudhard. Aber die Templer.. die Templer.. Eulen und Raben?
Ei! Ei! fiel forschend und lächelnd die Oberhofmeisterin ein, es wird Dies doch nicht derselbe Rabe sein, den der alte Herr Präsident immer neben sich sitzen hat und mit dem er sich, wie die Majestäten dem General Voland von der Hahnenfeder noch gestern bei Tafel nicht glauben wollten, über die schwierigsten juristischen Fälle unterhalten soll?
Sie lächelte forschend und Anna errötete fast.
Das gibt ja etwas für die Kinder, fiel jetzt die schweigsame Fürstin, die nichts von solchen ernsten Dingen, mit denen General Voland von der Hahnenfeder den Kopf zu "fasciniren" wusste, kannte, lachend ein. Solche Märchen haben Sie um sich, liebe Landrätin?
Ja, ja, Ihr lieben Kleinen, sagte Frau von Harder, die auf den Scherz einging, wenn Ihr mich besucht, und ich hoffe, dass Dies bald geschieht, werdet Ihr glauben, in der Arche Noäh zu kommen, wo noch die Tiere alle fromm und friedlich beisammen wohnten.
Ein Männlein und ein fräulein! brummte Rudhard, der unverbesserliche Rationalist, dazwischen.
Ja! Ja! Bei uns werdet Ihr Hunde sehen, die sich mit den Katzen vertragen, Katzen, die nicht naschen, Raben, die nicht stehlen, ja kleine Mäuse werdet Ihr fangen können, mit denen die Katzen spielen, ohne sie zu speisen ...
Und glaubt der alte Herr wirklich an die Seelenwanderung? fragte jetzt die Gräfin ungemein neugierig, fast zudringlich.
O gnädige Frau!
Das war Alles, was Anna fast verletzt darauf antwortete.
Die Oberhofmeisterin erschrak. Der General Voland von der Hahnenfeder hatte bei Tafel doch gestern ausdrücklich gesagt, die alte Excellenz schiene ihm an die Seelenwanderung zu glauben, und der berühmte eingeladene Professor, der Egypten bereist hatte, bekam noch ausdrücklich vom Könige beim ersten Ragout das Wort über die Pyramiden, sodass General Voland fast eifersüchtig wurde, wie Jemand bei königlicher