, mich in solche Versuchungen zu führen! sagte er; dein abenteuerlicher, mir jetzt noch lächerlicher Schrein! Ich verstehe dein archivalisches Unglück gar nicht, kann deine finanzielle Ungeduld gar nicht schätzen .... Was weiss ich denn, was hier so Wichtiges auf dem Spiele steht! Ich will nicht sagen, dass ich – er lenkte dabei freundlicher ein – zu haus aus unserm Staatsschatze diese zwanzig Taler nicht wieder ergänzen könnte ...
Das kannst du? rief Dankmar. So günstig steht die Bilanz der Gebrüder Wildungen? Und da quälst du mich mit einer Miene, die aussieht wie ein österreichischer Bankbericht? Her das Packet! Zwanzig von hundert bleiben achtzig! Wir sollten geizen, wir, die wir Pferde an Landstreicher verschenken, classische Bilder malen, ohne sie zu verkaufen, wir, die wir eine Anstellung im staat so lange verachten, bis sich der Staat gebessert hat und würdig zeigt, einem Mann von grundsätzen jährlich achtzehnhundert Taler Gehalt zu geben, wir, die wir die arrangirtesten jungen Weltverbesserer sind, die nur jemals das Wort Credit und das Geld überhaupt verachtet haben!
Solchem Humor konnte Siegbert nicht widerstehen. Er trat hinter den grossen Packwagen, griff in die tasche, löste das Packet und zählte dem Bruder soviel Scheine ab, als er gewünscht hatte. Währenddem wurde schon die kleine Kalesche aus der Remise gezogen, die Stalllaterne leuchtete einem Pferde voraus, das langsam mit gebücktem Halse über den Hof schlich, in die Gabel des Wägelchens vom Hausknecht eingeschoben und angeschirrt wurde. Katrine und Peters waren inzwischen verschwunden.
Und nun ... wer fährt Sie jetzt? fragte der Pelikanwirt, der mit Gutmütigkeit an Dankmar's Verlust den innigsten Anteil nahm.
Ich selbst! Ich selbst! Nur die Peitsche her!
O, Das nicht, Herr! Das macht Sie müd und mat. Kaspar, da mein Knecht, geht mit. Die Peitsche geholt, Kaspar! Die Decke auf den Bock! Sapperlot, schläft der Kerl schon um die zehnte Stunde im Gehen! Hört und sieht nicht, was um ihn vorgeht! Kaspar!
Schon wollte sich Kaspar, aufgerüttelt von seinem Herrn, der in fremder Ermüdung nur seine eigene vertuschen wollte, anschicken, dem Befehle zu folgen, als aus der Dunkelheit eine stimme ertönte und die Worte vernehmbar wurden:
Wecken Sie doch den Kaspar nicht aus seinen süssen Träumen, Herr Wirt. Er sehnt sich, sehen Sie nur, nach einem tiefen Chausseegraben, in den er den Herrn hineinfahren wird. Wenn Sie erlauben, meine Herren, mach' ich mir das Vergnügen und ...
Der Sprecher brach ab und trat vor. Es war Hakkert. Die Stalllaterne beleuchtete seine magere Gestalt und gab ihr im Zwielicht ein unheimliches, verwittertes Aussehen. Er hatte die hände in den Beinkleidertaschen, als fröstle ihn. Das Halstuch hing über dem zugeknöpften Frack herab in langen, losen Zipfeln.
Sind Sie schon wieder da? fragte Dankmar erstaunt, während Siegbert in eine unbeschreibliche, fast komische Angst geriet. Er gedachte, wie es nun werden sollte, wenn der sonderbare Fremde jetzt sein veruntreutes Pfand wieder verlangte.
Ich habe den Levi auf Ihren nächsten Händedruck vertröstet, sagte Hackert. Jude bleibt doch Jude und wenn er auch Sporen an den Stiefeln trägt. Der alte Schimmel, der unter Rosstäuschern gross geworden ist und mehr Hengste gewallacht hat als mancher Beschnittene Dukaten wallacht, ist mein Freund nicht. Er meinte, es hat gute Wege –
Und war doch froh, dass er sein Pferd wieder bekam? entgegnete Dankmar forschend und wiederum zu Siegbert hinüberlugend, der vor Schreck über diese rasche Wiederkehr Hackert's fast sprachlos geworden war.
Die Mähre lässt sich's schmecken, als wenn sie ein Wettrennen mitgemacht hätte. Sie sehen übrigens, dass ich mit Pferden umzugehen verstehe. Wenn's Ihnen recht ist, fahr' ich Sie nach Hohenberg und helf' Ihnen die Kiste mit dem Kreuz suchen. Sehen Sie, Herr Maler da hinten, ich bin curios, ob das ein dreioder ein vierblätteriges Kreuz sein wird! Gleichviel, wenn wir das Ding nur wiederfinden!
Dankmar horchte hoch auf. Siegbert erzählte dem Bruder in wenig Worten, dass er die Bemerkung über ein ähnliches Kreuz an der Kirche zu Tempelheide diesem gefälligen Herrn Hackert verdanke.
Hackert! Ganz Recht! Das ist mein Name! sagte dieser, und ich denke, ich fahre Sie nach Hohenberg. Wir treffen dort Gesellschaft. Lasally und seine Jokeis sind dort – sonst freilich ...
Sonst? wiederholte Dankmar, als Hackert stockte.
Sonst – sagte Hackert und griff nach der Peitsche, die Kaspar geholt hatte. Mit einer Bewegung der arme holte er aus und knallte. Er schien die Antwort vermeiden zu wollen.
Kaspar und der Pelikanwirt schienen wenig Vertrauen zu dem aufdringlichen Mann zu haben und brummten vor sich her. Siegbert kämpfte wieder mit dem Gefühl, dass Hackert doch wohl ein zweideutiger, ihres Vertrauens unwürdiger Mensch wäre, und bangte vor dem Gedanken, den geliebten Bruder mit einem im Feld herumschleichenden Tagediebe, einem abgesetzten Schreiber, allein zu lassen. Allein Dankmar, der vom Bruder besorgen musste, dass er, um nur den Antrag Hackert's ablehnen zu können, die ihm eben zugezählte Summe von zwanzig Talern zurückfodern würde, schnitt alle weitern Verhandlungen mit den Worten ab:
Steigen Sie auf, wenn's Ihr Ernst ist! Machen wir nun vorwärts.
Gut denn! Es ist mein völliger Ernst. Aber wenn ich nun bitten