Eidechse. Eine Eidechse, Bruder, denke dir das gefährliche Tier! Man hat Fälle, dass Eidechsen zu den grünen Zweigen hinaufblicken nach den freien Vögeln, die sich sorglos oben auf ihnen wiegen. Denke dir den Aufblick einer Eidechse zu einem Vogel, der nichts Schlimmes ahnt und singt und vielleicht zur Erde hüpft, in den Busch, in den Rosenstrauch, auf die blumige Wiese, wo die schöne Lazerte haust, und.. verloren ist er.
Soll ich dir ein Stückchen von dieser unsrer Eidechse erzählen?
Deinem besten Freunde und einzigen Bruder Dankmar lag sehr viel an einem gewissen höchst rätselhaften Bilde ... Dies Bild soll einen geheimen Druck und an der Rückwand Papiere besitzen, die irgend einer person, ich muss sie einen Prinzen nennen, von Interesse sind ... die Eidechse hält mich für den Prinzen ... und will mir das Bild verschaffen; mir ..., weil ich ein Prinz bin.. zwar arm, aber doch ein Prinz! Zwar verschuldet, aber doch ein Prinz! Verstehst du ... Das Bild liegt irgendwo versteckt, unzugänglich. Wo, frägst du? Ich sage, in einem grossen Möbeltransportwagen, der von Hohenberg nach der Residenz von zwei Gendarmen zwei Bedienten und einer Excellenz, dem Geheimrat von Harder, feierlich geleitet wird ... Melanie verspricht mir, was sag' ich, dem Prinzen, das Bild zu schaffen.. Was tut sie?. Sie spinnt eine Intrigue mit der Excellenz an.. die Excellenz geht in's Netz und ist verliebt, geschmeidig wie ein Aal. Es hat Wolken herabgeregnet.. Alles ist nass und feucht.. Man trifft in einer Herberge, Namens Heidekrug, zusammen.. Die Excellenz verlangt Beweise von Liebe, von Hingebung ... Er schmachtet, sie schmachtet.. Die Eidechse ist liebenswürdig, aber doch zu schlau und zu grausam für Unsereins.. Sie will das Bild und die Excellenz will einen Beweis ihrer Liebe ... Was erfindet sie?.. Ein Stelldichein!.. Sie soll ihm damit natürlich nichts Anderes gewähren, als nur ein Zeichen Dessen, was sie ihm zu gewähren.. im stand wäre!.. So denkt die Excellenz. Die Eidechse zögert, schlängelt, schwänzelt. Endlich sagt sie: Ja, ich habe dir viel zu sagen, viel Gift in deine kleinen, schönen Ohren zu träufeln! Ich bin unglücklich! Die Excellenz wird jung unter ihrem verjüngenden Atem. Sie wagt Alles für einen zarten elastischen Druck der Eidechse. Da sagt diese: Ich komme, aber ich bin bewacht, du bist bewacht, wir Alle sind bewacht.. wo sehen wir uns? Drinnen ist's zu laut, draussen ist's zu nass! Wo sehe' ich dich? Wo sag' ich dir, was ich fühle, was ich empfinde, wenn ich freie Vögel auf den Zweigen sehe und sie nicht mit einem Satz erschnappen kann? Wo? Wo? Die Excellenz ist zu Allem bereit, und da schlägt die Listige vor: Kein Ort ist sichrer als dein grosser Wagen! Das ist ein Tanzsaal! Das ist ein Gesellschaftszimmer! Dort flüst're ich dir die drei Worte zu, die ich noch Keinem sagte, die drei Worte, inhaltsschwer, sie gehen von mund zu mund.. Die Excellenz macht Schwierigkeiten. Die Eidechse weiss Alles zu beseitigen, die Gendarmen, die Bedienten, den eisernen Schlagbaum.. Du öffnest um elf Uhr den Wagen, komm' ich auch erst um zwölf! Ich gebe dir den Beweis, den du Einziger, verlangst!.. Der Excellenz wird es schwindlig. Der Mann denkt an die drei Worte inhaltsschwer, sie gehen von mund zu mund.. Was ahnt er nicht? Was hofft er nicht? Es schlägt elf. Er hat die Wächter entfernt. Die zechen! Die trinken auf Königs Wohl! Der Wagen wird offen.. Er hatte "nur etwas in ihm zu suchen", legt die Stange an, als schlösse er wieder zu und geht auf sein Zimmer, um sich sogleich heimlich wieder zurück zu begeben und die drei Worte zu vernehmen, inhaltsschwer. Die Eidechse..
husch.. rasch zur Hand.. kaum verschwand die Excellenz, war sie im Wagen und hatte, was der "Prinz" wollte ... das Bild! Nun entschlüpft sie.. aber hui! Da erschrickt sie vor Etwas, das sie nicht ahnte.. Es war vielleicht nur eine Katze, ein grosser Kater, den sie fürchtete und vor dem sie Entsetzen überlief. Die Katzen lieben ja auch die freien Vögel auf grünen Zweigen und haben Brotneid gegen die Eidechsen. Katze oder Iltis ... genug, die Eidechse erschrickt so heftig, dass ihr das Bild entfällt und sie vor der Tür des Prinzen fast die Felsenspalte nicht wiederfindet, wo sie unterkriecht ... Es gab Lärm,.. wenigstens trat ein Reisender, ein Amerikaner, wenn nicht von Geburt doch von Gesinnung, auf den Corridor. Er erhebt das Bild, nimmt an den im Mondlicht erkennbaren Zügen ein Interesse, das dem "Prinzen" noch jetzt nicht erklärlich ist, und folgt der Weisung der in der Ferne harrenden Eidechse, die ihm rasch noch zunickt: Da! Dort! Dem schlummernden Prinzen gehört's! Bitte! Wollen Sie? ... Der bringt's dem "Prinzen" und legt'