wald bei Hohenberg unter einer alten dreihundertjährigen Eiche geahnt, ergriffen, mit lebendigem Auge geschaut habe! denke' an die Taube über deinen flammenverzehrten Templern! denke' an das vierblättrige Kleeblatt am Kreuze, das mir ein Symbol geworden ist, einen grossen Gedanken zu suchen auf der platten Wiese des Lebens, wie man ein Vierblatt im Klee sucht und freudig ruft: Ich hab's! Am Abend, Bruder, grüsse mich stark und entschieden! Wir sind, denke' ich, einig über die Eidechse, und fliegen nicht von unsern Bäumen zu ihr hinunter, mag sie auch mit Augen wie Rubinen glänzen und ein Bett von eitel Rosen zeigen, auf dem es schön dünken mag, unsterblich sterblich mit ihr zu ruhen! Bei dem geist unsres Vaters! Dein ... Bruder!
Nachschrift. Verschliess mir das Bild! Ich geb's Morgen an den Prinzen Egon von Hohenberg ab, dem es gehört.
. ...Als Siegbert diesen Brief gelesen hatte, weinte er wirklich. Aber er weinte nicht aus Schwäche um Melanie's Verlust, sondern aus Liebe für den Bruder.
Dies Wort: Beim geist unsres Vaters – öffnete die Schleusen seiner Seele! Das war ein Zauberwort der Liebe und der kräftigenden Erinnerung! Was hatte er, wenn nicht die starke Hand des Bruders, den er gelobt hatte, zu erziehen und der ihn erzog!
Von dem Augenblicke an, wo er schon aus Melanie's gewitterblitzenden Augen, aus der dunklen Glut ihres Zornes gefühlt hatte, dass sie wohl den Bruder oder der Bruder sie liebe, war sein Entschluss fest, nach einer solchen Blüte nicht mehr aufzublicken. Die gab er hin! Mit Schmerz; denn er gehörte zu jenen Männern, deren Bestimmung es zu sein scheint, gerade die Frauen zu lieben, die am wenigsten für sie passen. Aber er gab sie schon dahin! .... Nun aber bot der Bruder auch einen Ersatz, eine Heilung dar, die Verachtung des erträumten Glückes und ein höheres Ziel. Er fühlte das Letztere nicht mit dem Feuer wie Dankmar, er fühlte die Verachtung nicht so tief, wie Dankmar sie durch die Erzählung von einem gewagten, zweideutigen Abenteuer ihm.. er sah Das.. absichtlich und geschärft, förmlich einätzen wollte, ja es entgegnete seinen scharfen Worten in ihm die Gedankenreihe: Wie kannst du, Undankbarer, Das so heftig tadeln, was doch nur die rasendste leidenschaft und Liebe für dich veranlasst haben kann!.. aber der Rest seiner Betrachtungen war der, dass er sich sagte:
Die schöne Welt, die du dir aufgerichtet, ist zerstört! Und wo ich nicht die Blüte mehr sehe, mag ich keine Frucht.
Er entschloss sich, nur noch ... "unglücklich zu lieben".
Nachdem er sich für sein langes Fasten durch mässige Kost entschädigt hatte, ging er, ruhig und mit gesenktem haupt schlendernd, erst in die Wallstrasse, um Armand's Auftrag beim Tischler Märtens und gelegentlich auch für Franziska Heunisch auszurichten, dann ging er nach Haus und zählte sogleich das Geld für Hackert zurecht, über den plötzlich so Günstiges zu vernehmen ihm innigst wohltat.
Die Wirtin wusste ihm nichts zu melden, als dass der Fuhrmann aus dem Pelikan mit seinem lahmen Hunde dagewesen wäre, auch ein anderer ihr ganz fremder Herr von finsterem, strengem Aussehen, der seinen Namen nicht genannt, aber versprochen hätte, wiederzukommen..
Fast anteillos warf er sich, halb entkleidet, auf das Canapé, das in Dankmar's Zimmer, in ihrer sogenannten Aula, stand.
Eine Weile tat diese Ruhe, dieses Brüten, ihm wohl. Er schlug die hundert Taler ein, die Hackert heute Abend in einer wohnung zurückempfangen sollte, die ihm aus Leidenfrost's Äusserungen über die berüchtigte Auguste Ludmer, früher Malermodell, sehr unheimlich vorgekommen sein würde, wenn er nicht auch einer dort hausenden Proletarierfamilie in wohltuender Weise erwähnt hätte.
Aber so interessant es ihm war, diese neuen Anregungen, besonders über Hackert, zu dem er längst wieder Vertrauen gefasst hatte, seitdem er an Lasally das Pferd richtig zurückgestellt gefunden, empfangen zu haben, diese Gedankenreihe konnte ihn von seinem Kummer nicht loslösen.
Er suchte nach andern Gegenständen, um aus dem tiefen Unmut, der ihn umschattete, wieder zum Lichte eines freieren Gedankens zu kommen. Er fiel so auf das Bild, dies vielbesprochene Bild! ... Dankmar hatte ihm ja aufgetragen, es sorgsamer zu verwahren.
Wie er an dem alten Rahmen des blassen Pastellgemäldes mit den Fingern streifte und den alten Staub auf der abgesprungenen Vergoldung tilgte, dann hinten den neuangefügten Boden befühlte, der etwas einer bedeutenden Familie so Wichtiges verbergen sollte, begriff er kaum, wer es gewesen sein könne, der mit einem Andern auf so gefährliche Weise hätte sich verständigen wollen. Durch ein Bild! Er glaubte kaum daran, dass das Bild in seinem rücken Papiere entielt ...
Es war weniger Neugier, als die zufällige Absicht, sich irgendwie zu zerstreuen, dass er anfing, einem etwaigen Mechanismus des Bildes nachzuspüren. Der wahre Besitzer, dachte er, wird sich leicht helfen; er weiss entweder das geheimnis oder er zertrümmert den Rahmen. Das Letztere durfte er nicht und ein geheimnis war nicht zu entdecken ...
Er gab seine Neugier auf und machte den Versuch, irgend eine Beschäftigung vorzunehmen, vielleicht der Mutter zu schreiben, vielleicht etwas zu zeichnen.
In den Zurüstungen dazu traf es sich zufällig, dass