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bindet da an den Finger Ringe von Blumenstengeln und weiss doch hoffentlich, dass sie die Hand eines Malers schmückt?

Siegbert angenehm überrascht, richtete sich jetzt auf und verbeugte sich, als machte er eigentlich nun erst die Begrüssung, die er nicht gewagt hatte.

Sie kennensagte die Fürstin fragend ...

Rudhard hörte mit Aufmerksamkeit und sichtlicher Freude, dass Siegbert so bekannt war..

Ich habe damals, erläuterte Anna freundlich, ich habe damals nicht gewusst, als ich dem fleissigen Zeichner in Tempelheide für das Interesse, das er an unsrer alten Kirche zeigte, in der schrecklichen Hitze einen Becher Weins zur Erfrischung anzubieten wagte, dass ich den gefeierten Maler des Jakob Molay so dürftig bewirtet hatte. Frau von Trompetta und fräulein von Flottwitz machten mir eine Stunde darauf diese angenehme Entdeckung.

Siegbert dankte für die schmeichelhafte Erinnerung und lehnte das ihm gespendete Lob in aufrichtiger Bescheidenheit ab.

Anmutig und herzlich erzählte Anna den uns bekannten Vorfall und verschwieg auch den Raben, verschwieg auch den alten Schwiegervater, ja selbst die vom Bedienten gemeldete Teilung mit einem Landstreicher nicht, wie sie doch wohl etwas zu schnell dem um den Becher geängstigten Diener das Urteil über Hackert nachsprach.

Siegbert hielt eine Berichtigung und Milderung dieses Urteils für zu weitläufig, sagte aber doch:

Ihn dürstete, wie mich. Wir haben uns Beide erquickt ...

Frau von Trompetta, fuhr Anna von Harder fort, während die Altenwyl immer horchte und sich gleichsam wörtlich einprägte, was sie von diesen Begegnungen heute in den kleinen Cirkeln berichten konnte, Frau von Trompetta ist glücklich über das Albumsblatt, das Sie ihr schenken werden. Wer Ihren Molay bewundert hat, kann nur etwas Schönes erwarten. Ich freue mich, dass der Kunstverein so klug war, ihn anzukaufen und würde noch glücklicher sein, wenn ich ihn mit meinen armen drei Loosen gewänne ...

Siegbert wuchs bei diesen Worten ordentlich in den Augen der ganzen Umgebung. Die Fürstin fixirte ihn mit erhöhtem Interesse. Während er sich wie eine Schnecke in ihr Gehäuse hätte zurückziehen mögen, beobachteten ihn die Andern mit ehrfurchtsvollen Blicken, die Altenwyl besonders, die in ihrer Stellung doch angewiesen war, jedem im öffentlichen Leben des Staates und der Gesellschaft nur irgend hervortretenden Ereignisse oder Individuum eine gewisse huldvolle Aufmerksamkeit zuzuwenden ...

Die Majestäten, sagte sie auch mit einer herablassenden Wendung ihrer sitzenden Stellung, die Majestäten haben dies Bild mit vielem Wohlgefallen betrachtet und nicht begreifen können, warum der Propst, der den Cicerone machte, soviel daran zu mäkeln fand.. Man wird doch oft ganz irr an diesem Mann!

Ein feiner Kopf konnte aus dieser Äusserung viel entnehmen.

Hätte sie Gelbsattel gehört, er würde gezittert haben. Denn sie bewies, dass man bei hof anfing, gegen ihn eingenommen zu sein.

Solche schlaue Barometermesser fehlten hier aber. Nur Siegbert errötete und sagte achselzuckend:

Der Propst! Ich verkenne die Fehler meines Bildes nicht! Allein die Kritik der Dilettanten ist wirklich unser Kreuz. Wir leiden mehr unter ihr als unter der der wahren Kenner, die doch oft viel strenger sind.

Rudhard hielt sich nicht und schnitt der Oberhofmeisterin, die in der Furcht, fast zu viel gesagt zu haben, wieder durch ein Lob des Propstes das Gleichgewicht herstellen wollte, fast die Rede ab.

Ist das Propst Gelbsattel? sagte er. Mein ehemaliger Schüler, der Zeltgenosse Ihres Vaters! Tadelt das Bild von dem Sohn eines Schulkameraden, jubelt nicht, so etwas begrüssen, empfehlen zu können? Das ist garstig! Garstig! Es war immer ein schlimmer Patron.

Portensis! ergänzte Rurik, fast beleidigend für alle Schulpförtner.

Siegbert lachte über die Weisheit des Knaben und die Damen wollten wissen, was dieser neue Charakter des Propsts zu bedeuten hätte?

Rudhard erklärte es. Während Anna von Harder dabei dies Kleeblatt dreier Freunde sehr lieblich fand, ergänzte Paulowna, die auch etwas wissen wollte, die Namen Wildungen, Gelbsattel und ...

Bei dem dritten Namen stockte sie ....

Rodewald, sagte Rudhard und lobte das Gedächtniss der Kleinen.

Wer? sagte Anna betroffen ....

Rodewald! wiederholte die Kleine, der Alles bedeutend geworden war, was mit dem lieben neuen Freunde, Siegbert, in Beziehung stand.

Bei dem Namen Rodewald aber erblasste Anna von Harder. Ohne dass Einer in der Gesellschaft begreifen konnte, wie sie diesen Namen sich mehremale wiederholen lassen und fragen konnte, wann und wo Das war? versank sie in eine Stimmung, deren Ernst gegen die durch die Scherze der Kinder angeregte Heiterkeit so abstach, dass Siegbert, der Dies bemerkte, nicht zu sagen wagte, dass dieser Rodewald sein Oheim wäre.

Die Altenwyl aber bemerkte die Veränderung nicht und nahm nur gelegenheit auszurufen:

Schulpforte! O diese alten Stifte! Diese alten Klosterschulen! Die Majestäten lieben diese alten Stifte und Klosterschulen so sehr, dass schon längst eine Rundreise auf ihnen im Werke ist ...

Damit aber kam die Oberhofmeisterin trotz ihrer hohen Stellung bei Rudhard schlimm an. Der wusste eine solche Menge von Misbräuchen in diesen alten Stiften und Klosterschulen aufzudecken, dass er fast pedantisch wurde und die Damen mit Rügen unterhielt, die viel zu streng wissenschaftlich waren.

Die Altenwyl nahm auch Veranlassung, ein einfaches, etwas kaltes: Meinen Sie? fast wegwerfend zu äussern und dann sogleich auf das Album der eben erwähnten Frau von Trompetta überzugehen. Mit sonderbarer Gelassenheit und nicht ganz ohne Ironie äusserte sie:

Also Frau von Trompetta sammelt wieder ein Album! Weiss man denn schon für