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in Frankreich ewig als ein Arbeiter zu leben, schreibt, noch treu an Ihnen und Ihren Principien hält, so vernichten Sie sie! Lassen Sie dann meinen Sohn das Bild und nurich nehme Ihr heiliges Wortmein Lieblingsbuch, den Tomas a Kempis, darin finden. Das ist meine Bitte! Eilen Sie, um jedem Misbrauch zuvorzukommen! Anliegend ein Wechsel für Ihre Reise, Ihre Bemühungen!"

"Wenn Sie mir schon in Ihrer umgehenden Antwort ein aufrichtiges: Ja! Ich vollziehe diesen Auftrag, zukommen lassen!.. bestimm' ich, wie Ihre Mühe noch ferner soll entschädigt werden. Eilen Sie! Einen Anfall wie den der verwichenen Nacht überleb' ich nicht. Viel duldend, aber freudig im Herrn Amanda Hohenberg."

Diesen Brief, ergänzte Rudhard, als Siegbert erschüttert schwieg, erhielt ich erst nach einem halben Jahre und wusste an dem Datum und einer in Odessa gelesenen Zeitungsnotiz, dass sie schon einige Tage nach Absendung desselben gestorben war. Ich gestehe Ihnen, dass mein Eifer, dem Vertrauen der Sterbenden zu entsprechen, nicht gross war.

Sie waren in Odessa!

Der Entfernung wegen nicht. Die Donaudampfschiffe vermitteln das Schwarze Meer mit Deutschland ... Die Summe, die die Fürstin anwies, war bedeutend ...

Diese grossartige Anerkennung auf dem Sterbebette! Sie fand in ihrem Gedächtniss keinen Redlicheren als Den, der ihre Ansichten nicht teilte, dem sie Übles getan hatte ...

Wohl! Aber es empörte mich wieder, dass sie gerade durch diese Analyse ihres Weges, wie sie zu Christus hätte kommen müssen, sich vor mir rechtfertigen, mich vielleicht in ihrem Sinne bekehren wollte. Ich sah die ganze Frau vor mir! Dieses Gemisch der freundlichsten Eigenschaften mit einer unglaublichen Menge eitler, unpraktischer, confuser Vorstellungen! Ich fühlte mich so erkältet durch diese Widersprüche von ihr selbst, die bis zum rand des Grabes angedauert hatten, dass ich meiner Unentschlossenheit um so mehr nachgab, als ich von Egon gerade damals hörte, dass er die communistischen Torheiten, die er getrieben hatte, aufgab, wohl wieder Fürst war und zu einer wahrhaft verlorenen Seele, die mir die bittersten Schmerzen schon gekostet hat, zur Gräfin d'Azimont in eine jener Beziehungen trat, die sich die verwerfliche Moral der höheren Stände, wie das Reinste und Edelste erlaubt. Sagen Sie selbst, ob ich tadelnswert handelte, indem ich den Ablauf des Jahres herankommen liess, ohne mich zu eifrig zu bemühen?

Ich weiss nicht, entgegnete Siegbert, ob ich an Ihrer Stelle mich beruhigt hätte. Die Geständnisse der Fürstin waren hoffentlich nur für den Handwerker Egon bestimmt ...

Rechnen Sie noch Dies, fuhr Rudhard fort, dass ich erfuhr, Egon's Vater hätte die ganze Einrichtung des Schlosses Hohenberg unter der Bedingung verkauft, dass von ihr nichts verändert würde bis zu seinem tod, dass ich ferner aus den Nachrichten, die wir in Odessa über die d'Azimont hörten, wusste, Egon hätte nicht die Absicht jemals Paris zu verlassen. Fürst Wäsämskoi wollte eine Reise hierher unternehmen und auf diese spart' ich meine etwa noch mögliche Erfüllung der mir zugemuteten Verpflichtung auf. Der Fürst erkrankte aber auf einer Dienstreise und starb. Da bedenken Sie denn die Verwirrung, in die eine mir unendlich teure Familie geriet! Bedenken Sie, wie ich alle meine schwindenden Kräfte zusammenraffen musste, um diesen Verzweifelnden Stütze und Stab zu sein! Da gab es zu ordnen, zu rechnen, zu schreiben ... Die Reise hieher und ein längerer Aufentalt in dieser Stadt wurde der Kinder wegen beschlossen, die hier unterrichtet werden müssen, wenn etwas von tieferer Bildung in diese gutgearteten Seelen kommen soll. Aber es verzögerte sich von monat zu monat. Endlich komme ich hier an, höre von Egon's Anwesenheit, von Helene d'Azimont, dass sie seit einigen Tagen hier ist ... Wir richteten uns vor dem Tore in einem dort durch die Gesandtschaft schon bereit gehaltenen Gartenlogis ein und ...

Nun? sagte Siegbert gespannt, als Rudhard stockte.

Nun wollt' ich doch sehen, ob es noch möglich ist, eine vielleicht durch die Gunst des Schicksals selbst verschobene Sache wieder aufzunehmen. Ich besuchte soeben das Palais des Prinzen, höre von seiner Krankheit, lerne einen Franzosen kennen, der mir ein so lebhaftes Interesse für den Prinzen, für mich, den er als früheren Lehrer desselben schon kannte, zu besitzen schien, dass ich mich nicht scheute, ihn in das geheimnis der Fürstin Amanda, so weit tunlich, einblicken zu lassen. Er sprach selbst von dem Bilde und nannte mir Sie und Ihren Bruder als die zufälligen gegenwärtigen Besitzer desselben, und da bin ich denn nun, um zu hören, was Sie selbst von allen diesen Dingen halten und was Sie beschlossen haben, wie es damit ferner geschehen soll.

Siegbert erhob sich, ging mit einigen entschlossenen Schritten in das Nebenzimmer und kam mit dem Bilde wieder.

Da ist das Bild! sagte er.

Rudhard angenehm überrascht, erkannte es sogleich als das der Fürstin in jungen Jahren.

Als er aber danach langen wollte, hielt Siegbert seine Hand darauf und Rudhard trat zurück.

Siegbert sprach nichts und doch lag in seinem Blikke die beredtsamste Verteidigung seines Vorentaltes ...

Sie haben Recht, sagte Rudhard. Ich kann keine Ansprüche darauf machen. Auch nur der Anblick der Fürstin überrascht mich! Ich sehe die Spuren dieser eigentümlichen Frau in meinem Gedächtnisse wieder wie lebendig auftauchen. Die Unglückliche kam schon