, das Siegbert gezeichnet und schien dabei fast ohne allen Anteil, fast ganz apatisch.
Siegbert, befremdet über diese Art, hielt Olga mit Recht für stolz und besann sich, dass sie nach russischem oder französischem Sprachgebrauch eine Prinzessin war.
Wir müssen in den Garten gehen, Sie müssen die Mutter dieser guten Kinder kennen lernen, begann nun Rudhard.
Siegbert entschuldigte sich und wies auf seine Kleider.
Olga hob den blick vom Stammbuche auf, stellte sich rückwärts an's Fenster und betrachtete Siegbert mit einem Blicke, dessen Ruhe ihm wahrhaft unbegreiflich war. Noch hatte sie kein Wort gesprochen, nicht das mindeste Interesse verraten und doch setzte sie ihn durch diese Art, ihn zu fixiren, fast in Verlegenheit.
Rudhard lachte aber über Siegbert's Bedenklichkeiten wegen der Kleidung.
In ein so förmliches Haus, sagte er, sind Sie hier nicht gekommen. Unsere Jäger und Haiducken liessen wir in Odessa. Wir brachten nur uns selbst mit, Menschen ohne Ansprüche, die hier leben wollen, um zu lernen, einsammeln für die Misjahre, die in Russland genug noch kommen werden. Begleiten Sie uns nur in den Garten! Sie sollen uns noch manchen Rat geben. Ja, ja, wir halten diese Bekanntschaft fest!
Die Kinder hüpften voraus. Olga blieb zurück und folgte Rudhard und Siegberten nur in gemessener Entfernung. Man trat aus dem haus und bemerkte leider, dass ein Wagen vorgefahren war, der der Fürstin wohl einen Besuch gebracht hatte. Siegbert entdeckte zur Mehrung seiner Verlegenheit sogar einen Bedienten in Hoflivree.
Wir lustwandeln etwas im Garten, sagte Rudhard, als ihm ein Diener der Fürstin gesagt hatte, die Oberhofmeisterin von Altenwyl wäre bei der herrschaft.
Der Diener sprach diese Meldung aus, wie wenn es sich um das Gewöhnlichste handelte. Ein seltsamer Gegensatz zu Siegbert's Empfindung, der die hohe Bedeutung dieser Frau Gräfin von Altenwyl vollkommen kannte. Man liess nun, um die Seitenfront biegend, die hintere Front des Hauses liegen. Hier gerade in der Nähe eines grünen Rasens und eines Akazienbaumes, dicht an der mit wildem Wein bezogenen Wand des Hauses, sass die Fürstin mit weiblichen Handarbeiten beschäftigt auf einem Gartenstuhl vor einem einfachen ländlichen Tische, auf dem bunte Wolle zu Stickereien, gemalte Muster, angefangene Teppiche ausgebreitet lagen. Hier hatte die Fürstin eben die Gräfin von Altenwyl empfangen ...
Die Kinder wurden natürlich herbeigerufen, um der Gräfin, einer Freundin der verstorbenen Mutter der Fürstin, vorgestellt zu werden ...
Die Kleinen trennten sich ungern von Siegbert, den Rurik und Paulowna schon an der Hand gefasst hatten, um ihm ihre grossen Pläne und Anlagen zu zeigen, die sie im Garten anzuwühlen, denn das war der beste Ausdruck dafür, im Sinne hatten.
Rudhard, der ein schwarzes Sammetkäppchen aufsetzte, grüsste im Vorübergehen leicht. Siegbert zog den Hut mit schuldiger Ehrerbietung und bemerkte, dass die Fürstin noch jung war, klein und zart und von einer Weisse der Haut, die von der Trauer, die sie noch trug, in einer dem Auge sehr wohltuenden Art abstach.
Als Rudhard und Siegbert allein waren, sagte jener:
Diese Unmasse von Besuchen, die auf uns einstürmen, sind die lästige Seite unsres hiesigen Aufentaltes. Und das Kennenlernen von Menschen ginge noch, da es lehrreich ist. Aber Jeder will noch mehr, als nur seine person zeigen oder die unsrige erforschen. Man bietet sich zu hunderterlei Liebesdiensten an, die im grund keinen andern Sinn haben, als sich in seiner Macht, seinem Einflusse und leider auch in seinen falschen Lebensauffassungen zu zeigen. Da werden Bedürfnisse geweckt, die uns früher fremd waren, Meinungen, Unternehmungen sogar werden als sich von selbst verstehend vorausgesetzt, die wir weder kennen noch uns an ihnen zu beteiligen Verlangen tragen. Da hab' ich meine Not im Widerlegen, im Entferntalten! Glauben Sie mir, Das, was man die Gesellschaft nennt, ist der anmassendste Tyrann, den man sich nur denken kann! Er nimmt die Menschen gefangen wider ihren Willen und bildet sie, ohne dass sie seine Berechtigung dazu anerkennen wollen.
Der Eindruck dieser grossen Stadt, bemerkte Siegbert, wird um so gefährlicher sein, als mir die Fürstin noch jung scheint und unmöglich zu den schon abgeschlossenen Charakteren gehören kann.
Sie zählt doch, sagte Rudhard, schon etwa sechs und dreissig Jahre, während Helene, die Gräfin d'Azimont, etwa erst im dreissigsten steht. Sie haben Recht, wenn Sie andeuten, dass dies für die Frauen gefährliche Altersstufen sind. Diese und die erste zarteste entwicklung der Jungfrau! Die Knospe hat eine mächtig überschwengliche Vorstellung von der Seligkeit ihrer künftigen Blüte und lacht ihrer Zukunft mit zitternder Ungeduld entgegen.
Und die schon volle Rose, die dem Entblättern nahe ist, die sträubt sich dann auch noch gegen ihren Verfall. Eine Frau in diesen Jahren weiss, dass es nun die Zeit des Abschieds ist, dass Das, was ihr bis dahin nicht geblüht hat, nie mehr blühen wird, und so erlebt man oft, dass die edelsten und besten Charaktere von diesem Alter wahrhaft beunruhigt werden und in die gefährlichsten Schwankungen geraten.
Glauben Sie, dass bei der Gräfin d'Azimont dies der Fall war? fragte Siegbert, den die vereinzelten Andeutungen, die er schon über diese Frau empfangen hatte, doch interessirten..
Helene d'Azimont, sagte Rudhard, war ein liebes sanftes Kind! Als ich sie in Osteggen kennen lernte, schloss sie sich mir mit wahrer Zärtlichkeit an, inniger fast,